Nützt mehr Geld für Bildung?

Das ceterum censeo der öffentlichen und veröffentlichten Meinung ist: Mehr Geld für Bildung ausgeben. Das steht auf Wahlplakaten: „Reichensteuer für mehr Bildung“ oder „Wenn wir gewinnen, stecken wir mehr Geld  in die Bildung als die anderen“. In den sog. sozialen Medien gibt es nahezu kein politisches Vorhaben, bei dem nicht gefordert wird, das Geld besser in mehr Bildung zu stecken.

Für die Schweiz hat der Bildungsökonom Prof. Dr. Stefan Wolter, Bern, belegt, dass mehr Geld nicht automatisch bessere Bildung bedeutet. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Bildungsausgaben und Bildungsqualität. Kantone, die 50% mehr als andere für Bildung ausgäben, erzielten schlechtere Leistungen.

Ingesamt hätten sich die Bildungsausgaben in der Schweiz von 1990 bis 2013 von 16 auf 35 Mrd Franken mehr als verdoppelt. Dabei gäbe es sektorale Unterschiede: Die Universitäten hätten einen Zuwachs von 65%, im Bereich Forschung und Entwicklung seien es sogar 400% höhere Ausgaben. Verdoppelt haben sich in diesem Zeitraum die Ausgaben für Sonderschulen. Obwohl viele Kinder aus Sonderschulen in Regelklassen gekommen wären, seien die Kosten nicht gesunken. Die Inklusion, die Beschulung behinderter Kinder in Regelklassen, koste doppelt so viel wie 2000, statt 900 Millionen 2013 1.748 Mill.

Beim relativen Vergleich der Bildungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung läge die Schweiz global gesehen auf Platz 1, bei PISA aber gäbe es keinen Spitzenplatz.

Weiterhin führt das Team um Prof. Wolter als Gründe für die Explosion der Bildungsausgaben an: Teure externe Evaluationen von Schulen zur Qualitätssicherung, die Anschaffung kurzlebiger elektronischer Geräte, die schnell veralten würden, steigender Verwaltungs- und Koordinationsaufwand in Schulen, der gestiegene Personalbedarf an externen Experten und Beratern, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Psychologen. Auch die diversen Schulversuche verursachten Kosten. Der Kanton Bern gäbe allein für einen drei Jahre währenden Schulversuch „Teams für starke Lehr- und Lernbeziehungen“ 500 Millionen Franken aus.

Das System werde ausschließlich durch Inputs gesteuert, nicht durch Outputs: Man gibt Geld aus, misst aber nicht, ob es nützt.

Einzig der Bereich der Berufsausbildung habe moderate Steigerungen zwischen 10 und 20% aufzuweisen. Dabei seien gerade die duale Berufsausbildung und die Durchlässigkeit des berufsbildenden Schulwesens ein Schweizer Erfolgsmodell. Die Nähe zur Wirtschaft und den Berufsverbänden seien wohl ausschlaggebend, dass es hier nicht den kostentreibenden Reformeifer wie in den allgemein bildenden Schulen gäbe.

(nach einem Bericht der Schweizer Weltwoche, „Die Legende von Geld und Geist“, 5/1014, 4.2.2016, pp 14-17)

In Deutschland ist es nicht viel anders.

In diesem Zusammenhang: Im Blog Science Files hat man einmal nachgerechnet: Es sind vor allem die grün-rot regierten Bundesländer, die in der Hochschulfinanzierung am knauserigsten sind, obwohl gerade  die dort regierenden Parteien in ihren Programmen noch mehr Geld in die Bildung stecken wollen.

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