Sexuelle Vielfalt im Unterricht

Das Thema hat durchaus mit Schulbibliothek zu tun. Ich erinnere mich daran, dass wir ständig Sexualkundebücher nachkaufen mussten, weil sie geklaut wurden. Ein evidenz-basierter Nachweis des Nutzens der Schulbibliothek!

In einem Arbeitspapier der baden-württembergischen Kultusbürokratie werden die fächerübergreifenden Leitprinzipien beschrieben:

  • Berufliche Orientierung
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Medienbildung
  • Prävention und
  • Verbraucherbildung

Tabellarisch wird jeweils benannt, was davon in welchen Fächern und Jahrgangsstufen durchgenommen werden soll. Das ist an sich schon ziemlich anspruchsvoll. Es gibt ja noch für jedes Fach Kompetenzpläne, die die Lehrer befolgen müssen und die zunehmend Grundlage kompetenzorientierter Tests bis hin zum Abitur werden. Jetzt muss man zusätzlich den Band mit den Leitprinzipien daneben legen, damit man sie nicht vergisst. Und sie haben es in sich. Da ist von „Systemkompetenz“ die Rede, von „Bewertungskompetenz“. Der Lehrer muss die Schüler zu „Biografiearbeit“ anleiten und sie befähigen, sich an der „Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung (zu) beteiligen“. Das „Leitprinzip“ Medienbildung umfasst allein die informationstechnische Grundbildung, Informationskompetenzvermittlung und Medienproduktion. Da täte die Staatsregierung gut daran, die Schulzeit zu verlängern. Das ist aber noch nicht alles.

Nach den seitenlangen Matrizen zu jedem Leitprinzip (Kompetenzen/mögliche Inhalte/Fächer u. Altersstufen) kommt noch etwas:  Jedes Leitprinzip ist unter dem Gesichtspunkt sexueller Vielfalt zu behandeln: die Verbraucherbildung, die  Medienbildung, die Bildung für nachhaltige Entwicklung usw. Unterrichtet werden muss dann u. a. dies: „Schülerinnen und Schüler kennen die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit LSBTTI“ – Menschen und reflektieren die Begegnungen in einer sich wandelnden, globalisierten Welt.

  • klassische Familien, Regenbogenfamilien, Single, Paarbeziehung, Patchworkfamilien, Ein-Eltern-Familien, Großfamilien, Wahlfamilien ohne verwandtschaftliche Bande;
  • schwule, lesbische, transgender und soweit bekannt intersexuelle Kultur (Musik, Bildende Kunst, Literatur, Filmschaffen, Theater und neue Medien) und Begegnungsstätten (soziale Netzwerke, Vereine, politische Gruppen, Parteien) (S. 12)
  • Schülerinnen und Schüler haben einen vorurteilsfreien Umgang mit der eigenen und anderen sexuellen Identitäten. (S. 9)
(Zeichensetzung gem. Original)

Was LSBTTI ist, wird im Glossar erklärt. Im Gegensatz zu allen anderen Abkürzungen wird es fett hervorgehoben: lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell. Das sind die Lobbygruppen, die ihr Programm in das ministerielle Papier schreiben ließen. In der Presse ist übrigens von  LSBTTIQ, q wie queer,  die Rede. Im baden-württembergischen Lehrerfortbildungsinstitut kann man aber wohl Englisch und hat erkannt, dass letzteres ein weiteres Wort für homosexuell ist, überwiegend für die männliche Form.

Nach Sozialpädagogik-Prof. Uwe Sielert geht es darum die vorherrschende Dominanz der Kernfamilie (Vater, Mutter, leibliches Kind) zu „entnaturalisieren.“ Für ihn ist das „Dominanzkultur“.

Das Kultusministerium wiegelt zwar ab, der Anteil der „sexuellen Vielfalt“ am Arbeitspapier werde überschätzt. Das sehe ich nach der Lektüre anders. Die armen Kollegen im Südweststaat, sie müssen sich jetzt kundig machen: schwule, lesbische, transgender und soweit bekannt intersexuelle Kultur (Musik, Bildende Kunst, Literatur, Filmschaffen, Theater und neue Medien (Schulbibliothek!). Eine Liste der Begegnungsstätten werden sie sicher vom baden-württembergischen Bildungsserver downloaden können. Wissen über die Wissenschaft vom Gender Mainstreaming (ebenfalls Unterrichtsgegenstand) könnten sie in der Schulbibliothek erwerben oder einschlägige Uni-Professorinnen bilden die Lehrkräfte fort).

