Lob für schwedische Schulbibliotheken im dbv-Verbandsblatt

Darf man sich freuen? In Buch und Bibliothek 11/2014 steht der Bericht „Die Bibliothek, das bin ich! / Integration in den Schulbetrieb statt Konzentration auf Fläche und Bestand – Spannender Einblick in schwedische Schulbibliotheken von Angelika Holderried, Ingrid Lange-Bohaumilitzky, Birgit Lücke und Hanke Sühl. Das Lob auf die schwedischen Schulbibliotheken überrrascht. Ich kenne einige wenige schwedische Schulbibliotheken. Sie sind weit über deutschem Niveau. Insgesamt aber ließ das schwedische Schulbibliothekswesen durchaus Wünsche offen. Das änderte sich erst vor drei Jahren, als die Schulbibliotheken ins schwedische Schulgesetz aufgenommen wurden und jedem Schüler der Zugang zu einer Schulbibliothek ermöglicht werden muss. Zuvor standen sie schon im schwedischen Bibliotheksgesetz, was aber wenig Beachtung fand. Basedow1764 hatte 2011 darüber berichtet.

Spielen wir ein wenig „Kreml-Astrologie“ (Rätselraten von Beobachtern über Kursänderungen im Kreml während der Zeit des ehemaligen Kalten Krieges). Ist da eine Gruppe von reformorientierten Bibliothekarinnen am Werk, die über das dbv-Verbandsblatt für frische Luft im Verein sorgen? Oder singt man das Lob der Schulbibliotheken, ohne die strukturellen Unterschiede zu erkennen? Am schlimmsten wäre, man kennte sie, liesse sie aber unter den Tisch fallen.

Die LAG macht in Hessen seit über 20 Jahren konkrete Formulierungsvorschläge für Schulbibliotheksparagraphen im Hessischen Schulgesetz. Stattdessen lädt man uns zur Anhörung beim Bibliotheksgesetz ein. (Darüber steht schon genug im Blog.) Alle, mit denen wir reden, Ministerium, Fraktionen, dbv, Städte- und Landkreitag, sind zufrieden, so wie es ist. Der dbv überzieht die Bundesländer mit den Kooperationsverträgen „Bibliothek und Schule“. Zuschüsse der Länder zu Schulbibliotheken gibt es nur im Rahmen dieser Verträge, und zwar für die kooperierende öffentliche Bibliothek, zumindest in Hessen und Bayern läuft das so.

Hoffen wir, dass der Artikel im Verbandsblatt Vorbote eines Umdenkens unter den Verbandsfunktionären herbeiführt. Dass der dbv mit seinem einflussreichen Netzwerk den Landesregierungen nicht mehr nur Lehrerabordnungen zu Staats- und Landesbibliotheken bewirkt, und sich so erfolgreich, wie er das bisher für Bibliotheksgesetze und Kooperationsverträge getan hat, sich zukünftig für schulinterne Bibliotheken, für Regelungen in Schulgesetzen, für eine staatliche (Anteils-)Finanzierung des Schulbibliothekswesens einsetzt.

Bei der LAG hätte man das seit 25 Jahren lesen können. Wenn nun eine Reise nach Schweden die Wende bringt, soll uns das auch recht sein. Dann könnten wir hessischen Asterixe endlich die Hände in den Schoß legen und sagen: „Es ist vollbracht.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s