Design Thinking für die Schule 4.0

„Unser 300 Jahre altes Bildungssystem ist den Anforderungen des schnellen digitalen Wandels nicht gewachsen“, sagt der ehemalige SAP-Spitzenmanager Sikka.

Die Vordenker auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos reden auch über Bildung. Sie ist dabei, ein noch wichtigeres Thema zu werden als Digitalisierung, Technologie, Zukunft der Arbeit. Sie ist sozusagen die Mutter aller Entwicklungen.

Den Schulen empfiehlt Davos das Design Thinking (DT) als Methode, sich für den Wandel, wie ihn Sikka meint, zu wappnen. Nahezu alle Global Player, deren Vorstandsvorsitzende in Davos präsent sind, wenden DT in ihren Konzernen an: Daimler, Deutsche Bank, Siemens, SAP, Microsoft, IBM.

Was ist DT? Es ist eine Methode, interdisziplinär Wege zu finden, für Kunden genau die Produkte zu entwickeln, die sie gerne hätten. Bei der Produktentwicklung wie ein Designer denken, ist das Motto.

Mir fällt als erstes Brain Storming ein. Man setzt sich zusammen und sammelt Einfälle ohne Denkverbote. Das galt einmal als kreative Problmlösungsmethode. Heute ist es in Verruf gekommen, weil Wissenschaftler herausgefunden haben, dass man kreativer ist, wenn man für sich alleine nachdenkt.

Aber jetzt wieder zu DT. Ich lese in Wikipedia nach. Der FAZ-Journalist Carsten Knop, der aus Davos berichtet, hat das auch nicht anders gemacht: „Design-Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird.“

Man kann Design Thinking auch studieren, z. B. seit ca. zehn Jahren im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.

US-amerikanische Schulbibliotheken kennen den Begriff schon länger. Sie können sich von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung einen „Design-Thinking-Baukasten“ schicken lassen, der Projektgruppen dabei helfen soll, in zukünftigen Schulbibliotheken noch besser auf Schülerbedürfnisse einzugehen. Angeblich sind  Makerspaces, Selbstlernzentren und Gaming-Räume (Platz für Computerspiele) Ergebnisse schulbibliothekarischen Design Thinkings.

Falls das DT auf Schulen zukommt, dann wohl in zweierlei Hinsicht: Als Planungsmethode für Kollegien und als Unterrichtsmethode.

Die Kollegien hatten einige Jahre mit Projektplanungsmethoden in unzähligen Arbeits-, Evaluations- und Projektgruppen ihre Schulprogramme entwickelt. Manche profitierten davon wirklich und haben eine neue Schulkultur geschaffen, manche auch nicht.

Dann wurde von den Kollegien (wenigstens aus Hessen ist mir das bekannt) einige Jahre lang auf Pädagogischen Tagen Methodenorientierung trainiert.

Seit einiger Zeit beißen sich die Fachkonferenzen, Arbeitsgruppen und Ausschüsse daran die Zähne aus, wie man Kompetenzen unterrichtet und bewertet.

Demnächst also soll mit Design Thinking die Schule4.0 kreiert werden. Unternehmensberater, Designer, Professoren und Trainer/-innen freuen sich auf den neuen Bildungsmarkt.

Für die Schüler wird DT die Fortsetzung des projektorientierten Lernens sein. In Gruppen setzt man sich ein Ziel und bringt sich das nötige Wissen bei, um ein möglichst reales Problem zu lösen. In den nächsten Jahren böte sich z. B. die Integration von Migranten an, aber auch Umwelt- und Tierschutz, Abbau von sozialer Ungleichheit und Diskriminierung, also die ganze Palette aktueller Themen. Oder sie gründen einen Babysitterdienst, konstruieren eine Einkaufs-App für Rentner oder renovieren den Kinderspielplatz im Dorf.

Bei beidem plädiere ich für Gelassenheit. In der Wirtschaft wird alle paar Jahre eine neue Managementidee geboren und alle folgen ihr begeistert, bis eine neue kommt.

DT beinhaltet eine ganze Menge von dem , was im Bildungsbereich schon länger bekannt ist.

Zur Gelassenheit beitragen kann auch das Wissen um das Scheitern so vieler neuer Managementmethoden und -konzepte: Der Ersatz des Fließbandes durch dezentrale Teams, die ein Auto zusammenbauen. Als sich das endlich im kritischen Politikunterricht als Zukunftsmodell für Industriearbeit durchgesetzt hatte, war es längst aus den Werkhallen verschwunden.

Großraumbüros sind nicht mehr die Zukunft der Büroarbeit. Man hat von den Nachteilen der Massentierhaltung gelernt.

Firmenfusionen gehen genauso oft schief, wie sie erfolgreich sind. Erinnert sich noch jemand an DaimlerChrysler und die Managerheere, die ständig über den Atlantik pendelten?

Outsourcing von Aufgaben an Fremdfirmen steht gegen gesamte Produktion unter einem Konzerndach.

Die Konstante im Wirtschaftsleben ist der ständige Umbau, die ständige Reorganisation des Betriebes und seiner Abläufe. Zu fragen ist, ob Schule alles mitmachen muss

 

 

 

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