Schlagwort-Archive: Deutschland

Neues Papier soll Aufwind für Schulbibliotheken erzeugen: Frankfurter Erklärung

Demnächst (April 2015) wird es wieder eine Entschließung zum Thema Schulbibliotheken geben. Es wäre zu hoffen, dass  der dbv darin nicht wieder bloß seinen Anspruch bekräftigen würde, dass alle Schulen eine Außenstelle der Stadtbibliothek mit einer bibliotheksfachlich ausgebildeten Bibliothekarin brauchten, die nun auch – man folgt gerne dem bildungspolitischen Mainstream – Multimediaexpertin der Schule sein soll.

Wenn der Verein für einen Moment vergessen könnte, Lobby der öffentlichen Bibliotheken zu sein und Interessenvertretung eines Berufsstandes, wäre viel, wenn auch noch längst nicht alles gewonnen. Die Schulbibliotheks“entwicklung“ in Deutschland kennt eine ganze Reihe von Denkschriften, Resolutionen, Bibliotheksgesetzen, Forderungen und Empfehlungen. Sie dokumentieren, einer Echternacher Springprozession nicht unähnlich, den wechselhaften Umgang des Verbandes mit dem Thema Schulbibliothek. Das wäre einmal einer bibliotheksfachlichen Bachelor- oder Masterarbeit wert.

Erinnert sich noch jemand an die „Allianz für Bildung“ von 2011? Klick!

Geglückt ist dem dbv bisher, die Schulbibliothek aus der Schulpolitik und -verwaltung auszulagern: Nahezu bundesweit gibt es Kooperationsverträge zwischen Kultusministerien und dem Verband, gibt es Abordnung von Lehrern in öffentliche Bibliotheken (Bayern, Hessen), folgenlose, verwirrende Erwähnung von Schulbibliotheken in Bibliotheksgesetzen (z. B. Hessen).

Update 23.4.15: Der dbv-Vorstand hat am 14.4. das Papier zu Schulbibliotheken verabschiedet. Es wird „Frankfurter Erklärung“ genannt. Die LAG Hessen ist davon sehr angetan, enthält es doch, zum Teil wortwörtlich, Positionen, die sie seit zwei Jahrzehnten vertritt, so etwa das Berufsbild des Teacher-Librarian.

Schulbibliothek in deutschen Edu-Blogs?

Schulbibliotheken sind kein Thema in deutschen Schul- oder Pädagogikblogs. Edu-Blogs haben es mit Schulbibliotheken gemeinsam: Sie sind nicht gerade massenhaft verbreitet. Circa ein Dutzend führende deutsche Edu-Blogger hat ein Medienwissenschaftler gezählt, gelegentlich finde ich Listen mit ca. 30 Blogs. Die Mehrzahl sind Informatiklehrer, Berufler, Hochschulangehörige, sehen sich vor allem als Anglisten oder Physiker. So bleibt kaum ein Dutzend Blogs, in denen von allgemeinbildender Schule und Schulalltag die Rede ist.

Einen Eintrag „Schulbibliothek“ habe ich im sympathischen Blog „Lehrerzimmer. Herr Rau redet von sich und der Schule“ aus dem Jahr 2008 gefunden.

Es gibt sicher ein paar tausend Lehrer, die sich um Schulbibliotheken kümmern. Die haben zum Bloggen keine Zeit. Lehrer, die bloggen, haben mit Schulbibliotheken nichts am Hut.

Dem Elend des deutschen Schulbibliothekswesens entkommt man nicht.

Sind die Lehrer/-innen, die sich um Schulbibliotheken kümmern „verkappte Bibliothekare und gar keine richtigen Lehrer?“ Diese, seine Sicht der Dinge vertraute mir ein Kollege einmal an.

Aus Baden-Württemberg ist mir kein Sturm der Entrüstung bekannt geworden, nachdem die Kultusministerin gesagt hatte, dass die Arbeit in Schulbibliotheken nichts mit Pädagogik zu tun hätte. Solange sich Lehrer und Schulleiter nicht massenhaft für eine Schulbibliothekskultur einsetzen, wird es nichts.

Beeinträchtigen Bibliothekslobbyisten die Entstehung eines Schulbibliothekswesens?

