Lehrerumfragen

Mir fällt gerade ein Spiegel-Online-Bericht über eine weltweite Lehrerumfrage in die Hand. (Wenn man Internet-Surfen so umschreiben darf.) Darin schneiden deutsche Lehrer grottenschlecht ab.

Wie immer gibt es andere Umfragen, in denen ein anderes Lehrer-Ranking mit besseren Lehrernoten zustande gekommen ist. In dem o.a. Bericht wird darauf auch hingewiesen. Es kommt halt darauf an, was und wie gefragt wird. Allensbach fragt alle paar Jahre nach dem Ansehen verschiedener Berufe. Da rangieren Lehrer, vor allem Grundschullehrer, ziemlich weit oben. In der o.a. Umfrage schneiden wiederum deutsche Grundschullehrer besonders schlecht ab.

Unerreicht ist wohl m. E. das Ansehen der Lehrer in Japan. (Was in der o.a. Studie nicht aufscheint.) Florian Coulmas in „Die Deutschen schreien“ (Reinbek 2001) beschreibt das anschaulich. Seine Kinder erlebten beide Schulsysteme, das japanische und das deutsche. Andererseits kann ich mich nicht an positive Äußerungen von US-Amerikanern über die staatlichen Lehrer erinnern. Allenfalls, dass man mit Schülern menschlicher umginge als deutsche Gymnasiallehrer. Das Wort „Schülermaterial“ gibt es im Amerikanischen nicht.

Dass Schule insgesamt in Deutschland kein hohes Ansehen genießt, ergeben auch andere Umfragen. Dass es zutrifft, kann ich ohne Umfrage auf Grund meiner Berufspraxis bestätigen. Kaum ein Elternabend, kaum ein Elterngespräch ohne Klagen und Schuldzuweisungen, am krassesten die Väter von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund. Egal ob die Sprösslinge Lehrerinnen begrapschten oder die Reifen von Lehrerautos zerstachen, es waren die Lehrer, die entweder zu lasch waren oder Rassisten, die Papas Liebling nicht mochten. Und wenn die Lehrer den Vater anflehten, die Tochter nicht ein Jahr vor dem Hauptschulabschluss von der Schule zu nehmen, er machte es doch und verheiratete sie mit seinem Freund in der Türkei. Aber eben nicht nur Migranten waren Schul- und Lehrerhasser.

Noch heute, ein Jahrzehnt später, fasse ich es kaum, wie liebevoll und dankbar die Tochter einer Hongkonger Schulbibliothekarin sich einmal an den Unterricht in ihrer Schule, (allerdings) eine exklusive Privatschule, erinnerte.

In Deutschland gehört Lehrerbashing anscheinend zum guten Ton. Voran gingen Politiker wie Steinbrück und Gerhard Schröder. Letzterer findet Putin gut, zu Lehrern fiel ihm nur „faule Säcke“ ein. Auch die Mehrzahl der Bildungswissenschaftler/-innen interessiert sich mehr für Umfragen über digitale Lehrerkompetenzen, Vorurteile bei der Notengebung oder die angebliche Benachteiligung von Mädchen als für die Verbesserung der Lehrerausbildung. Im Verein mit Politiker/-innen, die an Schul- und Lehrplanreformen herumbasteln und Kultusministerien, in denen Karrierist/-innen autonome und selbstständige Schulen kreieren, damit sie ihre Ruhe haben, bereiten sie den Boden für ein erstarkendes Privatschulwesen. Das müssen sie dann, wie das rot-rote Brandenburg es tut, durch Zuschusskürzungen wieder bändigen.

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