Nicht nur Lehrern fehlt Informationskompetenz

Wenn ich Beiträge zu Informationskompetenz schreibe und mich darin kritisch mit der Informationskompetenz von Journalist/-innen auseinandersetze oder damit, dass es ein sehr ambitioniertes Vorhaben ist, Informationskompetenzcurricula von vom Kindergarten bis zum Abitur zu implementieren, befallen mich bisweilen immer noch Zweifel, ob ich das Thema überhaupt richtig verstehe. sind es doch Bibliothekare, die den Begriff besetzt haben und darauf bestehen Lehrer und Schüler in diese Methode einzuführen. Daher lese ich gelegentlich bei Informationskompetenzfachleuten nach, was die darunter verstehen. Hier ein Fundstück aus dem Blog “Informationskompetenz@ulg wien”

“Informationskompetenz umfasst die Kompetenzen, um Informationsbedarf zu erkennen und zu finden und Informationen in kulturellen und sozialen Kontexten zu bewerten, anzuwenden und zu erstellen. (Zitat aus einer Alexandrina-Proklamation) Diesen Satz verstehe ich folgendermaßen: Informationsbedarf erkennen können wir nur dann, wenn wir herausfinden, dass unser Vorwissen zu einer Fragestellung oder Situation nicht ausreicht – wir „brauchen noch Zusatzinfos“ oder wir „verstehen nicht, worum es geht“ oder wir „müssen das nochmal nachschauen“.
Aus diesem „Wissens-Ungleichgewicht“ können wir eine Fragestellung, eine Suchanfrage, vielleicht sogar Neugierde entwickeln. Wenn wir wissen, wo wir Zugang zu den gewünschten Informationen haben, müssen wir also im nächsten Schritt bewerten können, woher die einzelne Information stammt, in welcher Zeit sie entstanden ist und wer sie verfasst hat.
Aus diesen schon recht umfangreichen Vorarbeiten, können wir nun die neue Information in unser Vorwissen integrieren. Wir wenden das Wissen an, indem wir uns nun möglicherweise anders, „informierter“, verhalten, wir erzählen vielleicht unseren neuen Wissensstand Interessierten oder wir verschriftlichen unsere Erkenntnisse.
Klingt einfach – ist es aber nicht. Denn wir bewegen uns in einer Welt, die eine unüberschaubare Anzahl von Informationen zu bieten hat. Sich diesem Überangebot zu nähern, ohne dabei die Nerven zu verlieren, ist, einfach ausgedrückt, auch Informationskompetenz…”

Der Autor/die Autorin empfiehlt im Folgenden, sich in der Bibliothek in Informationskompetenz schulen zu lassen.

Ich bin beruhigt: Meine Blogeinträge fallen unter diese Beschreibung.

Ich kann sogleich ein neues Beispiel geben: Weiterlesen

Ein Tisch zum Beschreiben (Einrichtungstipp 28)

Wenn die Schulbibliothek das bessere Klassenzimmer sein soll, braucht sie eine kommunikationsfördernde Ausstattung.

Früher holte man sich eine fahrbare Kreidetafel, die in einem Abstellraum stand. Der Kreidestaub setzt sich aber in der Kleidung fest, liegt auf den Büchern und hängt in der Luft. (Lehrer können Berufskleidung nicht bei der Steuer absetzen, es sei denn sie unterrichten Sport oder Naturwissenschaften.) Nicht jede Schulbibliothek hat einen Wasseranschluss, daher steht ein Eimerchen da, für den Schwamm.

Besser ist man dran, wenn ein Whiteboard an der Wand befestigt ist (Gibt´s auch fahrbar; vielleicht steht noch eins irgendwo herum. (Nicht gemeint: das interaktive Whiteboard!)

Oft reicht eine Flip Chart, um etwas zeigen, um Stichworte zu notieren. (Die Flip Chart war eine kleine Revolution in der Schule; sie wurde dann gern für Gesamtkonferenzen ausgeliehen. Für die Gruppenarbeit bekam jede Gruppe ein Flip Chart -Blatt zum Sammeln von Fragen  oder Stichworten und Notieren von Ergebnissen.

Zwei Meter Packpapier waren auch gut geeignet.

