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CDU schafft Hauptschule ab

Kürzlich noch hielt Frau Prof. Schavan die Hauptschule für unverzichtbar, jetzt erklärt sie, dass die CDU sie abschaffen will.

Man könnte von einem Naturgesetz reden, wenn es nicht um Gesellschaftspolitik ginge: Es braucht länger als eine Generation, bis sich eine Erkenntnis durchsetzt. Dass kluge Leute etwas viel früher erkannt haben, heißt erst einmal noch nicht viel. Das war bei der Immigration so, bei der Atomkraft, bei Inklusion/Integration und ist eben jetzt so bei der Schulstruktur.

Dass die Hauptschule (ich glaube in NRW) gar Verfassungsrang hat, man fasst es nicht. Aber es gab ja auch bis 1968 konfessionell getrennte Staatsschulen. Und wehe, wenn die Evangelen auf die katholische Jungentoilette gingen oder die Katholen im evangelischen Fahrradkeller.

Als vor 40 Jahren in Hessen die Förderstufe, der gemeinsame Unterricht von Haupt-, Realschülern und Gymnasiasten eingeführt wurde, sah die Junge Union Sozialismus im Schulwesen (So der Titel einer Broschüre). Das Experiment wurde an den Rand gedrängt, wo es bis heute ist. Aber Haupt- und Realschüler in einer Schule, mit einem Kollegium, einer Schulleitung, das gibt es schon länger. Selbständige Hauptschulen gibt es in Hessen seit 20 Jahren nur noch weniger als eine Handvoll. 96% der hessischen Schüler/-innen gehen NICHT auf die Hauptschule.

Wenn also heute, je nach politischem Standpunkt die Revolution oder der Weltuntergang ausgerufen wird, weil die CDU eine organisatorische Zusammenfassung als Eckpfeiler ihrer Bildungspolitik beschließen will, kann man sich gelassen zurücklehnen. So schlimm wird es nicht. Ob es besser wird, ist aber auch nicht ausgemacht. Entweder gibt es in der neuen Oberschule einen Hauptschul- und einen Realschulzweig und die alte Trennung läuft mehr oder weniger weiter. Oder H- und R-schüler sitzen nominell in derselben Klasse, werden aber in mehreren Fächern nach Leistung getrennt. Diese Organisationsform, Förderstufe, Orientierungsstufe, integrierte Gesamtschule genannt, wird seit ihren Anfängen in den 70er Jahren von der CDU bekämpft, und ist auch bei den Lehrkräften wegen des organisatorischen Aufwandes (Auf- und Abstufungen, Lenkungskonferenzen, erhöhte Fluktuation in den Lerngruppen und Binnendifferenzierung) nicht sonderlich beliebt.Den Hauptschulabschluss solle, laut „Spiegel“ in der Oberschule weiterhin geben.

Den kooperativen und integrierten Gesamtschulen wird man weiterhin das Leben schwer machen, obwohl in ihnen seit 40 Jahren gemeinsames Lernen praktiziert wird. Der Konstruktionsfehler für FDP und CDU ist aber, dass auch die Gymnasien miteinbezogen sind und ihre Selbstständigkeit verlieren.

Vielleicht ist jetzt angebracht, was als Mythos von Ostalgikern verbreitet wird: Man könne von der DDR-Schule lernen. Da gab es eine klare Trennung: Beim kleinsten Problem ab in Arbeitserziehungslager und Jugendwerkhöfe, für die Masse POS/EOS und für die Elite die Spezialschulen. Weiterlesen

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Hessen erklärt Status Quo zur Reform: Mittelstufenschule

Man freute sich darauf, endlich einmal etwas von der hessischen Kultusministerin zu hören. Zu früh gefreut, Chefsache, der Ministerpräsident trat vors Mikrofon. Er verkündete die „Mittelstufenschule“:

In Klasse 5 werden Haupt- und Realschüler gemeinsam unterrichtet,  in Klasse 6 gibt es im Klassenverband Leistungsdiffenzierung, ab Klasse 8  werden sie in H- und R-Klassen getrennt. Die Hauptschüler werden noch intensiver als bisher auf die Berufsausbildung vorbereitet.

Förderstufe? Nie gehört!

