Die Flops der LAG

Über Erfolge der LAG wird im Basedow1764 gelegentlich berichtet. Außerdem sprechen sie sich in Szene herum. Manchmal macht es uns sogar ein wenig verlegen, wie sehr unsere Möglichkeiten überschätzt werden. Es ist an der Zeit sine ira et studio auch einmal über nicht Gelungenes, über Flops, zu reden. wobei diese weniger auf unsere Aktivitäten zurückgehen, vielmehr sind wir Opfer von Ereignissen oder Entwicklungen geworden.

  • Im Kultusministerium spricht man in einem Erlass von „LMF-Bibliothek“ und meint damit die Lagerräume, in denen die Schulbücher einer Schule aufbewahrt werden. Eine Bibliothek hat einen Bücher- und Medienbestand, der sich erheblich von dem einer Lehrbuchsammlung unterscheidet. Wir machen das Ministerium darauf aufmerksam, dass das unterentwickelte Schulbibliotheksbewusstsein in den Schulen wenig gefördert würde, wenn „Bibliothek“ mit einem Aufbewahrungsraum für mehr oder weniger ansehnliche Schulbücher gleichgesetzt wird. (Ich kann nicht mehr rekonstruieren, ob man dem Einwand folgte. Es ist lange her. In vielen Schulen heißt das Lehrbuchlager bis heute LMF-Bibliothek.)
  • Ich traue meinen Ohren nicht: Da wird im Frühstücksradio von einer kleinen Grundschulbibliothek berichtet, die kein Geld für Neuanschaffungen hat. Einen ganzen Vormittag lang werden die Hörer aufgefordert zu spenden. Ein hübsches Sümmchen kommt zusammen. Meine Mail an die Redakteurin wird nicht beantwortet. Beim Zweitversand kommt eine lustlose Antwort auf meinen Vorschlag, einmal über den allgemein desolaten Entwicklungsstand zu berichten. Das Thema ist bei ihr durch.
  • Auf dem hessischen Bildungsserver wird ein Leseförderungsportal eröffnet. Leider fehlt ein Hinweis auf das seit 15 Jahren tätige Projektbüro Schulbibliotheken im Lehrerfortbildungsinstitut. Verlage und andere außerschulische Institutionen werden aufgeführt – aber nicht die LAG.
  • Das Ministerium greift unseren Vorschlag einer Broschüre mit Beispielen aus möglichst vielen Fächern für Unterricht in und mit der Schulbibliothek auf. Die Gliederung steht, die Fächer sind verteilt, die SBA Frankfurt wurde zur Mitarbeit gewonnen, zweimal kommt die Runde zusammen. Einige Beiträge „stehen“ inzwischen. Da stoppt das Haus das Projekt (Haushaltssperre?).
  • Nachdem die Stiftung Lesen Leseförder-Institutionen keinen Raum mehr auf ihrem Buchmessestand in Frankfurt bieten konnte, beteiligten wir uns mit 500 € an einem Gemeinschaftsstand, der auf Initiative eines sehr aktiven Buchhändlers zustande kam. Er führt für Standpräsenz und Geschirrabwasch ein rigides Reglement ein. Da wir neben der Messe in den Jahren, in denen sie außerhalb der Herbstferien stattfindet, auch Unterricht geben müssen, fällt uns das nicht immer leicht und bald ziehen wir uns zurück. Für unsere Situation hat der Buchhändler kein Verständnis.
  • Wir schicken an über hundert Kreistagsabgeordnete, Schulverwaltungsamtsleiter und Schuldezernenten unsere aktuelle Schulbibliotheksbroschüre und ein kurzes, übersichtliches Papier. In keinem Fall erfolgt eine Reaktion. (Ich weiß, das Bohren von dicken Brettern kann nicht durch Briefe schreiben ersetzt werden.)