Der Berliner Karsten Schuldt ist kürzlich, des Arbeitsplatzes wegen, in die Schweiz „emigriert“. Er ist ein produktiver Kopf, der immer wieder zu interessanten Hypothesen kommt und daraus Untersuchungsdesigns entwirft. Wenn ich es richtig sehe, ist er der einzige Bibliothekswissenschaftler, der sich dauerhaft und gründlich mit Geschichte und Gegenwart des Schulbibliothekswesens in Deutschland auseinandersetzt. Dabei schont er die Granden des Bibliothekswesens nicht und belegt, mit reichlichen Quellenangaben und Fußnoten versehen, dass manches, was von diesen verbreitet wird, einer kritischen Analyse nicht standhält. Weiterlesen

OECD: Deutsches Schulwesen seit 40 Jahren mangelhaft

Der Bonner Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin hat sich – in der FAZ v. 12.4.12, p 6 – den ersten Bildungsbericht der OECD zum deutschen Schulwesen aus dem Jahr 1973 angeschaut. Das deutsche Bildungswesen wäre ineffektiv, ungerecht und unzeitgemäß, liest er dort. Die Vorschläge von 1973: Einheitlichkeit statt vieler Schultypen, Durchlässigkeit, Kompetenzen statt Fachwissen, längeres gemeinsames Lernen, auf lebenslanges Lernen vorbereiten, um das wirtschaftliche Wachstum zu erhalten.

Man liest es mit offenem Mund: Seit 40 Jahren kommen die OECD-Forscher zum selben Ergebnis: Deutsches Schulwesen mangelhaft!

Wieso sind weder das Schulwesen noch die deutsche Wirtschaft in diesen 40 Jahren kollabiert?

Prof. Ladenthin konstatiert: Wenn man ein Fieberthermometer ins Badewasser hält, in ein Roastbeef steckt oder einem Patienten in den Mund: Irgendeine Temperatur wird immer angezeigt. Über Qualität und Eigenheit des Gemessenen erführe man nicht viel. So sei es auch bei der OECD-Bildungsforschung.

Nachtrag 12.9.12: Die OECD-Wissenschaftler/-innen polemisieren weiter: Eine ihrer Kennziffern ist, dass der Schul-/Berufsabschluss der Kinder höher als der der Eltern sein muss. Wenn der Vater Gymnasiallehrer ist, der Sohn Hochschullehrer wird und dessen Tochter Pferdewirtin, ist das nachteilig für das Bildungsranking Deutschlands. Wenn alle Eltern Professoren sind, kann Deutschland im Bildungsmonitoring nur noch absteigen, oder? Auch die Studienanfängerquote liegt mit 42% alarmierend niedrig, anderswo liegt sie bei 62%.

Vielleicht sollte man die duale Berufsausbildung in die Unis verlagern. So ungefähr hat das eine deutsche OECD-Expertin in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk vorgeschlagen. Gefragt, wie man denn all die Akademiker in die Berufswelt, in der man händeringend Facharbeiter sucht, einschleusen will, meinte sie ungerührt, dann müsste eben die Universität auf die Berufspraxis vorbereiten.

Nachtrag 27.02.13: Das duale Ausbildungswesen ist zum Exportschlager geworden: Spanien, Schweden, Italien, Brasilien führen es ein. Präsident Obama lobt es. Die deutschen Experten befürchten jetzt, dass es in manchen Ländern zu schnell geht oder die Voraussetzungen nicht vorhanden sind und so das System in Misskredit geraten könne.

Nachtrag 27.3.14: Der Bildungsforscher Rainer Bölling setzt sich kritisch mit den Statistiken der OECD auseinander: „Was sind Bildungsstatistiken der OECD wert?“, FAZ v. 27.3.14, p 6. Oft würden Äpfel mit Birnen verglichen. Der amerikanische Highschoolabschluss wurde fünzig Jahre lang z. B. mit dem deutschen Abitur verglichen.  Wenn in einem Land Krankenschwestern studieren müssten, in einem anderen nicht, falle die Studierendenquote unterschiedlich aus. Während sich in Deutschland die Abiturientenquote in den vergangenen fünfzig Jahren verzehnfacht habe, sei die Quote der Hochqualifizierten (Studien- oder Meisterabschluss ) in Deutschland laut den OECD kaum gestiegen.

Über die Qualität der Bildung sagen die Zahlen der Abschlüsse nichts aus, das geben die Bildungsfachleute der OECD selbst zu.  Das Hauptproblem scheint die Klassifizierung zu sein.

Dass man den Zahlen nicht zu vile Vertrauen schenken dürfe, wurde laut Bölling schon 1961, zu Beginn der OECD-Bildungsforschung gesagt.