Der Hessische Rundfunk widmete am Freitag dieser Schulreform light viel Sendezeit. Was mich wunderte: Weder die Moderatoren noch die Anrufer erwähnten, dass man in Hessen vor vierzig Jahren schon weiter war. In den 70er und 80er Jahren ging fast die Hälfte der Fünft- und Sechstklässler in die Förderstufe, eine integrierte Jahrgangsstufe 5/6. Sie umfasste Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten. Die wurden, das sei zugegeben, in einem nicht ganz unkomplizierten System nach Fachleistung in Englisch und Mathematik differenziert, in den anderen Fächern gemeinsam unterrichtet. Dort sollte „innere Differenzierung“ stattfinden. Das können Grundschullehrer/innen, nicht aber Sekundarstufenlehrer.

Den Mut, eine Grundschule 1-6 zu machen, hatten die Sozialdemokraten nicht. Ein früherer  SPD-Kultusminister bedauert, dass man gleich nach dem Krieg nicht auf die Amerikaner gehört hatte, die das befürworteten.

Der Kulturkampf, der damals ausbrach, ist gerade in Hamburg wieder zu erleben. Unvergesslich, wie an meinem Schulstandort Damen im Nerz auf dem Marktplatz Flugblätter gegen die Förderstufe verteilten. Die Junge Union sah den Sozialismus kurz vor der Machtergreifung, der Pfarrer von Fischbach redete von Teufelszeug. (Ich übertreibe nicht!) Das war in den 70ern.

Die Förderstufe gibt es kaum noch. Sie wurde administrativ liquidiert.  In den wieder dreigliedrigen Klassen 5 und 6 begann ein Verschiebebahnhof zwischen H, R und Gym, gegen den die Auf- und Abstufung in den Förderstufen-Fachleistungskursen nachträglich als Kinderspiel erscheint.

Die Hauptschule ist ein totes Pferd, nur darf niemand absteigen.

Gerade einmal 4 selbstständige Hauptschulen unter den ca. 600 hessischen Sekundarstufenschulen gibt es noch. Auch selbstständige Realschulen gibt es nur wenige. (Eine versucht gerade, mit der „ersten und einzigen internationalen Schulbibliothek“ Deutschlands ihr Profil zu schärfen.) Was es gibt, sind kombinierte H/R-Schulen mit gemeinsamer Leitung und gemeinsamem Kollegium. Oder Kooperative Gesamtschulen (KGS), in denen H/R/G organisatorisch unter einem Dach vereint sind.

Am Beispiel einer KGS lässt sich zeigen, dass die neue „Mittelstufenschule ein ziemlich alter Hut ist.

Das tote Pferd kriegt einen neuen Namen.

Nach den Sommerferien sind 62 Gymnasiaten angemeldet, 33 Realschüler und 5 Hauptschüler. In den Ballungsgebieten geht der Gymnasistenanteil auf 70 und mehr Prozent! Eine Klasse mit 5 Hauptschülern zu bilden, erlauben die Richtlinien nun wirklich nicht. Klassen mit 10 oder 11 Schülern gab es aber schon. Man weiß ja: Spätestens ab Klasse 7 gibt es genügend Sitzenbleiber, die es erlauben, eine H 7 aufzumachen.

Schulleitungen sind dazu da, den Laden am Laufen zu halten. Da wären in Hessen Zulagen oder mindestens Orden fällig. Niemand will gegenüber dem Schulamt als Versager dastehen.

Also steckt man die 5 Hauptschüler in die Realschule und kann dort sogar zwei kleine Klassen aufmachen.  Nun hat man das Problem, den Realschuleltern zu verkaufen, dass in der Klasse Hauptschüler sind. Das erfragen die schon vor den Sommerferien und melden ihre Kinder dann woanders an. Oder spätestens im Folgejahr das Geschwisterkind. Also schildert man die Kombi-HR-Klasse in den schönsten Farben: Wollen Sie lieber eine „reine“ R-Klasse mit 33 oder eine mit 18, von denen 3 Hauptschüler sind?

Als Sahnehäubchen gibt es eine Stunde Mathe mehr für alle und einen Deutschzusatz am Mittwoch in der 7. Stunde für die 5 Hauptschüler aus beiden Klassen.

Am Ende des Schuljahres kann es passieren, dass zwei der ursprünglichen Hauptschüler auf R-Niveau stehen, aber drei ursprüngliche R-Schüler jetzt die H-Einstufung haben. Es fiel nicht weiter auf, weil damit kein Klassenwechsel verbunden war und auch die Eltern keinen Imageverlust in der Nachbarschaft erlitten. Das wurde aber nicht thematisiert, denn es erinnerte an die ungeliebte „Zwangs“- Förderstufe.

