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Das norwegische Gleichstellungs-Paradox

Man sollte sich schon alle drei Folgen ansehen. Dann versteht man, warum in Norwegen die Genderwissenschaft in die Krise geriet.

Dokumentarfilmer Harald Eia im Interview

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Das große I mitten im Wort (2)

 

Die Universität Potsdam erwartet von ihren Studenten, dass sie das angeblich vermännlichende Pronomen „man“ in akademischen Arbeiten  vermeiden.

Prof. Walter Krämer von der TU Dortmund äußert sich kritisch zu „gender-gerechten“ Sprachregelungen:

“Selten hat eine vergleichsweise kleine Gruppe von Fanatikern dem Rest der Gesellschaft derart erfolgreich ihre Meinung aufgezwungen wie die modernen Verfechter der sprachlichen Geschlechtsneutralität; seit Jahren komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, was ihnen noch alles einfällt, um speziell die deutsche Sprache nochmals weiter zu verhunzen. Und wie feige und fast schon automatisch der übliche Kotau der Gutmenschen-Mehrheit unseres Landes davor erfolgt. Dieser phänomenale Erfolg gründet sich auf keine tragfähigen linguistischen oder gesellschaftspolitischen Argumente …”

(zitiert im Blog Science Files) Siehe auch hier im Blog!

Update: Michael Klein von Science Files schlägt vor, in ironischer Anlehnung an die Abschaffung des Pronomens „man“ in der Potsdamer Universität, die Stadt Mannheim umzubenennen.

Hier ein Link zu einem anderen sprachkritischen Beitrag in Science Files.

Bildungsbericht 2014

In der FAZ glossiert Jasper von Altenbockum den neuen Bildungsbericht, indem er ihn mit den Augen eines Schulleiters liest. Seine abschließende Frage: „Warum gibt es eigentlich nie genug Lehrer, aber immer genügend Bildungsforscher?“

Science Files fällt auf, dass die Benachteiligung von Jungen im deutschen Bildungswesen im Bericht unter den Tisch fällt.

Prof. em. Heinz-Elmar Tenorth bezweifelt die „Fortschrittsdiagnose“ des Bildungsberichts. Zwar sinke die Zahl der Abgänger ohne Abschluss – was von Medien und Bildungspolitik als Fortschritt gelobt wird -, aber dies sei nicht gleichzusetzen mit der Beherrschung der Basiskompetenzen in Lesen und Rechnen: „Offenbar kann man heute einen Abschluss auch schon erwerben, wenn man … im Lesen und Schreiben und den mathematischen Grundfähigkeiten über die (PISA-) Kompetenzstufe 1 nicht hinauskommt. PISA kommt auf 18% Risikoschüer (= Kompetenzstufe 1), die Zahl der Abgänger ohne Abschluss liegt aber bei nur 5,9%. (FAZ v. 18.6.14, „Wie Erfolge und Qualität konstruiert werden“)

 Am Rande: Ein ehemaliger Deutsch-Fachleiter, der in derselben Zeitungsausgabe den neuen Deutsch-Oberstufenlehrplan in NRW bespricht, schließt mit den Worten Werthers: „Wie gut, dass ich weg bin.“

Reine Jungen- und Mädchenbücher scheinen sexistisch zu sein

In Groß-Britannien gibt es eine Online-Petition, die Verlage, Buchhandlung und Medien auffordert, gender-orientierte Kinder- und Jugendbücher nicht zu verlegen, nicht zu besprechen und zu verkaufen. Sie bleibt nicht ohne Erfolg, wie der Independant berichtet, ebenso der Guardian. Die erstere Zeitung geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet zukünftig auf die Rezension von Kinder- und Jugendbüchern, die als Zielgruppe jeweils nur ein Geschlecht haben. Das erniedrige Kinder und Jugendliche, wie in der Überschrift des Artikels festgestellt wird.