Gute Nachrichten aus dem deutschen Schulwesen

Doch, die gibt es, man hört ja sonst nur Katastrophenmeldungen:

  • 37% aller Schüler/-innen machen das Abitur.Vor nicht ganz 50 Jahren waren es 5%. Der OECD reicht es zwar noch nicht. Aber ist es der Königsweg, für immer mehr Berufe einen BA an der Uni oder FH anzubieten?
  • Außerdem scheint es soziale Mobilität zu geben: 29% der Gymnasialschüler kommen aus Elternhäusern ohne Abitur. Nur 77% der Kinder aus Elternhäusern mit Abitur gehen aufs Gymnasium. Da gibt es also Durchlässigkeit nach beiden Seiten.
  • Eltern mit türkischem Migrationshintergrund sind zufriedener mit den Integrationsleistungen der Schulen als die Gesamtheit der Eltern. (p 20/21)

Schön, dass es einmal etwas Positives zu berichten gibt. Meist gibt es ja Kritik.

Die Studie, aus der die Zahlen stammen, wurde von Allensbach im Auftrag der Vodafone-Stiftung zusammengetragen. Ergänzend eine Meinungsumfrage bei Lehrern, Eltern. Auch daraus ein paar Zahlen:

  • 94% der Eltern finden die Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik als wichtigstes Lernziel,
  • 54% die Vermittlung von Computer- und Internetkenntnissen
  • 78% der Lehrer haben schon die Erfahrung gemacht, dass Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind.
  • Die Zustimmung zum dem Satz, dass es Lehrer heute schwer haben, ging von 82% im Jahre 2003 auf 73% in 2011 zurück.
(Den Hinweis auf die Studie verdanke ich der FAS)

Es ist sicher nicht repräsentativ, aber ich habe dies nie vergessen: Ich hospitierte in einer deutschen Pädagogengruppe in einem englischen College, um zu lernen, wie man gute Schule macht. Abends beim Bier sagte der Schulleiter, dass er sich wundere, wieso wir deswegen nach Groß-Britannien kämen. Wenn Schüler aus Deutschland zurückkämen, würden sie berichten, dass sie in der deutschen gymnasialen Oberstufe mehr lernten und die Anfangssemester der Unis schwerer seien, weil man auf dem Wissen der Oberstufe aufbaue. Außerdem würde man in England ständig an der Oberstufe und den Abschlussprüfungen herumreformieren. Wie gesagt, nicht repräsentativ.

„Wo Wikipedia auf Brockhaus trifft“: DIE ZEIT über Schulbibliotheken

Ein erfreulich kompetenter Bericht über Schulbibliotheken in Deutschland erscheint in der ZEIT Nr. 15 v. 8.4.2011, p. 72.

Burkhard Wetekam erwähnt funktionierende Beispiele wie Hamburg nach dem SPD/Grüne-Koalitionsvertrag und Frankfurt/M und kennt die temporäre Schulbibliothek auf der Leipziger Messe. Er nennt Faktoren, die die Entwicklung des Schulbibliothekswesens in Deutschland hemmen. Der modernen Schulbibliothek gibt er im Internetzeitalter durchaus eine Chance.

Schön, dass einmal ganzseitig in einer national verbreiteten Zeitung fundiert berichtet wird. Ich habe den Artikel lieber gelesen als den in der taz vor einem halben Jahr.

Nachtrag: Jetzt ist der Artikel auch online.

Zur Entwicklung und Lage der Schulbibliotheken in Deutschland

So lautete der Titel eines Textes aus der ehemaligen dbi-Beratungsstelle für Schulbibliotheken. (Die Quelle finde ich weder im Internet noch in meinen Schubladen.) Er ist wohl ca. 20 Jahre alt, brauchte aber nur geringfügig aktualisiert zu werden. Im Nachgang zu den Begegnungen und Gesprächen auf dem 19. Hessischen Schulbibliothekstag am 21.3.09 fiel er mir wieder ein.

 

Meine Aktualisierung kursiv.

Die Entwicklung der Schulbibliotheken ist von vielen Schwankungen begleitet. Seit  den 60er Jahren sind sie dem kommunalen Büchereiwesen zugeordnet. In den 70er Jahren kam es zur Gründung einiger moderner Schulbibliotheken, oft im Organisationsverbund mit einer Stadt- oder Gemeindebibliothek. Später ergriffen mehr und mehr die Schulen selbst die Initiative und bauten in Eigenregie ihre Schulbibliotheken auf. Die Ursache für diesen Wandel liegt u. a. im Fehlen eines umfassenden Masterplans.