Der Lehrerverbrauch ist so natürlich höher. Deswegen dachten Schulämter auch darüber nach, die Hauptschüler aus nicht allzuweit voneinander entfernten Gesamtschulen in einer gemeinsamen H-Klasse zusammen zu legen.

Um die Klassen möglichst schnell wieder dreigliedrig zu machen, wurden im Lauf der Jahre die Vorschriften rigider (Zwangssitzenbleiben statt Empfehlung).

Ab Klasse 7  kam dann etwas Ruhe ins System. Es gab zwei starke G-Klassen, eine randvolle R-Klasse und eine H-Klasse mit 13 oder 17 Schülern.  Von denen konnte man in Klasse 8 die 3 Lernschwächsten in die Kreis-SchuB-Klasse anmelden. In diesen „Schule und Beruf“ genannten Klassen wurden die Schüler in Kleingruppen von einem Lehrerteam und mit viel praktischem und berufsbezogenem Unterricht betreut. Damit stiegen die Chancen, den einfachen, den erweiterten oder den qualifizierenden Hauptschulabschluss zu bestehen.

Man reitet weiterhin das tote Pferd, Sattel und Decke sind aber neu.

Eine Folge der „Reform“ wird sein, dass die Mittelstufenschule den verbliebenen, ungeliebten KGS den Garaus machen wird. Diese, auf dem halben Weg zur IGS stehen gebliebenen Schulen mit H/R/Gym-Klassen sind ein Auslaufmodell. Einigen wenigen ist es gelungen, sich zur IGS weiterzuentwickeln. Einige wurden wieder in H/R-Schule und Gymnasium getrennt. (Ich kenne  zwei Fälle, in denen die Schulbibliothek im Gymnasialgebäude war und von H/R-Schülern nicht mehr genutzt werden konnte. Manchmal wird auch der Schulhof wieder geteilt.) Aber so schlimm wie in den 50er Jahren (evangelisches Jungenklo usw.) ist es nicht mehr.

Hat Finnland das DDR-Schulsystem übernommen?

Den Narrativen von der fortschrittlichen DDR ist manchmal schwer beizukommen. Sei es, dass die DDR der zehntstärkste Industriestaat der Welt gewesen sein soll, der beste “antifaschistisch-demokratische” deutsche Staat mit der höchsten sozialen Gerechtigkeit gegenüber Witwen, Behinderten und Rentnern. Man findet jenseits der Web 2.0-Kommentarkriege meist Belege für die Haltlosigkeit dieser Parolen. Wer das feststellt, beleidigt nicht 17 Millionen Deutsche, wie das von der Partei Die Linke. behauptet wird.

Es ist wie mit dem angeblich so hohen Eisengehalt beim Spinat, der auf einer falschen Kommastelle beruht: Die Weltbank hatte die DDR auf Grund eines Rechenfehlers ihrer Statistiker so wirtschaftsstark wie Italien gesehen. Die SED hatte kein Interesse, das von der Weltbank sogleich korrigierte Bild zu verbreiten. Es wird bis heute konserviert und auch mancher rbb-Moderator ist der Meinung, der Ruin der DDR sei von der Treuhandanstalt verursacht.

Auch die  Übernahme des DDR-Schulsytems durch Finnland ist so ein Mythos.

Es gibt kein Dokument, das die Wahrheit oder Unwahrheit eindeutig belegt oder es muss noch danach geforscht werden. Ich will versuchen, ein paar Überlegungen zusammenzustellen.

Aus der Tatsache, dass es Rundreisen von Finnen in der DDR gab, wird geschlossen, dass es so gewesen sein muss, wie die Legende besagt. Nun, ich habe an Gruppenreisen in die DDR teilgenommen, aber nichts übernommen. Ein Automatismus besteht da wohl nicht.

Finnland hatte auf Grund seiner politischen Neutralität diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik und zur DDR. Es bestanden vielfältige, auch kulturelle Kontakte.

In den 60er Jahren gab es in vielen Industriestaaten als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen und ökonomische Sachzwänge Schulreformen. Gesamtschulen gab und gibt es in USA und in Westeuropa, auch in einigen westdeutschen Bundesländern. Wenn, dann war Finnland von den viel früher in Schweden begonnenen Reformen der Schule und Hochschule beeinflusst.

Margot Honecker, verantwortlich für die Volksbildung, erinnert sich daran, dass die Finnen die Wandzeitungen und das Melden zu Unterrichtsbeginn übernommen hätten. Sie bedauert, dass sie – wohl der Temperaturen wegen – den Fahnenappell nicht übernommen hätten.

