Facebook: Das Dilemma des Staatsrundfunks

Es beschäftigt mich schon länger: In der rbb-Abendschau kommt häufig der Hinweis: Sie finden uns auf Facebook. Oder: Frau XY hat uns dieses Foto auf unsere FB-Seite geschickt. Oder: Weetzie hat unsere Sendung auf FB kommentiert.

Es ist verständlich, dass das öffentliche TV da sein will, wo es die Zuschauermassen zu finden glaubt, in den sog. sozialen Medien. (Ich weiß: “Staatsrundfunk” ist nicht ganz korrekt, auch wenn alle Staatsbürger und übrigens auch Flüchtlinge, sobald sie im Heim oder in der eigenen Wohnung sind, die Rundfunksteuer zahlen müssen. Von wegen Willkommenskultur!)

Da mögen die Zeitungen voll davon sein, wie FB mit Datenschutz umgeht, den Nutzern Entscheidungsbefugnisse nimmt, Milliarden an Nutzerdaten verdient und ungeniert auf alle Computerdaten des FB-Besuchers zugreift.

In den Kultusministerien brütet man darüber, wie man in den Schulen mit FB umgehen kann oder verbietet es gleich ganz.

Verbraucherschützer kritisieren die FB-Nutzungsbedingungen. sie verstießen gegen deutsches Recht.

Im Internet gibt es Ratgeber, wie man seinen FB-Account löscht. (Was nicht vollständig gelingt, weil der gekündigte Account bestehen bleibt.

Aber im rbb wird man ständig aufgefordert, auf Facebook zu gehen.

So, als ob es das Normalste der Welt wäre, dass ein Quasi-Monopolist für den anderen Quasi-Monopolisten Schleichwerbung betreibt.

Da jetzt, so ist zu hören, auch die Bundesregierung eine FB-Account hat, kann man es Lehrern wohl nicht untersagen.

Der Niedergang des professionellen Journalismus

Das Pew Research Center in Washington ist ein Meinungsforschungsinstitut, das u. a. Entwicklungen in den amerikanischen Medien untersucht. Der aktuelle Befund lautet: Immer mehr Amerikaner beziehen ihre Nachrichten aus den sozialen Medien. Allein über Facebook informieren sich 30% aller Amerikaner über das Weltgeschehen. Wobei aber nur ein Drittel dort professionellen Nachrichtenanbietern folgt. Fast 80% der Facebooknutzer/-innen nehmen Nachrichten nebenbei mit. Nachrichten werden geliked, kommentiert oder weitergeleitet. Fast zwei Drittel der Nutzer der Social Media informieren sich nur auf einer Seite über Neuigkeiten (News), also nur in Facebook oder nur auf Twitter oder Youtube. Die Nutzung reiner Nachrichtenlieferanten wie Zeitungen, TV- oder Radiostationen nimmt ab. Da mit Werbung rund um Videoclips zunehmend Geld verdient wird, investieren die in den USA weit verbreiteten lokalen TV-Sender in Video-Content. Lokale Stationen werden zunehmend von Konzernen aufgekauft. Erfolgreich sind Portale wie buzzfeed und Huffington Post, die man als Yellow Press – Regenbogenpresse  – bezeichnen könnte.

In Deutschland dürfte es nicht viel anders aussehen. Die gedruckten Zeitungen verlieren an Auflage. Redaktionen entlassen Journalist/-innen. Die Kundenzeitschriften von Konzernen kommen daher wie seriöse Zeitungen und Zeitschriften. Vielfach werden in den Medien Pressemitteilungen von Unternehmen unkommentiert abgedruckt.

Die Frage, welche langfristigen Folgen es für die Demokratie haben wird, wenn Bürger auf profunde und seriöse Informationen keinen Wert mehr legen, sondern dem vertrauen, was Freunde, gewerbliche Kommunikationsexperten oder Leserreporter verlautbaren, drängt sich auf. Erinnert sei an die Berlusconisierung des italienischen Fernsehens. (Wobei ich damit nicht nur die Medienmacht von Oligarchen meine, sondern auch die Verflachung der Programme.)