Eine kalifornische Soziologieprofessorin hat 6.000 zwischen 1900 und 2000 veröffentlichte Kinder- und Jugendbücher untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass 57% einen männlichen Protagonisten haben, nur 31 % eine Protagonistin, auch bei Tiergeschichten sei die Dominanz männlicher Tiere dreimal so hoch. Diese fortwährende Ungleichheit, so die Professorin,  sei eine subtile symbolische Auslöschung der Frau mit Hilfe von Tiergeschichten.

Erwachsene scheinen von der Petition nicht betroffen. Die Abschaffung von Frauenliteraturpreisen und Frauenbüchern wird nicht gefordert.

Die Gendertheorie besagt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, abgesehen von der biologischen Beschaffenheit, anerzogen werden. Dass z. B. Jungen mit Baukästen und Autos spielen und Mädchen lieber mit Puppen und am liebsten Pferdebücher lesen, sei keineswegs naturgegeben. Jungen bekämen nur keine Chance, mit Puppen zu spielen oder Pferdebücher zu lesen. In Norwegen hat man die Erfahrung gemacht, dass das mit den Puppen und Pferdebüchern bei Jungen sich leider nicht durchsetzt. Jetzt stoppt man die Förderung von Genderlehrstühlen.

In Frankfurt/M haben die drei männlichen Stadtverordneten der „Römerfraktion“ ( wohl als Scherz?) beantragt, dass die Stadtverwaltung zukünftig von Bürger- und Bürgerinnensteig“ spreche, statt die vermännlichende Form „Bürgersteig“ zu benutzen. Der Magistrat lehnte ab. Aber auch in Frankfurt ist der „Fußgänger“ abgeschafft zu Gunsten der „zu Fuß Gehenden“. Das neue gendergerechte Wort für „Fußgängerampel“ wurde noch nicht bekannt gegeben.

Das große I mitten im Wort

Bei Wikipedia wird gerade der – wohl vergebliche – Versuch gemacht, den sog. gendergerechten Gebrauch des Genus nicht weiter zu pflegen, also nicht mehr LehrerInnen, Lehrer/-innen oder Lehrerinnen und Lehrer zu schreiben.

Die Initiatoren folgen darin Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern, die das grammatische Geschlecht vom biologischen unterscheiden. Sie weisen darauf hin, dass die Sprache auch das „generische Maskulinum“ kennt, d. h. die männliche Form bezeichnet auch die Gattung: Lehrer umfasst also einmal nur die biologisch männlichen Lehrer, kann aber auch eine Gesamtheit von Lehrerinnen und Lehrern meinen. So wird es auch im Englischen gehandhabt. Eine amerikanische Schriftstellerin wäre über eine Würdigung als Authoress weniger erfreut, für sie wäre es wichtiger als Author bezeichnet zu werden, also zur Gesamtheit der Schriftstellerinnen und Schriftsteller gezählt zu werden. Die feministischen Linguistinnen berufen sich wiederum auf ihre Forschung, die besagt, dass das generische Maskulinum sexistisch wäre.

(via science files)

Nachtrag: Vermeiden Sie die vermännlichte Silbe „man“! (Aus dem Sprachleitfaden der Universität Potsdam)

Ich hätte eher „vermännlichend“ statt „vermännlicht“ gesagt.

Nur noch Professorinnen in Potsdam?

Die Uni Potsdam war bisher damit aufgefallen, dass dort schon einmal ein Auge zugedrückt wurde bei einer plagiierten Doktorarbeit und der Titel nicht aberkannt wurde.

Jetzt gibt es wieder etwas zu berichten: In der Geschäftsordnung der Uni Potsdam (und in der Satzung der Uni Leipzig) gibt es nur noch Professorinnen, keine Professoren mehr.

Die Sprecherin (in diesem Fall auch biologisch zutreffend) der Uni Potsdam versteht die Aufregung nicht. Es handele sich doch nur um ein Stück Papier. Dann stellt sich aber die Sinnfrage: War´s das oder ist das der Anfang vom Ende des jahrtausendealten Patriarchats? Was bietet sich noch an? Ganz sicher das Schulwesen, vielleicht auch die Bundeswehr als Leuchtturmprojekt?