Eine  praktische Idee sind Whiteboardtische*, die man beschriften und abwischen kann:

whiteboard

whiteboard2

Photos: Buffy Hamilton, The Unquiet Librarian

Für Gruppenarbeit und Stationen finde ich das praktisch. Gebraucht werden die Aufzeichnungen ja nicht für die Ewigkeit, sondern nur für bestimmte Arbeitsphasen. Zur Not kann man sie fotografieren. Man stolpert nicht über Flip Charts und braucht kein Tesa oder Wäscheklammern für Papierbögen.

Man sieht, was die anderen Gruppen, je nach Arbeitsauftrag an Ideen, Fragen, Meinungen, Informationen gesammelt haben, welche Skizzen oder Mindmaps entstanden sind. Man kann sich in der Gruppe besser verständigen, wenn alle etwas vor Augen haben. Es geht nichts verloren.

Nebenbei: Das alles kann nur umständlich ins Digitale verlagert werden, etwa in Wikis, in E-Mail-Austausch, in Powerpointfolien oder digitale Mindmaps. Es ist das, was Unterricht ausmacht: die direkte Kommunikation, face-to-face, wie es auf Neudeutsch heißt. Dass das endgültige Arbeitsergebnis digital präsentiert wird, ist damit nicht ausgeschlossen.

Wer groß denkt, kann auch gleich an die Wand gehen:

Zuletzt: Ich denke auch an die Killerphrasen. “Narrenhände beschmieren Tisch und Wände”. Wer Schultoilettenwände und Klassenzimmermöbel kennt, wird fürchten, dass das dann auch der Schulbibliothek droht. Klassen, die ernsthaft im Medienzentrum arbeiten, dürften m. E.keine Gefahr darstellen. Aber nicht allen Lehrern gelingt es, diese Situation herzustellen.

Ein weiterer Einwand könnte sein, dass man mit Whitboards schlechte Erfahrungen gemacht hat. Über einen längeren Zeitraum bekäme man sie nicht mehr richtig sauber. Wie oft aber liegt das daran, dass – auch von Lehrer/-innen – Filzstifte benutzt wurden und/oder Haushaltsschwämmchen zur Reinigung oder gar aggressive Reinigungsmittel.

Die Whiteboardtische, die Buffy Hamilton nutzt, sind eine Augenweide. Ich finde, dass schon sie allein  Kreativität besser fördern als langweilige rechteckige oder spitzwinklige Trapeztische. (Die im Link gezeigten haben keine abwaschbare Oberfläche!)

Irgendwann bin ich wohl beim Nummerieren der Einrichtungstipps durcheinander gekommen. Die Nr. 28 müsste aber jetzt korrekt sein.

Bibliothekarsreise nach Porto Alegre/Brasilien ausgeschrieben

Das Goethe-Institut in Porto Alegre im Süden Brasiliens betreut einen dreiwöchigen Aufenthalt einer/eines englisch- oder portugiesisch sprechenden Diplom-Bibliothekarin/-thekars.

Die Daten 3.8. – 23.8.  oder 10.8.-30.8. 15 stehen zur Auswahl.

Das ist sicher lohnend. Porto Alegre hat nach meiner Erfahrung das angenehmste Klima und der Bundesstaat das am weitesten entwickelte Schulbibliothekswesen Brasiliens.

Eile ist geboten: Anmeldeschluss am 15.5.!!

Fragen und Bewerbungen an die Bibliothek des Goethe-Instituts Porto Alegre bibl@portoalegre.goethe.org schicken.

 

Lesen fördert friedliches Zusammenleben

Endlich habe ich Steven Pinkers phänomenales Werk “Gewalt – Eine neue Geschichte der Menschheit” beendet. Auf über 1.000 Seiten dokumentiert er, dass es in der Menschheitsgeschichte einen stetigen Rückgang von Mord, Gewalt und Krieg gibt. Noch nie sei die Welt so friedlich gewesen wie heute.

Das läge daran, dass die Vergangenheit allzu gerne verklärt werde. Frühere Generationen hätten unter einem unvorstellbaren Ausmaß an Gewalt gelitten. Wer sich durch die Seiten durchkämpft – wohl ein eher unpassender Ausdruck angesichts des Themas – erfährt von Kriegen und Massakern, die in unseren Geschichtsbüchern unerwähnt bleiben. Es gibt eine, ebenfalls weitgehend unbekannte Kriegsforschung, die versucht, möglichst alle Kriege und Bürgerkriege und ihre Toten zu erfassen und diese in Bezug zur Bevölkerungszahl zu setzen. Dabei zeigt sich, dass die Menschenverluste etwa im Amerikanischen Bürgerkrieg oder im 30jährigen Krieg größer waren als im Zweiten Weltkrieg.