Bitte keinen Journalismus von Dominik Imseng

Dass die Online-Neugründung Krautreporter den Qualitätsjournalismus nicht neu erfindet, zeigt u. a. die Interviewreihe “Jung und naiv” mit meist endlos langen Interviews und manchmal unsäglichen Auftritten. Naivität und kein Gespräch führen können ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal, trotz Grimme-Preises. Manchmal ist es aber sehenswert.

Blog Zettels Raum über den “Jung und naiv”-Star Tilo Jung

SZ-Kritik, Tagesspiegel-Lob

Roland Tichys 7 Thesen zum Verfall des Journalismus. (Dass wie Tichy anführt, 63% der Leser/-innen ausgerechnet der deutschen Berichterstattung zum Ukrainekrieg misstrauen, war allerdings für mich nicht Anlass meines Blogbeitrages.

Zur Tagesschau-Berichterstattung

Zur mangelnden Sorgfalt bei der Berichterstattung über neueste wissenschaftliche Studien

Update 30.12.14:

1. Ein aktuelles Beispiel für die mangelnde Sorgfalt und Genauigkeit mancher Journalisten sind die Berichte über neue Studien von Wirtschaftswissenschaftlern über Kosten und Nutzen von Migranten. Einer Studie des Professors Bonin zufolge würden  Migranten mehr an Steuern und Sozialabgaben zahlen als sie an Leistungen erhalten. Eine Studie des Professors Sinn besagt das Gegenteil.

Nun weiß man, dass Wirtschaftswissenschaften eine problematische Wissenschaft sind. Theorie- und Modellbildung sind noch schwieriger als in der Klimaforschung und der Wetterbeobachtung.

Prof. Sinn hat zu den Zahlen von Prof. Bonin auch die staatlichen Ausgaben für öffentliche Leistungen (Straßenbau, Schuldentilgung, Polizei, Verteidigung usw., aber ohne Schulen) addiert und kommt statt des Boninschen Überschusses von ca. 22.000 € auf ein Minus von ca. 80.000 €. allerdings hätte man das schon bei Bonin lesen können. Auch er käme zu einem ähnlichen Ergebnis wie Sinn, wenn er alle staatlichen Ausgaben auch anteilig auf die Migranten umgelegt hätte.

Wer hat denn heute noch Zeit zu lesen? Eine knallige Überschrift, die zudem noch in die Beschwichtigungskultur gegenüber den Auswirkungen von ungesteuerter Einwanderung passt, ist das eher willkommen als seriöse Berichterstattung.

Jetzt streiten sich die Wirtschaftswissenschaftler/-innen und die Kolumnist/-innen, ob man die Ausgaben des Staates auch auf die Migrant/-innen umlegen darf. Sie entstünden doch sowieso.

2. Ähnlich war es beim zehnjährigen Hartz-IV-Jubiläum. Der DGB versandte die Pressemitteilung mit der Information, wie schlecht Hartz IV wäre, der Präsident des Landkreistages, Reinhard Sager, hält die Reform trotz aller Unzulänglichkeiten für einen Erfolg.

Hartz IV geriet teurer als die vorhergehenden Regelungen. Eigentlich hatte die Regierung mit Einsparungen gerechnet. Irgendwo habe ich gelesen, dass es eine Studie gäbe, die herausgefunden hat, dass etwa zwei Drittel der Bezieher sich besser stellen, als wenn die alten Regelungen gälten, ein Drittel stelle sich schlechter.

Facebooknutzung unter Schülern schwindet

Der Blog Lehrerfreund kommentiert die Überschrift launig:

“Facebook verliert an Bedeutung, es gewinnen Tools und Netzwerke, bei denen die direkte Kommunikation im Vordergrund steht. Erstaunlich ist dabei die immense Geschwindigkeit dieser Entwicklung. Möglicherweise sitzen nächstes Schuljahr in ihren Klassen Schüler/-innen, die Facebook gar nicht mehr kennen. Und Sie als Lehrer/-in haben sich endlich überwunden und einen Facebook-Account eingerichtet, um endlich mit dabei zu sein und zu verstehen, was die Schüler/-innen so umtreibt.