M. E. ist die Liste sexueller Vielfältigkeiten unvollständig. Aber das soll hier nicht vertieft werden. Die anderen haben sicher auch Lobbygruppen und wissen das Antidiskriminierungsgesetz hinter sich.

Konstruktive Personalgespräche beim Schulleiter wird es geben: „Herr Kollege, ich habe festgestellt, dass Ihre Schülerinnen und Schüler noch keinen vorurteilsfreien Umgang mit der eigenen und anderen sexuellen Identitäten haben. Wir vereinbaren, dass Sie daran in den nächsten Monaten verstärkt arbeiten. Die Kultusbehörden werden bei der Lehrer/-inneneinstellung auf Quoten für LSBTTIQ achten müssen. Vor allem aber dürfte es köstliche Schulstunden geben: „Können sie uns mal erklären, wie die das machen mit dem Sex?“

Nachtrag: Science Files analysiert Broschüren der GEW Baden-Württembergs.

Kostproben aus diesem Heft (Vertiefende Fragen für das Unterrichtsgespräch):
“Was wäre wenn … deine Mutter dir erzählte, dass sie lesbisch ist?” Was wäre wenn … deine lesbische Tante dir erzählte, dass sie schwanger ist? Was wäre wenn … dein Vater dir erzählte, dass er schwul ist?” “Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch so unterschiedlich sind?”
Die GEW würde sogar Fragebögen eine sexuelle Orientierung zuschreiben. Aus einem sog. „heterosexuellen Fragebogen“ zitiert Science Files:
“Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?”
In einer weiteren Gender-Broschüre der GEW gibt es unterrichtspraktische Tipps: Man solle im Geschichtsunterricht einfließen lassen, dass Friedrich II. schwul war.

Der Faden lässt sich unschwer weiterspinnen: Wenn die sexuelle Orientierung immer berücksichtigt werden muss, werden Geschichtstests dann immer dies enthalten müssen: Napoleon war a) schwul, b) heterosexuell c) bi ?

Nachtrag 22.2.14: Der Bonner Strafrechtsprofessor Christian Hillgruber plädiert für den Schutz einer neuen Minderheit. Nachdem die Gleichstellung und Gleichberechtigung Homosexueller politisch und juristisch im Westen erfolgreich war, wird jetzt auch verfolgt, wer Homosexualität nicht für normal und gut hält und positiv bewertet. Er gibt Beispiele, dass Gerichte inzwischen homophobe Meinungsäußerungen als diskriminierend verfolgen.

Er ist der Auffassung, dass es das gute Recht Homosexueller sei, ihre Homosexualität zu leben. Sie könnten aber nicht verlangen, dass auch alle anderen ihre Lebensweise positiv bewerten oder sich einer Wertung enthalten. Sie müssten es sich gefallen lassen, dass ihr Lebensstil auch negativ bewertet wird. Das behindere sie nicht in ihren Freiheitsrechten. Freiheit aber sei immer auch die Freiheit der Andersdenkenden. (FAZ 21.2.14)

Update 24.4.15: Die Grünen in Baden-Württemberg sind eine sichere Bank für das Netzwerk der Schwulen, Lesben, Bi- und Homosexuellen, Transgender-Personen, transsexuellen und intersexuellen Menschen.

Während der Bildungsplan des Kultusministeriums dank der öffentlichen Kritik und der Zusicherung des Ministerpräsidenten Kretschmann, dass Ehe und Familie heterosexueller Partner auch in den Schulbüchern erwähnt werden sollen, aus der Schusslinie geraten ist, fasst die sozialdemokratische Sozialministerin nach. Sie hat einen Aktionsplan für die Gleichstellung von LSBTTIQ-Menschen veröffentlicht, der deren Forderungen enthält, etwa eine Medienüberwachung zwecks Erkennung transphober und homophober Berichterstattung, Einrichtung von LSBTTIQ-Jugendzentren oder Archivierung von LSBTTIQ-Literatur. Das meiste hat die Ministerin inzwischen streichen lassen.

Der restliche Aktionsplan soll bis zum Sommer von der Landesregierung beschlossen werden. Auf der Wunschliste der Grünen steht noch „der/die Diversitybeauftragte in jeder Kommune, der oder die über die Gewährleistung sexueller Vielfalt in seinem oder ihrem Einsatzgebiet zu wachen hat.

 

 

2 Gedanken zu „Sexuelle Vielfalt im Unterricht

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