Internat Salem schränkt Handynutzung ein

Die Salemer Lehrer hatten es anscheinend satt, morgens unausgeschlafene Schüler/-innen unterrichten zu müssen, die die halbe Nacht auf ihren digitalen Geräten gesurft hatten.

Die Pressestelle des Elite-Internats teilte im Dezember 2014 mit:

„Führendes deutsches Internat begegnet dem exzessiven Medienkonsum vieler Schüler

Die Pädagogen des Salemer Mittelstufen-Internats haben sich zu Beginn des laufenden Schuljahres darauf verständigt, die Nutzung von internetfähigen Geräten mit Bildschirm deutlich einzuschränken. SmartPhones, MP3-Player, Laptops und Tablet-PCs werden um 21.30 Uhr eingezogen. Während Laptops und Tablets den 13- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern zu Unterrichtsbeginn wieder zur Verfügung stehen, werden SmartPhones erst nach dem gemeinsamen Mittagessen um 14.15 Uhr wieder ausgegeben. Denn auch in Salem sollen die Schüler natürlich den Umgang mit den IT-Medien lernen. (Hervorhebung von mir; GS)

Hintergrund dieser pädagogischen Entscheidung, die von vielen der rund 250 Schülerinnen und Schüler zunächst als dramatische Einschränkung ihres Rechtes auf Selbstbestimmung empfundenen wurde, war zum einen ihr in vielen Fällen exzessiver Medien-Konsum. Hinzu kam aus Sicht der Schulleitung besonders auch die permanente Möglichkeit des Zugriffs auf jugendgefährdende Internet-Inhalte. Salem-Leiter Bernd Westermeyer: „Wir konnten nicht länger zusehen, wie sehr diese Geräte unseren Schülern Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit stehlen.“ Nahezu einhellig unterstützt wird die so genannte „Handy“-Regel von der Elternschaft der Schule, die sich aus über 40 Nationen zusammensetzt.“

Basedow1764 fühlt sich in seiner skeptischen Einschätzung des Computernutzens in der Schule wieder einmal bestätigt: In der FAZ v. 9. 4. wirft der Graphik-Designer Prof. Dr. Rolf Lankau von der Hochschule Offenburg der Bildungspolitik vor, sich zum Büttel der IT-Industrie zu machen, weil sie die Möglichkeiten von Computern in der Pädagogik überschätze.

Lankau sieht eine neue Digital Divide, eine Spaltung der Gesellschaft: Im Elite-Internat Salem werde der Gebrauch digitaler Geräte eingeschränkt. An der Elite-Hochschule MIT würden Master-Zertifikate nicht an Außenstehende, die Onlinekurse absolviert hätten, vergeben. Master könne nur werden, wer in der Gemeinschaft auf dem Campus lerne. Die Bundesregierung dagegen wolle noch mehr „digitale Bildung“, was immer das auch sei, von der Grundschule an. Soziale Unterschiede würden auf eine neue, unerwartete Art in allen Altersstufen und Bildungseinrichtungen verstetigt, schreibt Prof. Lankau

Mehr von Prof. Lankau: Über MOOC: Das Lernen verlernen

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