Von den etwa 37.000 allgemein bildenden Schulen haben nur wenige eine bibliotheksfachlichen Standards entsprechende und/oder als Lernort in den Unterricht integrierte Schulbibliothek.

Es gibt keine Gesetzgebung für Schulbibliotheken. In den Schulgesetzen wird lediglich auf die Zuständigkeit der Schulträger verwiesen. Es gibt keine gemeinsamen Standards, keine Finanzierungs­richtlinien. Während der Staat, die Bundesländer, für das Schulwesen zuständig ist, fällt das Büchereiwesen in die Zuständigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften. Da es nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört, bringen die Schulträger die für Schul­biblio­theken notwendigen finanziellen, räumlichen und personellen Ressourcen nur selten auf. In den wenigen föderalen Bibliotheksgesetzen und dem dbv-Musterentwurf  kommen Schulbibliotheken allenfalls deklamatorisch vor.

Im Zuge der Bundeszuschüsse für Ganztagsschulen (IZBB-Mittel) haben allerdings zahlreiche Schulträger 2007/8 Bibliotheksräume in Schulen und sogar Bibliotheksgebäude auf dem Schulgelände errichtet.

Am ehesten sind es noch die Gymnasien, in denen Schulbibliotheken eingerichtet werden, gelegentlich auch Gesamtschulen, inzwischen auch viele Grundschulen. In Rheinland-Pfalz haben z. B. alle Gymnasien eine Bibliothek. Planstellen für pädagogische Assistenten, die auch in der Bibliothek eingesetzt werden können, zahlte früher das Land. Auch in Bayern sind es vor allem die Gymnasien.

Eine positive Entwicklung gab es in den Städten, die schulbibliothekarische Arbeits­stel­len besitzen. Hier bildeten sich lokale Organisationsnetze der Schulbibliotheken unter Verantwortung der öffentlichen Bibliothek. Leider wurden manche Netze wieder ausge­dünnt und die Bibliotheken werden von Lehrkräften und Eltern weitergeführt oder geschlos­sen (Offenbach, Wiesbaden). In ländlichen Regionen sind Schulbibliotheken nur spärlich zu finden. In Hessen haben kleinere Gemeinden ihre Stadtbücherei der Schule übergeben, die sie im Rahmen der Schulbibliothek weiterführen.

Mehr als die Hälfte der deutschen Schulen hat dennoch mindestens eine Büchersammlung zur Unter­stützung des Lesens im Rahmen des Deutschunterrichts oder eine kleine Ausleih­bücherei, die von Eltern oder Lehrkräften betrieben wird. Die Preisverleihung „Schulbibliothek des Jahres 2009″ in Hessen hat gezeigt, dass insbesondere in Grundschulen „aktive“ Bibliotheken entstanden sind.

Leseförderung (Autorenlesungen, Schreibwerkstätten, Jugendbuchlektüre im Unterricht) und das Training von buchbezogenen Arbeitstechniken hatten in den deutschen Schulen in den 90er Jahren einen starken Aufschwung erlebt, ohne dass sich dies damals auf das Schulbibliothekswesen positiv ausgewirkt hätte. Jetzt schreitet die Digitalisierung der Schule (Computerräume, Medien­ecken, Internetzugänge, Verwendung neuer Medien im Unterricht) voran, ohne dass immer ein Zusammenhang mit Schulbibliotheken gesehen wird.

Derzeit werden verstärkt Fragen nach einer Bewertung der Qualität von Schule und Unterricht gestellt sowie nach den pädagogischen Konzepten (Schulprogramme) der einzelnen Schulen. In diesen Zusam­menhängen nimmt das Interesse am Aufbau leistungsfähiger, pädagogisch orientierter Medieneinrichtungen zu; denn ‚gute‘ Schulbibliotheken können mit ihren „Produkt-“ und Serviceangeboten für Unterricht und Schulkultur eine wichtige Rolle spielen.

Der Einzug moderner Technologien in die Schulen bietet Gelegenheit, dass sich Schul­bibliotheken zu wichtigen Schaltstellen der Information und Kommunikation entwickeln. EDV und Internet werden aber eher dem Informatikunterricht zugerechnet als dem Schulbiblio­theks­bereich.