Update 12.7.13: Der Sprachwissenschaftler Hans-Martin Gauger hat zum Thema in der FAZ vom 10.7. geschrieben: Die männliche Form werde wie in vielen Sprachen auch im Deutschen als Gattungsbegriff gebraucht, nicht nur also, um das Geschlecht zu bezeichnen: „Lehrer werden schlecht bezahlt“ oder „Die Zahl der Radfahrer nimmt zu“. Damit sind sowohl Männer als auch Frauen in der jeweiligen gemeint. Die Bezeichnung weiblicher Exemplare der Gattung werden durch das Suffix und meist auch durch Gebrauch des Artikels bezeichnet: die Lehrerin, die Französin.

Die romanischen Sprachen seien ungleich männersprachlicher (Indirekt disqualifiziert er damit das Buch der feministischen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch mit dem Titel: „Das Deutsche als Männersprache“.)

Im Spanischen stünden die Väter für die Eltern, die Brüder für die Geschwister, König und Königin seien „los reyes“. Das Deutsche und das Russische unterschieden Mensch und Mann. Im Englischen und Französischen sei das nicht der Fall, da würde die männlich Form (man, homme) auch für die Gattung gebraucht.

Gauger wünscht sich für die deutsche Sprachwissenschaft einen Text wie den des Spaniers Ignacio Bosque. Bosque frage, mit welchem Recht der sexistische Charakter der Wörter behauptet werde und damit diejenigen diskriminiert würden, die sie verwenden. Die spanischen Sprachwissenschaftler haben den Text unterschrieben und bleiben damit dabei, dass der generische Charakter der männlichen Form eines Wortes in den meisten Sprachen fest verankert sei und es keinen Grund gäbe, ihn zurückzuweisen.

Irgendwo habe ich gelesen, dass feministische deutsche Sprachwissenschaftlerinnen schon längst aufgerufen haben, auch den Angelsachsen beizubringen, dass es Autorinnen und Autoren gebe, und nicht nur Autoren, wie bisher üblich und auch von den allermeisten Autorinnen akzeptiert. Wenn im Englischen ausdrücklich von einer Autorin gesprochen wird, hat das einen leicht diskriminierenden Beigeschmack.

Mädchen werden besser benotet

Der Blog „Kritische Wissenschaft“ resümiert: „Schulen sind jungenfeindliche Anstalten.“ Er bezieht sich auf einen Beitrag von Heike Diefenbach in dem Buch von Gudrun Quenzel und  Klaus Hurrelmann (Hrsg.)

Bildungsverlierer: Neue Ungleichheiten, Wiesbaden 2010

und auf US-amerikanische Studien, die ebenfalls Schulnoten und das Abschneiden in standardisierten Schulleistungstests verglichen hat. Laut PISA sind Jungen in Mathematik besser als Mädchen, bei den Schulnoten seien dagegen mehr Jungen unterbewertet als Mädchen. (Die Unterschiede, die Frau Diefenbach errechnet, halte ich für nicht so gravierend. Plausibel dagegen ist, dass das Schülerverhalten in die Leistungsnote einzufließen scheint. Da erfüllen Mädchen die Erwartungen eher als Jungen.)

„Mädchen erreichen bessere Testergebnisse als Jungen in Lesen und schlechtere Testergebnisse als Jungen in Mathematik. Die Testleistungen schlagen sich nicht adäquat in den Schulnoten nieder. Mädchen, so stellen die Autoren fest, werden generell besser benotet als Jungen und besser als es ihren Leistungen entspricht. Ursache dafür, sind die oben benannten leistungsfremden Erwartungen von Lehrern an ihre Schüler, die sich an weiblichen Stereotypen des “guten Schülerverhaltens” ausrichten.“ (Zitat aus „Kritische Wissenschaft„)