Immerhin: Um den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg müssen Sie sich keine Sorgen machen. Instagram und WhatsApp hat er ja in weiser Voraussicht schon aufgekauft. Registrieren Sie sich schnell – bevor das nächste große Ding losgeht.”

Wahrscheinlich wird er demnächst vine kaufen müssen.

WhatsApp sammelt jetzt auch Daten

Gerne hätte ich WhatsApp benutzt, statt bei e-plus monatlich Geld für die vielen sms lassen zu müssen. WhatsApp kostet bisher weniger als einen Euro pro Jahr. Aber in meiner Umgebung gab es zu wenig Mitnutzer.

Jetzt hat es sich erledigt. Nachdem Facebook diesen schwindelerregenden Preis gezahlt hat, werden alle Telefonnummern, alle Textnachrichten und Fotos wohl von den FB- Data-Profilern erfasst und ausgewertet, wie es ja schon bei den Smartphones der Fall ist, auf denen die FB-App installiert ist.

Werbung soll es weiterhin nicht geben. Warum kauft sich Facebook das Programm, wenn nicht wegen der Nutzerdaten von zurzeit 500 Millionen Menschen? Kann es ein Anflug von Panik sein, wenn FB ein Drittel seiner Barschaft für einen Konkurrenten ausgibt, der stetig wächst und ein anderes Geschäftsmodell als FB hat? In den USA ist FB für Ältere attraktiv, die Jüngeren sind bei WhatsApp.

Auch in der Internetindustrie gibt es ein Kommen und Gehen. Jetzt blühen die Konkurrenten von WhatsApp auf.

Am Rande: Eine Story über den Programmierer in Forbes,

Weiterlesen

Der rbb und facebook

Facebook (FB) ist umstritten. Es gibt immer wieder Aufregung über den nachlässigen Datenschutz und dessen weitere Lockerungen. Es gab Selbstmorde wegen Mobbings auf Facebookseiten und weil ein Mädchen sein Facebook-Foto plötzlich in der Anzeige eines Dating-Dienstes auf Facebook fand. Medienpädagogen verfassen Ratgeber-Flyer für Eltern und Schüler/-innen. Lehrkräfte sollen Unterrichtszeit verwenden, um für die Gefahren der Social Media zu sensibilisieren. Ein US-Schulbezirk überwacht die Facebookseiten von 14.000 Schüler/-innen, um so Selbstmordabsichten und Drogengebrauch auf die Spur zu kommen. Ein deutsches Kultusministerium verbietet Lehrern auf Facebook Kontakte zu Schüler/-innen zu unterhalten. (Es wurden z. B. Klassenfahrten auf FB verabredet.)

Statt zu verbieten oder anzuordnen hätten die Kultusminister/-innen dafür sorgen sollen, dass den Schulen Lernplattformen zur Verfügung gestellt werden. Aber wo wären deutsche Kultusministerien schon einmal innovativ gewesen?

Dann erlebe ich – vor dem Fernseher sitzend -, dass der rbb in der abendlichen Regional-Nachrichtensendung für seinen Facebook-Auftritt wirbt. Es fehlen noch ein paar Hundert Freund/-innen bis die Zahl 5.000 erreicht ist! Auf Leute, drückt den Button! Es wird auch aufgefordert, schöne Landschaftsfotos auf die rbb-Facebookseite zu stellen. Facebook-Kommentare tauchen inzwischen in jeder aktuellen Sendung auf.

Nun gibt das milliardenschwere Duopol ARD/ZDF schon Millionen für Dutzende eigener Portale aus, aber nicht dort soll man kommentieren, liken und posten, sondern auf Facebook. Man muss halt die Leute dort abholen, wo sie sind.

FB ist eine Aktiengesellschaft, die ihr Geld mit Werbung verdient. Sie ist mehr wert als die großen deutschen Aktiengesellschaften, obwohl sie keine Werte schafft, keine Fabrikanlagen besitzt, keine Autos, Werkzeugmaschinen oder Flugzeuge baut. Was sie so wertvoll macht, ist ihr Besitz an Informationen über eine Milliarde Nutzer/-innen. Da wird die NSA neidisch. Die Nutzung von FB ist kostenlos, aber der Satz „Du bezahlst mit deinen Daten“ sollte sich herumgesprochen haben.

