Die Kita: Der neue Markt für Therapeuten?

Die Zahl der Logopäd/-innen, Ergo- und Physiotherapeut/-innen hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht. Bis zum 14. Lebensjahr werden 45% der Jungen und 31% der Mädchen von ihnen behandelt.

Umschlagfoto: buecher.de

Der Kinderarzt Michael Hauch warnt in seinem Buch Kindheit ist keine Krankheit. Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen. davor, Kinder vorschnell zu Patienten zu machen. Die wachsende Zahl betreuter Kinder und Jugendlicher in Kitas und Horten entwickle sich zu einem attraktiven Markt. Übervorsichtige Eltern träfen auf Erzieherinnen, die in ihren Beobachtungs- und Erfassungsbögen jede noch so kleine Entwicklungsverzögerung und Verhaltensauffälligkeit erfassten. Die Therapeuten hielten Vorträge in den Einrichtungen, ihre Flyer lägen praktischerweise aus.

Drei Millionen Therapieeinheiten seien 2013 Kindern verordnet worden. (Ziemlich genau 3 Millionen Kinder besuchen die Betreuungseinrichtungen vor der Einschulung oder parallel zur Schulzeit; GS) Zunehmend beherrschten Erzieher/-innen und Lehrer/-innen die medizinischen Fachbegriffe wie Dyskalkulie, AHDS, auditive Sprachwahrnehmungsstörung, ohne aber Bedeutung und Tragweite wirklich einschätzen zu können. Viele der Tests, die in den Einrichtungen eingesetzt würden, seien unwissenschaftlich. Der Delfin-Sprachtest für Vierjährige wurde erst nach Protesten von Wissenschaftlern in NRW zurückgezogen. Weitere 21 Sprachtests würden verwendet.

(nach einer Rezension von Martina Lenzen-Schulte in der FAS v. 22.5.15, p 12)

Ich erinnere bei der Gelegenheit an Diskussionen über Nebenwirkungen von Kitas, die hierzulande nicht geführt werden. Siehe dazu u. a. im Blog  hier und hier.

Zahlen zu Kitas 0 – 3:

Die Betreuungsquote betrug im März 2014 in den westdeutschen Bundesländern durchschnittlich 27,4%. In Ostdeutschland (einschließlich Berlin) war sie mit 52,0% fast doppelt so hoch. In Brandenburg war bundesweit die höchste Betreuungsquote festzustellen (58,2%).

Im März 2014 gab es bundesweit 53.415 Kindertageseinrichtungen. Die Zahl der dort als pädagogisches Personal oder als Leitungs- und Verwaltungspersonal beschäftigten Personen stieg auf 527.400.

Regionale Unterschiede gab es bei den Einzelaltersjahren: Während bei den 1-jährigen Kindern in den ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten die Betreuungsquote Anfang März 2013 in fast allen Kreisen bei mindestens 50% lag, gab es mit Heidelberg (57,5%) nur eine westdeutsche Stadt mit einer hohen Quote. Die höchste Quote bei den 1-jährigen Kindern wies der Landkreis Jerichower Land (bei Magdeburg) mit 85,1% auf.

Weit voraus ist der Osten dem Westen bei der Ganztagsbetreuung. Gut 72 Prozent aller ostdeutschen Kita-Kinder besuchen mehr als 35 Stunden pro Woche eine Kindertageseinrichtung. In den westdeutschen Bundesländern ist der Anteil der Kita-Kinder, die ganztags in ihre Einrichtung gehen,  niedriger: Von den unter dreijährigen Kita-Kindern gehen im Westen 43,6 Prozent ganztags in ihre Kindertageseinrichtung,

2013 betrug die Zahl der in Einrichtungen und Tagespflege betreuten Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren von  3.352.833.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zitat: Die Kita ergänze die Familie, die Freunde würden zu Brüdern und Schwestern, die es in vielen Familien nicht gibt. Spielen, streiten, Frieden schließen: „Das sind mit die wichtigsten Werte, die die Kita vermittelt, um auf die Schule vorzubereiten“, sagt eine Jugendhilfeexpertin der Gewerkschaft ver.di.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s