Samsung bildet

Je früher Tablets eingesetzt werden, desto höher ist die Qualität der Bildung. So könnte man die Philosophie der Initiative “Digitale Bildung neu denken” zusammenfassen. Geschäftsführer ist der in Hessen nicht unbekannte Rolf Miller, der auch schon in Sachen Digitalisierung für das Kultusministerium tätig war. Finanziert wird die Aktion von Samsung Electronics.

Samsung stellt ausgewählten Schulen leihweise die Ausstattung für digitalen Unterricht zur Verfügung: Tablets Galaxy Note 10.1 2014 Edition für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, Tastaturen zur einfachen Textarbeit und weitere Software. Das Besondere an diesem Tablet ist, dass mithilfe des integrierten Stifts auch handschriftliche Notizen, Skizzen oder Zeichnungen angefertigt und anschließend digitalisiert werden können. Die Lehrkräfte, die im Rahmen des Projektes den Unterricht mit digitalen Medien halten, werden in Workshops darauf vorbereitet.

Schulen, die mit ihren Beiträgen bei den Wettbewerben der Initiative gewinnen, erhalten Samsung-Tablets oder Samsung-Warengutscheine.

Informationskompetenz gefragt: Noch nie war die Armut in Deutschland so groß

Basedow1764 ist ein Anhänger der Informationskompetenzvermittlung. Das war er schon, als es dieses Wort noch nicht gab und man von Arbeitstechniken oder Skills sprach. Inzwischen wird das Wort inflationär und präpotent gebraucht. Vor allem wird der Inhaltsaspekt vernachlässigt. Ob man mit der Beherrschung all der methodischen Teil- und Unterkompetenzen Wissen oder gar Bildung erlangen kann, bezweifele ich.

Ein mehrmals im Jahr wiederkehrendes Beispiel sind die Armutsberichte über Kinder, Witwen, Migranten, Rentner oder die Gesamtbevölkerung, die von Armutsforscher/-innen erstellt und von den einschlägigen Organisationen veröffentlicht werden. Wenn 15-Jährige im Politikunterricht, sofern es den überhaupt gibt, nach Informationskomptenzvermittlungsregeln vorgehen und ermitteln, dass die Pressemitteilung keine Rechtschreibfehler enthält, aktuell ist, von einem Verband mit Impressum veröffentlicht wird und fast alle Medien den Inhalt melden, wie soll er darauf kommen, dass das statistische Verfahren zur Ermittlung von Armut problematisch ist, in den Medien Armut und “Armutsgefährdung” meist verwechselt wird und die Auftraggeber solcher wissenschaftlicher Studien genau genommen Lobbyisten sind, die unter Berufung auf ihre Studien mehr Geld vom Staat wollen?

Die “Armutsgefährdung” beginnt, wenn das Einkommen unter 60% des mittleren Einkommens (Medianwert) der Bevölkerung liegt. Dieser Prozentsatz verändert sich nicht! Wenn z. B. jetzt Metallarbeiter 3,5 % mehr Lohn bekommen, steigt die Armut (wie die Zeitungen Armutsgefährdung meist abkürzen). Sie nähme nur ab, wenn es mehr Gleichheit bei den Einkommen gäbe. Weniger Armut gibt es nach den statistischen Formeln bundesdeutscher Armutsforscher/-innen wohl in Venezuela und Kuba, auch 1946/47 in Deutschland hat es weniger Armut gegeben als heute, da fast alle wenig hatten.

Schlimm finde ich, dass über den regelmäßigen Armutsberichten konkretes Elend aus dem Blickfeld geraten kann. Man muss sich nur einmal die statistischen Werte für Armuts- und Reichtumseinkommen anschauen, um zu sehen, dass da etwas nicht stimmen kann.

Mehr dazu in der unverzichtbaren Unstatistik der Woche

Siehe u. a.auch hier im Blog

N.B.: Die Vermittlung kritischen Denkens (Auch das ein Begriff, der nicht von US-Schulbibliotheksprofessorinen erfunden wurde) machte Spaß. Man konnte förmlich sehen, wie es in den Schülerköpfen arbeitete und wie schwer es war, sich von gängigen Klischees zu lösen. Beispiele?

