Wird schreiben wichtiger als lesen?

Im Buch „Die Schulbibliothek im Zentrum“ räume ich dem „Kreativen Schreiben“ einen Platz in der Schulbibliothek ein. Es habe keinen besseren Ort in der Schule. Meine US-Lieblings-Schulbibliothekarin Buffy Hamilton konstatiert jetzt, dass das Schreiben dabei sei, das Lesen als wichtige Kulturtechnik (literacy) zu überholen. Die öffentlichen, wissenschaftlichen und Schulbibliotheken müssten sich darauf einstellen und ihre Konzepte ändern.

Das wirkt nur auf den ersten Blick übertrieben, denn was sie meint, ist längst im Gange: Schreiben steht für im weitesten Sinn aktiv, kreativ und kommunikativ zu lernen. US-amerikanische Projekte wie das National Writing Project oder Youmedia sind Beispiele. Im digitalen Kontext wird so viel geschrieben wie noch nie – Blogs, Tweets und andere sog. Social Media, Mails, Self-Publishing von E-Books -, in der Schule wird mehr als früher Wert auf (Schreib-)Techniken des Exzerpierens, Zusammenfassens, Berichtens und Präsentierens gelegt als früher. Man sollte die klassischen Aufsatzarten nicht gering schätzen: Inhaltsangabe, Précis, Schilderung, Besinnungsaufsatz, Facharbeit. Die Portfolio-Idee gehört dazu. In der Berufswelt ist die Kommunikation mit anderen wichtig, dazu gehört, sich in verschiedensten, auch schriftlichen Formen mitzuteilen.

So übertrieben wie am Anfang halte ich ihre Darstellung am Ende nicht mehr. Vielleicht kommt heraus, dass wir bald von Lese- und Schreibzentren statt von Schulbibliotheken sprechen werden. Ich hätte nichts dagegen.

Buffy Hamilton, The Rise of Writing Literacies, Implications for Libraries
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3 Gedanken zu „Wird schreiben wichtiger als lesen?

  1. SalvaVenia

    Kann mich nicht anschließen. Ohne gelesen zu haben, könnte auch niemand etwas schreiben. Abgesehen davon wird hier m.E. wieder in Richtung unmündiger Mensch verlagert. Das, was erarbeitet wurde und nur in Form von Büchern zu finden ist, soll im Bewußtsein gar nicht mehr vorhanden sein. Typisch Vereinigte Staaten.

    Antwort
    1. Basedow1764 Autor

      Ich finde ja, dass die Überschrift arg zugespitzt ist. Man kann beides nicht gegeneinander ausspielen.

      Mir imponiert allerdings Buffy Hamiltons Weg, die Bedeutung der Schulbibliothek konkret werden zu lassen: Durch Schreibprojekte, seien sie wissenschaftlich-propädeutischer Art oder Lyrik-Workshops.
      Jedenfalls ist das anregender als die in den USA vorherrschende Lobbyarbeit der Verbände (Advocacy, Ten reasons why the school library is …)

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