Wissenschaft als Mittel der Politik

Für die Einschätzung von empirischer Sozialforschung ist Informationskompetenz unabdingbar. Wenn man Studien evaluiert, erlebt man sein blaues Wunder. So ging es mir bei Studien des Meinungsforschungsinstituts der Volkssolidarität, einem Sozialverband in Ostdeutschland, der jahrelang verkündete, dass es mit dem Osten bergab gehe. Nach der Revolution, wohlgemerkt! Ähnlich war es bei den Panels eines Dresdner Medizinsoziologen, bei denen mit wachsender Zustimmung herauskam, dass in der DDR fast alles besser war. Der Professor befragte im Auftrag einer Gewerkschaft zehn Jahre lang regelmäßig Menschen, die beim Untergang der DDR in der 10. Klasse POS waren.

Man muss aufpassen. Wenn Herr Piketty einen anderen Zeitraum für seine Aufsehen erregende Studie über den extraordinär wachsenden Reichtum der Reichen gewählt hätte, wäre etwas anderes herausgekommen. Pierre Bourdieu hat eine Theorie der sozialen Schichten, früher sagte man Klassentheorie, entworfen, die sich auf eine Befragung stützt, die frei von wissenschaftlichen Gütekriterien ist. Der Wissenschftsblog „Science Files“ weist unaufhörlich nach, wie fragwürdig Untersuchungsergebnisse sind, die dann von den Medien mit der Schlagzeile „Neueste Studien haben ergeben, dass …“ hinausposaunt werden. Wofür zahle ich eigentlich Rundfunksteuer und mein MAZ-Abonnement, wenn ich dann doch alles selbst nachprüfen muss?

Ein neues Beispiel: Das Betreuungsgeld gilt den Anhängern von Kitas als Teufelszeug. Kitas trügen zur Migrantenintegration und zur Sprachentwicklung bei, sie seien eine gesellschaftlich notwendige Bildungseinrichtung für das Alter 0 bis 3 Jahre.

Die Bundesbildungsfamilienministerin Manuela Schwesig ist gegen das Betreuungsgeld. Sie beauftragt das von ihrem Haus beaufsichtigte und finanziell abhängige Deutsche Jugendinstitut mit einer Umfrage, die das gewünschte Ergebnis liefert: sozial Schwache und Migranten wollen Geld statt Kita. So geht das einen Tag lang alle 30 Minuten durch die Medien

Dann stellt sich heraus, da wurden Zahlen falsch addiert, Alternativen, die man hätte ankreuzen wollen, warum man sein Kind nicht in die Kita geben will, gab es nicht. Und: Die Umfrage wurde vor Einführung des Betreuungsgeldes durchgeführt! (nach FAZ v. 30.7.14; Respekt!)

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Ein Gedanke zu „Wissenschaft als Mittel der Politik

  1. Hebel

    Falsche Reaktionen zum Betreuungsgeld: Die Daten zur Studie sind vor der Einführung des Betreuungsgeldes erhoben worden und außerdem sind -wie erwähnt- aufgrund fehlerhafter Berechnung zu hohe Prozentwerte angegeben.
    Ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben zu erwartender erhöhter Stresshormonausschüttung infolge „learned helpnessless“ und Wachstumshormonmangel infolge reduziertem Langsamen-Wellen-Schlaf in der Krippe) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung zu befürchten. Mangelnde primäre (besonders 0 – 1,5 Jahre) frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung. [Auch Migrantenkinder müssen das basale Denken in der jeweiligen Muttersprache beginnen zu lernen].
    (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5 – 6 Jahren (Gründe: Zunahme Krippe/Tagesmütter: 2006 ca. 14%, bereits 2010: 23%;; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).
    Warum heißt es Muttersprache und nicht Vatersprache?
    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014, ISBN 978-3-9814303-9-4]

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