Schulbibliothek der FES Schwalbach wird 30

Der Architekt hatte in seine Bauzeichnung „Bibliothek“ geschrieben. Aber er kannte die ungünstige Gesetzeslage wohl nicht. Es war ein ungenutzter Riesenraum neben dem Lehrerzimmer, abgeteilt durch eine Reihe von Schränken. In der einen Hälfte lagen Stapel ausgemusterter oder nie benutzter Klassensätze von Arbeits- und Übungsheften. Leere, halb zusammengefallene Blechregale beherbergten verstaubte Kartons (Grundgesetz, Informationen zur politischen Bildung, Broschüren der Arbeitämter), teilweise noch in Folie verpackt. Die andere Hälfte war ein sogenannter Stillarbeitsraum, in der eine Klasse lehrerzimmernah „geparkt“ wurde, wenn der Lehrer fehlte. Beide Raumhälften lagen die größte Zeit des Tages im Halbdunkel. (Ist das heute noch vorstellbar: Mitten in der Schule, hinter Glasfronten, ein Hinterhof, einsehbar für Eltern und Lehrkräfte, die tagaus, tagein mehrmals daran vorbeigingen?)

Die allmähliche Entrümpelung kostete mich ein Jahr, dann ging die Hälfte mit den Regalen als Schulbibliothek in Betrieb, „abgeschirmt“ gegen lärmende Schüler im „Stillarbeitsraum“ durch die Schränke. Es sollte Jahre dauern, bis diese durch Fertigbau-Wandelemente ersetzt wurden, die obere Hälfte aus Glas. (Wozu es eines zähen Ringens bedurfte, weil das teurer als eine undurchsichtige Blechwand war.) Auch die Tür in dieser Wand – eine Verbindung zum Lehrerzimmer! – fiel uns nicht in den Schoß.

Dann gab es die Asbestsanierung der Schule. Danach besaß die Bibliothek zwei Nebenräume. (Und ich fürchtete eine Erkrankung, weil die Arbeiter in der Bibliothek mit Schutzanzügen und -helmen herumgalaufen waren.jahrelang und ich jahrelang ohne.)

Das städtische Bauamt entwarf mit uns zusammen eine geschickte Lösung für eine kombinierte Stadtteil- und Schulbibliothek, unter Einbeziehung des großen Lesesaals und eines ungenutzten Schulhofteils. Die Stadtbüchereileiterin wollte aber nicht in die Schule, obwohl sie sehr beengt im Rathaus untergebracht war und die Schule gleich am Rand des Stadtteilzentrums lag..

So wie sie vorher am Hinterhof vorbeigegangen waren, gingen die meisten Lehrer die nächsten Jahre an der hell erleuchteten Schulbibliothek vorbei. Es bedurfte zäher Kleinarbeit, bis sie im Bewusstsein wenigstens der Hälfte des Kollegiums verankert war. Mancher Kollege wurde von seinen Schülern aufgefordert, doch mit ihnen in die Bibliothek zu gehen.

Das Kultusministerium gewährte zwei Jahre lang Anrechnungsstunden für einen Modellversuch „Unterricht in der Bibliothek“. Es entstand ein dicker roter Ordner mit Unterrichtsvorschlägen für den Lernort Bibliothek. (Er wurde in Schleswig-Holstein und in Südtirol fotokopiert!)

Der neu gegründete Verein „Schulen ans Netz“ stellte uns einen Computer zur Verfügung. Die nächsten, vom Landkreis gekauften vier Rechner wurden nach dem Tag der offenen Tür, wo wir sie stolz präsentierten, gestohlen.

Wir bekamen eine ABM-Kraft, die unsere Bücher binnen eines Jahres in das Programm Bibliotheca eingab. Als sich Hessen für LITTERA entschied, nachdem Bibliotheca auf Anfragen der Findungskommission nicht reagiert hatte, bekam ich ein Problem. Eine Konvertierung der Daten war nicht möglich. Eine weitere, großartige ABM-Kraft erfasste die Bücher erneut und danach ließ sich ein „Mütterteam“ für LITTERA schulen und hielt den Katalog up to date.

Aus der Elternschaft konnten Mütter gewonnen werden, die zum Teil noch mitarbeiteten, wenn die Kinder schon berufstätig waren oder einen Doktortitel erarbeitet hatten.

Das „Bibliotheksrätsel“ wurde erfunden und der „Weihnachtswunschzettel“.

Dem Stadtparlament schlugen wir ein Projekt „Schwalbach liest los!“ vor, aus dem dann 15 Jahre lang auch Lesungen in Schulen finanziert wurden und eine Pädagogin, die in der ganzen Stadt, aber auch in den Schulen, Leseförderung betrieb.

Einer der ersten Hessischen Schulbibliothekstage fand in Schwalbach statt und ein paar Jahre später haben wir uns erneut „geopfert“. Inzwischen gibt es genügend Bewerber für den Tag.

Nachdem ich die Schule verlassen hatte, wurde die Bibliothek erfolgreich von Heidemarie Bächreiner-Vogt weitergeführt. Sie unterrichtete ganze Jahrgänge darin, wie man richtig zitiert und Quellen notiert. Für die rote Mappe stellte sie komplette Einheiten für Bibliotheksunterricht in Deutsch und Biologie zur Verfügung. Nach ihrer Pensionierung wird die Bibliothek jetzt von Stephanie Fuchs und Simone Grund geführt. Und immer unterstützt von einem Elternteam.

Mehr Details zur Geschichte der FES-Bibliothek: Projektwoche aus Anlass der 25- Jahrfeier.

Noch mehr Details

Schade, dass der Jubiläumstermin nicht auf der Terminliste in der Schul-Homepage steht.

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