Oxfam-Statistiken

Die Fachleute von OXFAM haben gerechnet. Heraus kam ein Leckerbissen für Churchill-Fans. Der hatte einmal gesagt, er traue nur der Statistik, die er selbst gefälscht habe.

OXFAM will errechnet haben, dass die 62 Reichsten der Reichen so viel besitzen wie die Hälfte der Erdbevölkerung. Für die „Sofortisten“ der Medien ein gefundenes Fressen. Das steht sofort im Blatt, gar als Aufmacher auf der Titelseite, wie bei den PNN, dem Potsdamer Ableger des linken Tagesspiegels, dem selbst ernannten Leitmedium der Berliner Führungskräfte. Bloß keine Recherche, kein Nachprüfen, man weiß doch, der Kapitalismus ist an allem schuld.

Zwei Tage später lese ich auf S. 15 in der FAZ, wie die ominöse Zahl entstanden ist: (Hier ein ähnlicher Bericht in der Süddeutschen Zeitung)

Ausgangspunkt ist ein Kreditreport einer Schweizer Bank, mit dem belegt werden soll, dass es eine funktionierende Kreditwirtschaft gibt. Berechnet wurde das sogenannte Nettovermögen, also alle Darlehen und Kredite werden vom Vermögen abgezogen. Studenten, die sich ihr Studium mit einem Kredit finanzieren, oder Häuslebauer ihr Haus, geraten so in die OXFAM-Armutsstatistik, obwohl sie nicht am Hungertuch nagen. Landarbeiter in Eritrea stehen nach der Oxfam-Berechnungsformel besser dar als Hausbesitzer in USA, die eine Hypothek aufgenommen haben.

Einer der ärmsten Menschen ist nach dieser Armutsberechnungsart der betrügerische Börsenmakler Jerome Kerviel, der sechs Mrd. Dollar Schadensersatz an seine Bank leisten soll.

Kein Wunder, dass im Ranking der armen Länder nach Indien gleich die USA kommen. Wegen der verschuldeten Hausbesitzer und der vielen Studienkredite von Studenten. Erst danach folgen Bangladesch und Pakistan.

Auch für schulische Informationskompetenzvermittler/-innen ist die OXFAM-Pressemitteilung eine Herausforderung. Wer die üblichen Kriterien – Impressum vorhanden, ordentliche Rechtschreibung, regelmäßige Updates der Seite und ähnlich Formales – anwendet, kommt nicht weit. (Siehe dieses Posting!)

Es gibt ungute Vermögenskonzentrationen und irrwitzige Gehälter. Aber brächte es nachhaltig Verbesserungen, wenn man das Vermögen von Bill Gates oder Hasso Plattner an die Armen in den USA oder Bangladesch verteilte? (Dazu ist in diesem Posting alles gesagt.)

Nebenbei: Was ist mit der reichen Elite in linken Ländern wie Nicaragua, Venezuela, Bolivien oder Vietnam? (Dazu ist in diesem Posting etwas gesagt.)

Auch in der DDR betrug das Vermögen der Reichsten das Sechsfache des Vermögens der ärmsten Schicht (nach Vortrag Prof. Klaus Schroeder in Potsdam am 7.4.2008)

Zuletzt: In den vergangenen 20 Jahren wurde die Armut der ärmsten Bewohner der Erde halbiert. Aber wen interessieren gute Nachrichten?

Vielleicht wird man in Zukunft von OXFOAM- statt von OXFAM-Statistiken sprechen.

 

 

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