 

Das Gesamtbild ist geprägt von lokalen, regionalen und länderspezifischen Entwicklungen. Schulbibliotheken sind in vielen Schulen lediglich ein Hilfsmittel für lesefördernde Maßnahmen und außerunterrichtliche Aktivitäten. Entgegen kommt dieser Sichtweise die Forderung der Bibliotheksverbände, die öffentliche Bibliothek als Bildungspartner und außerschulischen Lernort zu nutzen. Dies wiederum kommt den Schulministerien und Schulträgern entgegen. Forderungen nach einem Ausbau des Schulbibliothekswesens lehnen sie mit Verweis auf Kooperationsverträge mit dem Deutschen Bibliotheksverband ab.

Ohne eine gleichzeitige Schulbibliotheksinitiative bleiben die Kooperationsverträge des dbv ein weiterer deutscher Sonderweg. Diese Form von private-public-partnership ist verwaltungsrechtlich pikant. Landesregierungen, die keine Zuständigkeit für das öffentliche Bibliothekswesen haben, schließen Verträge mit einem eingetragenen Verein, der selbst nicht Träger öffentlicher Bibliotheken ist. Diese Verträge verpflichten Einrichtungen kommunaler Gebietskörperschaften, Aufgaben zu übernehmen, für der Staat zuständig wäre.

Manche Juristen in Stadtverwaltungen und einige Kommunalpolitiker haben das erkannt und verbieten ihren Bibliotheken (Unter-)Kooperationsverträge mit Schulen abzuschließen.

Die Unzuständigkeit der Kultusministerien, die für das gesamte restliche Schulwesen zuständig sind, hemmt die Entwicklung eines modernen Schulbibliothekswesens.

Noch zu selten werden Schulbibliotheken als organisatorisches und methodisches Instrument für Lernen und Arbeiten im Fachunterricht gesehen, als Informationszentrum, das innerschulisches Wissensmanagement betreibt, und als Lernort für Medien- und Informationskompetenz.

In Schulbibliotheken steht qualifiziertes Personal nur selten zur Verfügung. Im Regelfall ist eine Lehrkraft neben der Unterrichtstätigkeit auch noch für die Schulbibliothek verantwort­lich. Sie oder er wird oft durch ehrenamtliche Hilfskräfte (Schüler, Eltern) unterstützt.

Zu einem fortgeschrittenen Schulbibliothekssystem gehören aber Spezialisten, die dafür qualifiziert sind, zusammen mit Fachlehrer/innen Unterricht zu planen und durchzuführen, die Lesekultur an der Schule zu fördern, einzelne Schüler/innen und Gruppen bei Informationsrecherchen zu unterstützen und Kollegium und Schulleitung bei der Qualitätsentwicklung der Schule zu beraten.

Der Entwicklungsrückstand zu anderen europäischen Staaten, insbesondere zu skandinavischen und angelsächsischen Ländern in der ganzen Welt, ist beträchtlich.

Nur wenige Facheinrichtungen bieten auf lokaler oder regionaler Ebene Dienstleistungen für Schulbibliotheken wie Planung, Einrichtung, Bestandsaufbau,  EDV- und Internet-Nutzung an. Ganz anders etwa in Dänemark, wo amtscentralen in jedem Landkreis Supportfunktionen für die Schulen und Schulbibliotheken haben.

Schulbibliotheken sind kein Thema der Lehreraus- und -fortbildung, gehören nicht zu den Aufgaben der Schulleitungen, haben keinen gesicherten Anteil am Schulhaushalt.

Nicht zuletzt fehlt den Schulbibliotheken die Akzeptanz in der Lehrerschaft: Die geringe Verbreitung fächerübergreifenden, handlungs- und projektorientierten Unterrichts, die Do­minanz der Gymnasien im Schulsystem, in denen überwiegend eine akademische Lehr­tradition gepflegt wird, das Vorhandensein perfekter Lehrbücher, in denen der Lehrstoff schülergerecht (gilt für Mathematik nur bedingt) aufbereitet ist, lassen eine moderne Schul­bibliothek entbehrlich erscheinen.

Dennoch: Das unermüdliche Bohren dicker Bretter hat das Klima positiv verändert. Es gibt in ein paar Ländern Landeslizenzen für Katalogisierungssoftware, es gibt zunehmend Fortbildungsangebote für die Einrichtung und die Nutzung von Schulbibliotheken. Eine Website des Deutschen Bibliotheksverbandes bietet fachliche Hilfe für Organisation und Einrichtung.

Ein deutliches Zeichen für diesen Klimawandel ist, dass Anfang der 90er Jahre in Altavista noch keine 1.000 Treffermeldungen angezeigt wurden, wenn man „Schulbibliothek“ eingab. Heute sind es bei Google 245.000!