Dass der Finnland-Mythos nicht stimmt, bestätigt Rainer Domisch, (west-)deutscher Erziehungsberater im finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen. Domisch machte in einem Vortrag vor hessischen Schulleitern, bei dem ich anwesend war, auf den wesentlichen Unterschied aufmerksam: Die finnische Schule ist eine gemeinsame Schule für unterschiedliche Lerner, keine Einheitsschule. Das DDR-Schulsystem ist ein rigides Top-Down-Modell von Schule. Autonomie der einzelnen Schule oder des Lehrers kommen darin nicht vor. Das aber sind Merkmale der finnischen Schule.

Ärgerlich ist, dass der Mythos von der guten DDR-Schule sogar von Erziehungswissenschaftlern für bare Münze genommen wird. Prof. Dr. Olaf Köller, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung, Berlin, wird in der Zeit mit dem Satz zitiert, die DDR-Schule hätte keinen zurückgelassen. Dies übersieht er: Als Lehrer gab man eher gute Noten, denn bei schlechten wurde man zum Schulleiter zitiert und musste sich rechtfertigen. Die parteiische EOS-Auswahl. Die Exklusion behinderter Schüler/-innen.

Der Spruch “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen” gilt nicht zuletzt für DDR-Erziehungswissenschaftler und SED-Kader, die in deutscher Überheblichkeit ihr Schulsystem für das beste in der Welt hielten. Manche Westler (s. o.) sehen das heute noch so.

Hans-Joachim Maaz, Leiter einer psychosomatischen Klinik der Evangelischen Kirche in der DDR, kommt der Realität näher, wenn er schreibt, jedem, der sie durchlaufen hat, habe sie das Rückgrat gebrochen.

Was war mit den Jugendwerkhöfen und dem Arbeitserziehungslager Rüdersdorf, wo aus auffällig gewordenen jungen Menschen, sei es, dass sie die Schule geschwänzt hatten, Westmusik hörten oder mitten in der heftigsten Pubertät waren, lebenslange Hilfsarbeiter gemacht wurden?

Was Integration/Inklusion angeht, auch da hätte die DDR von Finnland lernen können. Das wurde in Ostdeutschland erst nach der “Wende” zum Thema.

Nachtrag 13.4.11: Beim Wiederlesen macht mich die Ignoranz von Prof. Dr. Köller erneut sprachlos. Die geistig Behinderten wurden gar nicht beschult.  Wer verhaltensauffällig war (Die Schwelle war sehr niedrig), kam in die Jugendwerkhöfe. Ich habe mit ostdeutschen Kollegen gesprochen, die es als äußerst angenehm empfinden, dass es seit der “Wende” Förderschulen gibt.

Dafür gab es Eliteschulen, ein echt sozialistischer Gedanke. (Siehe unten!)

Manche unselige Tradition besteht fort und trägt nachträglich zum Mythos von der großartigen DDR-Schule bei: Sachsen hat eine doppelt so hohe Sonderschulquote wie die westlichen Länder. Sonderschüler werden bei PISA nicht getestet. Brandenburg rühmt sich der höchsten Abiturientenquote Deutschlands bei Migranten. Das Land ist, abgesehen von russischen Juden und Vietnamesen, nahezu ausländerfrei. Es sind die Kinder dieser traditionell bildungsorientierten russischen Juden und  Vietnamesen, die dafür sorgen, nicht die Traditionen des DDR-Schulsystems.

Wer wegen des guten Abschneidens von Sachsen und Thüringen beim PISA-Ranking Frau Ministerin Honeckers „Vorarbeit“ lobend erwähnt, muss sich fragen lassen, warum dann nicht auch brandenburgische und mecklenburgische Schüler vergleichbar abschneiden.

Ergänzend noch ein Satz des thüringischen Kultusministers Müller: “Kein Experte der DDR auf internationalem Parkett war Schüler der POS, auch nicht Schüler der EOS (einer Art gymnasialer Oberstufe; Basedow1764). Das waren Schüler der Spezialgymnasien. Nicht zu vergessen, wie wenige Akademiker damals aus einem Jahrgang hervorgingen und wie viele es heute sind. Die Potenziale der Menschen wurden doch gar nicht herausgeholt.” (“Aufarbeitung kann nicht mit Zwang erfolgen”, in: Freies Wort, 25.08.08)

Update 17.10.10: Der Politikchef der Märkischen Allgemeinen Zeitung, Potsdam, Ralf Schuler, hat, beruhend auf seinen eigenen Erfahrungen, über den „Mythos Ostschule“ geschrieben. Er sieht die Schwächen der DDR-Schule, sieht aber im Vergleich zur heutigen Schulsituation Positives im methodisch-didaktischen Bereich. (Was meint er? Den Frontalunterricht?) Was Finnland angeht, sieht er, warum auch immer, die Gemeinschaftsschule nicht als skandi­navisch, sondern von der DDR geprägt, aber ansonsten keine Übernahme des Schul­systems.