Pinker benutzt allerdings nicht nur statistische Verfahren. Er zeigt, dass die Entstehung der modernen Staaten in der Neuzeit mit ihrem Gewaltmonopol und dem Aufbau einer Justiz innerstaatlich gewaltmindernd wirkt,  ebenso die Durchsetzung von Menschen- und Bürgerrechten, die Abschaffung der Sklaverei, das Ende von Hexenverbrennungen und der Inquisition. Zwischenstaatlich seien konfliktverhindernde Regeln entstanden. Auch der Austausch durch Handel habe sich gewaltmindernd ausgewirkt. Ein Win-Win-Situation würde Frieden erhalten, anders als die Ausbeutung eines Landes durch ein anderes.

Ich will den Inhalt hier nicht zur Gänze referieren. Ich weiß aus Gesprächen, dass ich lebhaften Widerspruch ernte, wenn ich Pinkers Erkenntnisse vertrete. Die Zeitungen wären doch voll von Krieg und Mord und Totschlag, der Zweite Weltkrieg wäre der schlimmste aller Kriege gewesen usw. “Früher war es noch schlimmer”, würde Steven Pinker antworten, der Rückgang sei messbar.

Warum ich das Buch überhaupt in diesem Blog erwähne? Pinker beschreibt auch die Fähigkeit zu lesen, den Buchdruck, die Ausbreitung der Leihbüchereien und die Lektüre von Romanen und Erzählungen als Faktoren der Humanisierung der Gesellschaft. Der geistige Horizont habe sich erweitert, man habe von anderen Völkern und Ländern erfahren. In den Romanen ging es um normale Menschen, nicht um Helden oder Kaiser und Könige. Ein Buch wie “Onkel Toms Hütte” habe vielen weißen Amerikanern die Augen geöffnet, ähnlich wirkte “Oliver Twist”.

Leseförderer wissen schon aus der Lese- und Leserforschung: Lesen fördert Empathie. Man versetzt sich in andere Menschen, man übernimmt ihre Perspektive, man zeigt Mitgefühl.

All dies habe den Siegeszug des Humanismus gestärkt.

Ebenfalls von Steven Pinker und genauso beeindruckend: “Wie das Denken im Kopf entsteht”.
(Ich lese solche solide recherchierten Werke lieber als die hoch gelobten spekulativen, stellenweise schlicht falschen Thesen von Piketty, Zizek oder Joseph Vogl über Zustände in unserer Gesellschaft.)

Projekt “Naturwissenschaften in der Schulbibliothek” in Alsfeld

nh24.de berichtet aus Alsfeld:

“Schulbibliotheken sind Lernorte und Lesezentren und sie ermöglichen die Nutzung unterschiedlicher Medien – eine Definition der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken (LAG), die ganz genau so für die Kreis-Jugendbücherei, die KJB, am Oberstufenstandort der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld gilt. Seit über zehn Jahren ist diese Bibliothek Mitglied in der der Landesarbeitsgemeinschaft. Nun wurde die KJB im Beisein von Schulleiterin Elisabeth Hillebrand für ihre langjährige Mitgliedschaft in der LAG geehrt.

Jean Rossa, Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule und mit zehn Stunden abgeordnet in das Projektbüro Schulbibliotheken des Kultusministeriums, ist auch stellvertretende Vorsitzende der LAG und wirbt für ihren Verband, der es ermöglicht, Energien in Schulbibliotheken zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Fortbildungen der Bibliotheksmitarbeiter zu fördern.

Gleichzeitig konnte Jean Rossa für die KJB den Start eines neuen Projektes verkünden: Ab Mai leitet sie ein Projekt, mit dem mehr naturwissenschaftlicher Unterricht in die Schulbibliothek geholt werden soll. Für die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Erdkunde kann dafür mit finanziellen Mitteln aus dem Kultusministerium aktuelle Software und Literatur angeschafft werden; 3.000 Euro seien dafür bewilligt, so Rossa.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit im HKM-Projektbüro Schulbibliotheken informierte Rossa die Teilnehmer der kleinen Feierstunde in der erst vor wenigen Monaten neugestalteten KJB über ein weiteres Projekt: So werde in einer Kooperation mit der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar die Leseförderung speziell von Jungen forciert. Dazu werden u. a. moderne Graphic Novels genutzt.”

(Text gekürzt)