Präsentationsprüfungen und Schulbibliothek

Für die fortgeschrittenere Schulbibliotheksfraktion sind Präsentationsprüfungen ein wichtiges Argument. Die Präsentationsprüfung ist Ersatz für oder Teil einer mündlichen Prüfung. Der Kandidat bzw. die Gruppe stellen ein Thema mit medialer Unterstützung  dar, also mit Beamer und Powerpoint oder dessen noch bunteren Alternativen Emaze oder Prezi.

In einer medial gut sortierten und technisch entsprechend ausgestatteten Einrichtung kann man die Präsentation erarbeiten und die Prüfung durchführen, besser als im Klassen- oder Filmraum, im Arzt- oder Elternsprechzimmer.

Wenn die Gruppenpräsentationsprüfung gemeint ist, die in Hessen zur Abschlussprüfung der Mittelstufe gehört, trifft das voll und ganz zu.

Sie wird überwiegend in den Bibliotheksräumen erarbeitet. (Mehr Gruppenräume wären hilfreich.) Auch die Kooperation in der Gruppe wird bewertet. Ich habe großartige Präsentationen gesehen und Schüler erlebt, die über sich selbst hinausgewachsen sind. In den Lehrplankonferenzen plädierte ich dafür, in der Mittelstufe mehr projektorientierten Unterricht durchzuführen. Trotz anderslautender Beschlüsse war die Gruppenpräsentation in der Abschlussprüfung für manchen Schüler das erste Projekt in seiner Schullaufbahn. Die Realisierung projektorientierten Unterrichts erfordert einen gewissen bürokratischen Aufwand – zeitliche und inhaltliche Absprachen zwischen den Lehrern – und wenn sich ein Jahrgang oder ein einzelner Kollege/eine einzelne Kollegin nicht daran hielt, konnte man nicht viel ausrichten.

Inzwischen gibt es in vielen Bundesländern Präsentationsprüfungen, die die mündliche Abiturprüfung ersetzen oder ergänzen. Dazu braucht man nicht unbedingt eine Schulbibliothek. Der Schüler hat bis zu vier Wochen Zeit. Es läuft ab wie bei den häuslichen Referaten. Da wusste man auch nie, ob man jetzt Vater, Mutter, Nachhilfelehrer oder eine Internetplattform benotet oder gar ein Referat erhielt, das von der Freundin in einer anderen Schule schon einmal verwendet worden war. Die Lehrer müssen kompetenzorientiert beurteilen, d. h. die überfachlichen Präsentationskompetenzen – Blickkontakt, Sprechtempo, Visualisierung, Medieneinsatz – gewinnen die Oberhand über das fachliche Wissen. Konnte man bei nicht selbst erarbeiteten Referaten noch erkennen, dass der Referent/die Referentin das Thema überhaupt nicht durchdrungen hatte, ist das beim Präsentieren von exzellenten Folien sehr viel schlechter möglich. Wahrscheinlich wird es in Kürze eine Folienerkennungssoftware geben müssen, damit das Prüfungskomitee nicht einem Schüler, der in Chemie das ganze Jahr eher „Underperformer“ war, für die Folien eines Nobelpreisträgers eine Eins gibt.

Der Biologiedidaktiker Hans-Peter Klein sagt den bösen Satz: „Schüler/innen wissen immer weniger, das aber und sich selbst könnten sie immer souveräner präsentieren.

Die FAZ v. 17.7.14 widmet gleich drei Artikel den immer besseren deutschen Abiturnoten, der mündlichen Präsentationsprüfung und den Problemen französischer Hochschulen mit einer Abiturquote, die sich 80% nähert.
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2 Gedanken zu „Präsentationsprüfungen und Schulbibliothek

  1. Basedow1764 Autor

    Ich habe es an mir selbst gemerkt, als ich im Geschichtsunterricht Powerpointkurse einbaute. Für eine Prüfungskommission sind gut gestaltete Folien mit Bild, Text und gar noch Ton noch verführerischer, weil die Mitglieder vom Inhalt in der Regel keine Ahnung haben (müssen). Und dann eben noch die Beurteilungskriterien, die so viel Wert auf die Darstellung legen.

    Antwort
  2. E. Handel

    Ich habe kürzlich durch die Mittlere-Reife-Prüfungen meines Neffen mitbekommen, dass Präsentationskompetenzen inzwischen tatsächlich abgeprüft werden. Aus dem, was er mir erzählt hat, war eindeutig feststellbar, dass es ausschließlich (!) um die Präsentationskompetenzen ging und keineswegs um den Inhalt. Anders sind Themen wie „Die Farbe Rot“ kaum zu erklären.
    Ich finde das ehrlich gesagt bedenklich. Eine gute Präsentation macht mir als Zuhörer auch Spaß, aber wenn ich den Eindruck habe, dass der Referent gut im Präsentieren ist, aber inhaltlich keine Kompetenz besitzt, dann fühle ich mich eher getäuscht. Reine Präsentationskompetenzen sind meiner Ansicht nach Blenderkompetenzen. Und ich möchte eigentlich nicht, dass die Fähigkeit zum Blenden in einer Abschlussprüfung geprüft wird.

    Antwort

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