  • Eine Zeitlang verfolgten wir den Plan, einen Videoclip über Schulbibliotheken zu drehen. die Idee stammt vom österreichischen Unterrichtsministerium, wo die unvergessene Johanna Hladej einen instruktiven Film hatte produzieren lassen. Wir entwerfen ein Exposé und lassen uns von einem renommierten Trickfilmstudio beraten. Dann wenden wir uns an die Stiftung Lesen. Dort erwartet man, dass wir auch das Geld mitbringen. Der Schulbibliotheksreferent des Ministeriums schlägt vor, dass wir uns an das Institut für Filme in Wissenschaft und Unterricht (FWU) wenden, das vom Land Hessen mitfinanziert wird. Wir sollten uns auf die Absprache mit ihm, also dem Hessischen Kultusministerium, berufen. Vom Direktor des Instituts erhielten wir nie eine Antwort. Ca. zwei Jahre später gibt es einen Film und eine Tagung des FWU zu Schulbibliotheken, gemeinsam mit ekz und dbv.
  • Wieder einmal wird die Kultusverwaltung umgebaut: das Landesschulamt (LSA) entsteht. In ihm sollen die 15 Staatlichen Schulämter aufgehen sowie das Amt für Lehrerbildung, das Institut für Qualitätsentwicklung und eine neu geschaffene Lehrkräfteakademie. Im LSA gibt im Schulentwicklungsdezernat es eine Beauftragte für Leseförderung. Ein Schwerpunkt des gesamten neuen Amtes soll  die Förderung des Lesens sein. Die Beauftragte plant als eine ihrer ersten Amtshandlungen, Schulleiter/-innen für einen Leseförderungsbeirat zu gewinnen. Dabei  gab es seit mindestens zehn Jahren in jedem Schulamtsbezirk eine Arbeitsgruppe zum Thema, es gab in vielen Schulamtsbezirken Fachberater/-innen für Leseförderung. Manchmal waren sogar die Schulbibliotheken einbezogen! Es gab Broschüren der Institute dazu. Es gab einen hessischen Lesekongress (Zu dem die LAG nicht eingeladen worden war.) Es waren von einem Institut des KM zwei Lehrerinnen nach Kalifornien geschickt worden, um dortige Leseförderaktivitäten kennenzulernen. Darüber schrieben sie eine Broschüre. Und jetzt ist Leseförderung einer der ersten Schwerpunkte der neuen Behörde! Ist denn bei den bisherigen Aktivitäten nichts herausgekommen?
  • Wen wundert es: Das Projektbüro „Schulbibliotheken, Leseförderung und Medienerziehung“ hängt wieder einmal in der Luft. Im Organigramm des neuen LSA kommt es nicht vor. Die frisch gebackene Leseförderbeauftragte des Hauses bittet uns zu erklären, worum es sich bei dem „Projektbüro“ handelt. Das LSA müsste inzwischen schon wieder aufgelöst worden sein.
  • Kein Flop: Wir konnten Bücherspenden des Berliner Büchertischs über das Goethe-Institut in Lima an peruanische Schulbibliotheken vermitteln.
  • Bei den unzähligen Versuchen, Kreis- oder Landtagsabgeordnete für unser Anliegen zu gewinnen, passierte es zweimal, dass wir die Antwort erhielten, es geschähe doch etwas. Belegt wurde es mit der Nennung von Dingen, die die LAG vorgeschlagen und das Ministerium aufgegriffen hatte.
  • Das hessische Kultusministerium hat trotz seiner gesetzlich festgelegten Unzuständigkeit das Schulbibliothekswesen immer unterstützt, sowohl die Referenten als auch der Abteilungsleiter und die Hausspitze. Dann wollten wir mehr und kamen auf die Idee, den damaligen Ministerpräsidenten Koch zu bitten, sich für Schulbibliotheken einzusetzen. Er ließ antworten, dass er uns gerne einen Termin bei der Kultusministerin verschaffe.
  • 2005 musste das Kultusministerium eine Kooperationsvereinbarung mit dem dbv unterzeichnen. Oberster hessischer Schulbibliothekar wurde danach ein Diplom-Bibliothekar in der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken, die Teil der Hessischen Landesbibliothek ist, die wiederum Teil der Fachhochschulbibliothek Rhein-Main ist. Das KM ordnete zwei Lehrkräfte, von denen wir in achtzehnjähriger Arbeit nichts gehört hatten, mit der Hälfte ihrer Pflichtstunden dorthin als „Schulbibliotheksbeauftragte“ ab. Immerhin war Hessen vorn: Bayern macht es jetzt ähnlich.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s