Trotz nahezu flächendeckender frühkindlicher Betreuung und Privilegierung von Arbeiter- und Bauernkindern nahm deren Anteil an den Studenten in der DDR übrigens ab. Man stellte fest, dass an der Uni über kurz oder lang die Akademikerkinder wieder fast unter sich waren. Das konnte anscheinend nicht nur daran liegen, dass die Kinder von studierten Arbeitern und Bauern ja selbst keine Arbeiter und Bauern mehr waren, wenn sie die Hochschule besuchten. Die SED hat daher zum Ende ihrer Herrschaft nach genetischen Einflussfaktoren für Intelligenz gesucht. (Wovon sich Sarrazin hat inspirieren lassen!)

Am Rande bemerkt: Für Eltern in Helsinki und Umgebung gibt es seit Jahrzehnten nichts Erstrebenswerteres, als ihr Kind auf die Deutsche Schule zu schicken. Dort wird nach westdeutschen Gymnasiallehrplänen unterrichtet.

Weitere Nachträge:

25.6.11: Das neue Heft von “Horch und Guck” hat Schule als Schwerpunktthema! Darunter ist ein sehr lesenswerter Aufsatz von Ines Geipel über die Sportschulen.

14.7.11: Ich entdecke Freya Kliers Buch über die Schule in der DDR: Lüg Vaterland, 1990 erschienen. Man kann es nur empfehlen, auch allen Köllers und Finnland-Mythen pflegenden Ostalgikern in West und Ost.

Wenn die DDR nur von Finnland gelernt hätte!

Ein weiterer wesentlicher Lesetipp zur Schule in der DDR: Ulrike Mietzner, Enteignung der Subjekte – Lehrer und Schüler in der DDR

13.6.12: Dieses Posting wurde 1.300mal angeklickt. Hoffentlich trägt es dazu bei, die Fakten zurechtzurücken. (März 2016 3.000mal)

Auch Hessen hätte von Finnland lernen können. Als Hessen die Schulinspektionen einführte und die Vergleichsarbeiten vermehrte, erzählte ein hochrangiger finnischer Kultusbeamter auf einer Tagung in Wiesbaden, dass Vergleichsarbeiten der Abschluss einer Qualitätsoffensive seien und man die Schulinspektionen gerade zugunsten einer peer-to-peer-Evaluation abgeschaft habe. “Wir fangen aber so an”, beschied ihn der hessische Ministerpräsident Koch.

(peer-to-evaluation: Schulen evaluieren sich gegenseitig.)

16.8.2016:Man sollte bei diesem Thema die Ausgangssituation in der Nachkriegszeit nicht vergessen. Finnland verhielt sich außenpolitisch auf Grund des starken Einflusses des Nachbarn Sowjetunion neutral. In der Folge gab es z. B. für die Bundesrepublik und die DDR jeweils gleich berechtigte Handelsvertretungen und keine westdeutsche Botschaft.

Die starke Präsenz deutscher Sprache und Kultur in Finnland nutzte die DDR für vielfältige kuturpolitische Initiativen im Bereich Kunst, Musik, Theater. Der Versuch, der Bundesrepublik als wahrer Vertreter deutscher Kultur den Rang abzulaufen war aber nicht erfolgreich. Es gab zahlreiche Einladungen für Finnen in die DDR, für Schüler wurden Ferienfreizeiten angeboten.

Die reichere Bundesrepublik konnte an die Vorkriegszeit anknüpfen, sie eröffnete früh wieder die Deutsche Schule und eine deutschsprachige Bibliothek. Die Finnen bevorzugten Stipendien in Westdeutschland, sehr zum Ärger der DDR-Diplomaten. (Nach Olivia Griese, Auswärtige Kulturpolitik und Kalter Krieg. Die Konkurrenz von Bundesrepublik und DDR in Finnland 1945-1973, München 2003)

Der Text wurde am 26.3.16 bei Gelegenheit der Kopie des Beitrags in  meinen Weblog „Ampelmaennchen und Todesschuesse“ sprachlich an einigen wenigen Stellen überarbeitet.

 

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