Wenn in einer TV-Produktion „Fleurop“ erwähnt wird oder eine Flasche „Hohes C“ auf dem Tisch steht und der Kommissar einen Oberklasse-Mercedes als Dienstwagen fährt, gibt es Schleichwerbungs-Abmahnungen. Wenn der Quasi-Monopolist ARD Werbung für den Quasimonopolisten Facebook macht, scheint das o.k. zu sein.

Wenn ich es zu Ende denke: Wozu brauchen wir diese beiden Medienkonzerne ARD und ZDF (plus Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Deutsche Welle) mit 31 TV-Kanälen und über 80 Rundfunksendern? – Der neue Jugendkanal ist noch nicht mitgezählt! Mit einem üppigen Internetauftritt, der den Zeitungsverlagen die Tränen in die Augen treibt, weil durch eine Zwangsabgabe finanziert. Mit Werbung Tag und Nacht, weil die neun Milliarden „Demokratieabgabe“ nicht reichen. (Und dennoch wird beim Korrespondentennetz, etwa in Lateinamerika, gespart.)

Mir reichten, um dem Bildungs- und Informationsauftrag nachzukommen, einige wenige Kultur- und Nachrichtensender.

Wie man hört, ist Facebook gar nicht mehr in bei den jungen Leuten, sondern Twitter und WhatsApp. Liebe ARD, nichts wie hinterher!

Schulbezirk in Los Angeles überwacht Facebook

Ein Schulbezirk in Los Angeles überwacht Facebook-Eintragungen. Eine Firma liest die Eintragungen von 14.000 Schüler/-innen in den “sozialen” Netzwerken mit, um rechtzeitig Hinweise auf Drogen, Cyberbullying und Suizid zu erhalten. In Los Angeles gab es in jüngster Zeit Selbstmorde von zwei Schülerinnen wegen digitaler Hetze gegen sie. Das Sammeln von Informationen auf öffentlich zugänglichen Seiten ist nicht verboten, sagt die Behörde protestierenden Eltern und Schülern, die um ihre Privatsphäre fürchten.

(via FAZ v. 16.9.13)

Facebook-Seiten müssen ein Impressum haben

heißt es im Blog allfacebook.de (via Blog neunetz.com).

Auch dass Massenabmahnungen in dieser Sache rechtmäßig seien, habe ein Gericht entschieden .

Da freue ich mich einmal mehr, dass ich bei Facebook vor genau einem Jahr ausgestiegen bin.
A propos Facebook:
In jedem anderen Wirtschaftsbereich, seien es Kettensägen oder Eisenbahnschienen, wäre das Kartellamt wegen zu großer Marktmacht längst eingeschritten. Bei den Oligo- und Monopolisten des Internets, wie etwa Facebook, stört das anscheinend nicht. Da Facebook immer noch nicht so gut wie Google an der Nutzung seiner Nutzerdaten verdient: Herr Zuckerberg könnte es sich durchaus erlauben, von den Nutzer/-innen monatlich einen Dollar zu erheben, eine digitale Demokratieabgabe sozusagen. Auch wenn man die gefakten und die Mehrfachaccounts abziehen würde, käme er monatlich an eine zusätzliche Milliarde heran. Im Vergleich zu den publizierten Umsatz- und Gewinnzahlen käme er auf eine gigantische Summe. Versteuern muss er nicht viel. Beim europäischen Firmensitz in Irland fallen auch nur geringe Steuern an.
Fast könnte man meinen, das Kartellamt kapituliert vor den Internetmonopolisten. Als Amazon in den vergangenen Jahren die Großantiquariate ZVAB und Abebooks kaufte, passierte auch nichts. Man wusste wohl, dass das Kartellamt gegenüber der Luxemburger Firma Amazon hilflos ist.
Und noch eine Umfrage von Pew, dem führenden US-Meinungsforschungsinstitut in Sachen Internet zur Nutzung von Facebook: Über 60% haben schon einmal eine Auszeit genommen und waren nicht aktiv.