Der hohe Benzinpreis: Die Einkommen stiegen stärker als der Benzinpreis, so dass die Arbeitszeit, die man brauchte, um sich den Tank zu füllen, gesunken war.

Der Russlandkrieg der Deutschen scheiterte angeblich, weil der Winter 1941/42 überraschend kalt gewesen wäre. Stimmt nicht, wurde aber selten überprüft, schon gar nicht im Geschichtsunterricht.

Die wahren Kosten des Autoverkehrs: Bei der beliebten Berechnung, was ein Kilometer im Privat-Pkw kostet, werden die Kosten der Infrastruktur und der Unfallfolgen weggelassen. (Die Grünen haben einmal versucht, diese Kosten zu ermitteln.) Schülerkommentar: “Aber die Straßenbrücken sind doch da!”

 

E-Book-Ausleihe von Stadtbibliotheken in Flughäfen

sapl-maschineTrotz aller Lizenzprobleme leihen US-amerikanische Stadtbibliotheken zunehmend E-Books aus. Dennoch weiß gerade einmal die Hälfte der Bibliotheksnutzer, dass es dieses Angebot gibt. Daher werben die Bibliotheken in der Öffentlichkeit dafür. So gibt es auf einigen US-Flughäfen Download-Installationen (s. Foto; Bild:  http://blog.mysanantonio.com/). Dort kann man sein elektronisches Gerät aufladen, manchmal auch im Internet surfen und eben ein E-Book downloaden.

Das Angebot besteht entweder nur für die Inhaber eines Ausweises der örtlichen Bibliothek oder man kann sich manchmal für die Ausleihe als Gast  registrieren. Ersteres funktioniert wohl am besten auf Flughäfen, die vor allem von Einheimischen frequentiert werden. Unter den 60 Millionen Flugpassagieren in Frankfurt/M sind Frankfurter Bürger/-innen wohl eine verschwindend kleine Minderheit.

Downloaden? Über eine Internetverbindung geht es wohl noch nicht. Ärgerlich für den downloadwilligen Leser im Flughafen, wenn auf dem Screen die Meldung erscheint: “Bitte tragen Sie sich in die Warteliste ein!”

(via lesen-net)

Die Regulierungswut des Staates ist ungebremst: Männerquote in Grundschule und öffentlicher Bibliothek

Frauenministerin Schwesig hat einen eher gemäßigten Entwurf des Justizministers Maas für ein Gesetz zur Einführung der Frauenquote zuspitzen lassen. Im öffentlichen Dienst muss es künftig eine 50%-Quote geben. (Von LSBTTIQ ist noch nicht die Rede.) Es müssen bei Bewerbungen gleich viele männliche und weibliche Bewerber/-innen eingeladen werden. Die Rolle der Frauenbeauftragten wird gestärkt. Männer sollen bevorzugt werden, wenn für sie bisher eine Unterversorgung gegeben war, z. B. im Grundschulbereich oder in öffentlichen Bibliotheken. (Für die Grundschulen forderten die hessischen Grünen das schon vor zwei Jahren.) Kndergärten und -horte sind wohl eingeschlossen.

Was die Quote in Vorständen und Aufsichtsräten der Privatwirtschaft angeht, so sprechen Gutachter von einem verfasssungswidrigen Gesetzentwurf. Mit dem Verbot, eine Stelle zu besetzen, wenn keine geeignete Frau gefunden wurde (“Leerer Stuhl”) greife man z. B. erheblich in die Eigenstumsstrukturen ein. Die Regelungen gälten nicht nur für die großen Dax-Konzerne, sondern praktisch für alle Betriebsformen mit 1-3 Aufsichtsräten und 2 Geschäftsführer/-innen, auch die in Familienbesitz befindlichen und Kommanditgesellschaften mit persönlich haftenden Gesellschaftern. Was die Mehrkosten der Wirtschaft für die Kosten der Einführung der Vorschriften angeht, so haben Maas/Schwesig ihre Schätzung inzwischen auf das Zehnfache angehoben.

