Zurück von der Leipziger Buchmesse

Die LAG Schulbibliotheken hatte einige Jahre während der Messe jeweils eine Veranstaltung im Congresscentrum Leipzig gemacht. Uns war aufgefallen, dass die großen Player im Leseförder- und Schulbibliotheksbereich sich vornehm zurückhielten. Das konnten wir natürlich nicht lange durchhalten. Dann verlangte die Messegesellschaft auch noch Miete für den Veranstaltungsraum. Zuletzt stellten wir das Buch „Die Schulbibliothek im Zentrum“ vor. Ich fand die Messe sehr viel sympathischer als die Businessmesse in Frankfurt. Das ist ja Allgemeinplatz bei ihrer Beurteilung: Sie ist  überschaubarer, publikumsfreundlicher, es gibt unzählige Lesungen, nicht zuletzt in der gesamten Stadt. Jetzt war ich wieder einmal da. Den Lärmpegel in der großen Halle, dem Aquarium, habe ich früher besser vertragen. Wie immer bestand die Hälfte der Besucher aus Schulklassen. Bei den Cosplay-Darstellerinnen gilt das Motto: „Je weniger die Figur geeignet ist, desto knapper das Kostüm“. Die diversen Preisverleihungen und Shortlists sind Medienveranstaltungen, die man bequemer vom Wohnzimmersessel aus verfolgen kann oder man liest im Feuilleton, was Journalisten, die alle Tage in Leipzig anwesend sein können, als Highlights schildern. Vom Schwerpunktthema „Israel“ habe ich fast nichts mitbekommen, aber auch nicht besonders danach gesucht. Ich stand plötzlich in einer ansonsten leeren Ecke vor einer Wand mit lieblos ausgestellten israelischen Karikaturen und irgendwo hatte eine Schülerin ein Israel-Winkelement in der Hand. Aber: Amazon war mit einem großen Stand vertreten!!! Gab es den DKP-Stand schon immer? Überhaupt, die Linken: Am Stand der Bundeszentrale für politische Bildung erklärte gerade ein Pensionär mit einem Beutel der „Jungen Welt“ in der Hand einer freundlich dreinschauenden Standhostess die Weltlage. Am Stand des „Leipziger Links-Theaters“ (Oder so ähnlich) hörte ich im Vorbeigehen den Redner auf den Neoliberalismus schimpfen, in einem voll besetzten Forum ein paar Meter weiter durfte die frühere Vorzeigefrau der PDS, Angela Marquardt, ihr Buch vorstellen. Frau Marquardt hat im Alter von 15 bis 18 als IM bis 1989 Berichte über Mitschüler für die Stasi geschrieben und will erst nach der Revolution davon gehört haben, dass es die Stasi gab. Jetzt ist sie in der SPD und Geschäftsführerin einer Gruppe von Abgeordneten von Grünen, SPD und Linkspartei, die für 2017 eine Linksregierung planen. Der irgendwie marxistische Philosoph Slavoj Zizek, eine Art Roger Willemsen der linksextremen Philosophen – nicht ganz so gut aussehend – hat gleich zwei Bücher auf den Markt geworfen und sieht in der liberalen Demokratie die Wurzel allen Übels, d. h. sie wäre ein Extremismus, der den Islamismus erst hervorgerufen hätte. Er will sie aber durch eine linke Revolution retten. Was er über Afghanistan oder die Weimarer Republik verbreitet, würde mir Kopfschmerzen verursachen, wenn ich ihm länger zuhören müsste. Die Islamisten fielen aber in Afghanistan nicht wegen der liberalen Demokratie ein, sondern als dort moskautreue Kommunisten regierten, die von russischen Panzern geschützt wurden. Hat er nie davon gehört? Die Nazis wären an die Macht gekommen, weil die Linken vorher nicht die Macht ergriffen und die liberale Demokratie gerettet hätten. Sie kamen aber an die Macht, weil nicht zuletzt die Kommunisten die junge Weimarer Demokratie nach Kräften destabilisierten, u. a. auch mit bewaffneten Aufständen. Frau Dr. Rosa Luxemburg hielt den Parlamentarismus für eine Geisteskrankheit. Die Vorstellung, dass Menschen wie sie die liberale Demokratie retten sollten, fällt schwer. Aber ich bin ja auch kein Philosoph. Die islamistische Ideologie entstand, als die beiden Ideologien Faschismus und Kommunismus ihren Siegeszug antraten, in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Wer dicke Bücher schreibt und gerne in Lesungen witzig formuliert, hat halt keine Zeit, sich richtig zu informieren. (Hier ein paar Gedanken von Zizek. Da er zu allem etwas sagen kann, gibt es auch durchaus Sinnvolles, etwa die Sexualisierung, die der Islam mit sich bringt) Vorteilhaft: Man ist schneller durch die Hallen als in Frankfurt. Wenn ich von den fünf Ausstellungshallen alles abziehe, was mich weniger interessiert, z. B. die Manga/Comic-Halle, die beiden großen Verkaufsbuchhandlungen, der Stand der Arbeitsagentur, die Flächen für die Ausbildungs- und Studiengänge des Buchhandels, die vielen Cafés und Imbissstände, die Freiflächen, dann bleiben netto wohl nur zwei Hallenflächen übrig. So bleibt Zeit, nach Leipzig hineinzufahren. Das lohnt sich immer! Gelohnt hat sich auch meine Unterhaltung mit dem ehemaligen Journalisten und jetzigen Buchautor Dr. Uwe Siemon-Netto, der seine Erfahrungen als Korrespondent im Vietnamkrieg aufgeschrieben hat: „Duc, der Deutsche“. Seine Sicht auf diesen Krieg unterscheidet sich sehr von dem, was wir zu wissen glauben und was in unseren Geschichtsbüchern steht. Wenn das alles stimmt, was er schreibt, muss man sich schämen, damals gegen die USA und für den Vietcong demonstriert zu haben.

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2 Gedanken zu „Zurück von der Leipziger Buchmesse

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