Bekanntlich lässt sich die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen (Equal Pay Gap) auf mehrere Faktoren zurückführen, die überwiegend wenig bis nichts mit Diskriminierung zu tun haben. Wenn hier Aktivist/-innen das Kind mit dem Bade ausschütten, dürfte es interessant werden, zu sehen, wie sich die Sache entwickelt. Da es immer die Erfahrung gibt, dass Gesetze umgangen werden, musstern die Ministerial/-innen versuchen, diesmal (Mindestlohn und Frauenquote) Hintertürchen und Ausnahmen von vornherein zu vermeiden.

Nichts gegen mehr männliche Grundschullehrer, aber ein Verfahren wie die gendergerechte Listenaufstellung bei hessischen Personalratswahlen hat mit Bestenausles und Pädagogik wenig zu tun.

Ich kann es nicht mehr hören!

Ich gebe zu: Es fällt mir manchmal schwer, mich nicht aufzuregen.

Diesmal ist es eine neue Studie von Bitkom, dem Lobbyverband der IT-Industrie, zur Verbreitung und Nutzung von Smartphones bei Kindern und Jugendlichen. Nicht viel Neues: die Verbreitung nähert sich ab dem Alter 12 den 90%. Genutzt werden sie, auch im Unterricht, zum Chatten, Fotografieren, Musik hören. 75% haben angegeben, dass sie das Tafelbild fotografierten. (Entstehen wirklich außerhalbn von Prüfungsstunden noch Tafelbilder, die man aufbewahren sollte?) Eine Minderheit von 20% nutzt das Gerät auch zum Telefonieren. (Ob diese Zahl nur für die Zeit in der Schule gilt, müsste man nachsehen. Ich glaube, dass die Telefonfunktion der Geräte grundsätzlich eher zweitrangig geworden ist. Ich habe aber wenig Lust, die ganze Studie zu lesen.)

Am Schluss des Artikels, den ich gerade lese (FAZ 18.2.15, p 23) kommt die eigentliche Ursache meines Ärgers. Der letzte Absatz lautet nämlich:

“Smartphones gehören zum Alltag von Schülern und sind damit natürlich auch Teil der Schule”, kommentierte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg die Ergebnisse. Umso wichtiger sei es, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln, damit die Geräte auch im Unterricht sinnvoll genützt würden.

Ich zitiere vorsichtshalber nicht mehr, um nicht Ärger mit der FAZ wegen nicht-lizenzierter Verwendung ihres Textes zu bekommen. Was folgt, ist dann das übliche: Die Lehrer wären nicht geschult, sie könnten mit den neuen Technologien nicht umgehen, die Wirklichkeit in den Schulen sähe anders aus, die Lehrer würden bloß verbieten…

Textbausteine wie dieser dürfen in keinem einschlägigen Zeitungsbericht und in keiner neuen Studie fehlen.

Es ist das beliebte Spiel: Die IT-Industrie erfindet neue Gadgets. Den Pädagogen wird von empirischen Bildungsforscher/-innen nachgewiesen, dass sie keine Ahnung davon hätten. Medien- und Informationswissenschaftler/-innen entwerfen K-12-Curricula, in die sie prozessorientierte Kompetenzmatrizen für den Umgang mit IT-Geräten und -Software implementieren. Bildungspolitiker/-innen schreiben Google- und PowerPoint-Kompetenzen in die Abiturprüfung. Von den Leitartikler/-innen und den IT-CEOs wird den Lehrpersonen empfohlen, sich doch bitte pädagogisch mit den Smartphones und ihren Besitzer/-innen auseinanderzusetzen; sie seien ja nun schließlich Pädagogen. Und dann gibt es noch die Gurus unter den Kollegen oder Erziehungswissenschaftler/-innen oder IT-Programmierer/-innen, die behaupten, mit dieser oder jener App sei die alte Schule tot, jeder könne sich damit jederzeit und überall alles selbst beibringen.

Was ich ändern kann, ist meine Einstellung. Ich werde lernen, mich über dieses Gerede nicht mehr aufzuregen.

Die Kinder und Jugendlichen werden den Erwachsenen immer eine Nasenlänge voraus sein. Wenn die Lehrer Facebook in den Unterricht integriert haben, sind sie längst bei Instagram. Wenn sogar die Oma einen YouTube-Channel anlegt, wandern die Enkel zu YouNow ab. Die Wissenschaftler/-innen werden in ihren Studien feststellen, dass Lehrer und Schule wieder keine Ahnung haben. Inzwischen stehen aber in jedem Klassenraum zwei Whiteboards und eine Ladestation für 30 Tablets und die Gurus schwärmen von der pädagogischen Revolution, die GoogleGlass ermöglicht.

Steinbruch Bildungspolitik

Die Bildungspolitik in Baden-Württemberg kommt nicht zur Ruhe. Nach den Debatten um die “sexuelle Vielfalt“, die als Querschnittthema in allen Fächern berücksichtigt werden sollte. (Behandlung homosexueller Kulturschaffender, Erwähnung der Homosexualität von historischen Personen, Abbau der LSBTTIQ-Menschen diskriminierenden Präferenz für heterosexuelle Ehe und Familie) ist die Landesregierung zurückhaltender in ihre Informationspolitik geworden. Dabei gibt es Kritk an der weiteren Arbeit an den neuen Bildungsplänen. Beklagt wird z. B. die Stofffülle. So sagen Geschichtsdidaktiker, der Lehrplan des 8. Schuljahres sei auch in zwei Schuljahren nicht zu schaffen. Der Lehrplan sei ereignisgeschichtlich orientiert, was ja nun wirklich überholt sei. Die Geschichte der Weimarer Republik wiederum sei auf das deutsch-französische Verhältnis fokussiert und viel Zeit werde mit einer französischen Hochstapleraffäre  (Stavisky) vertan. Die Schulbuchverlage beklagen, dass sie dauernd nachbessern müssten, weil sie nicht wüssten, was gerade verlangt werde. Die Gymnasiallehrer beklagen den Verlust schulformbezogener Lehrpläne. Die Gemeinschaftsschule sei ohne vorhandene Lehrpläne eingeführt worden. Der Leiter des Referats “Gemeinschaftsschule” wurde inzwischen abgelöst. Die Erprobung neuer Lehrpläne wurde in drei Monaten durchgeführt, Ergebnisse werden angeblich geheimgehalten.

Der Kompetenzorientierung werde dadurch Rechnung getragen, dass es eine Fülle prozess- und inhaltsbezogener Kompetenzen gäbe. Das führe zu einer “methodischen Komplexität”.

(nach “Wut, Ärger, Verzweiflung” von Rüdiger Soldt, FAZ v. 17.2.15)

Aus Niedersachsen berichten mehrere Zeitungen, dass die Kultusministerin dem Gedanken näher trete, als Alternative zur schriftlichen Abiturprüfung, eine Powerpoint-Präsentation zu erlauben. Das ist in Hamburg schon länger möglich, auch in weiteren Bundesländern spielt PWT im Abitur eine Rolle. In Hessen kann sie als Teil der mündlichen Prüfung gewählt werden.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein wird zu Powerpoint im Abitur im Blog Lehrerfreund zitiert. Siehe auch Beiträge zum Thema im Basedow1764.

Filme des Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF) online

“Das Filmerbe umfasst die ca. 11.500 Titel der IWF Wissen und Medien gGmbH, Göttingen (vormals Institut für den Wissenschaftlichen Film) und verschiedener Vorgängerinstitutionen. Die für die Zwecke von Wissenschaft und Forschung produzierten Filme decken ein zeitlich wie fachlich weites Spektrum ab. Die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer sowie Biologie und Ethnologie bilden besondere Sammlungsschwerpunkte. Die meisten Veröffentlichungen stammen aus den 1950er bis 1980er Jahren.” (via digithek.ch)

Ich habe die unterrichtsgeeigneten Filme des IWF im Unterricht sehr geschätzt. (Mehr als die des früher eher altmodischen und behäbigen halbstaatlichen FWU) Im AV-Portal geht es allerdings vor allem um die wissenschaftsrelevanten Filme aus Technik und Naturwissenschaft.