Meine Lektüren der letzten Zeit

Vor allem für den Urlaub Ende November hatte ich mir einiges auf den Kindle geladen:

Hanif Kureishi, The Buddha of Suburbia. Wahrscheinlich ausgewählt, weil er bei Amazon so viele Sterne hatte. Etwa wie „Mein wunderbarer Waschsalon“, nur noch verrückter. Am Schluss habe ich die Umblättern-Taste im Sekundentakt gedrückt.

Monika Maron, Zwischenspiel. Ich mag ihren Stil und habe fast alles von ihr gelesen.

Yoram Kaniuk, 1948. Kaniuk kannte ich bisher als Jugendbuchautor. Er schreibt sich hier seine schlimmen Erlebnisse aus dem Unabhängigkeitskrieg 1947/48 von der Seele, als die Armeen der arabischen Nachbarstaaten die jüdischen Siedler in Palästina angriffen. Er entzaubert die israelischen Mythen von diesem Krieg und erzählt von jungen Leuten, die ohne militärische Ausbildung und Bewaffnung kämpfen mussten und von ihren Vorgesetzten manchmal auch im Kampf allein gelassen wurden.

Analog gelesen wegen der Fotos: Vivian Rheinheimer (Hrsg.), Herbert M. Gutmann. Bankier in Berlin. Bauherr in Potsdam. Der jüdische Direktor der Dresdner Bank baut sich eine spektakuläre Villa in Potsdamer Ia-Lage, die Nazis zwingen ihn zum Verkauf und er geht nach England. Die DDR behält das enteignete Anwesen. In den letzten Tagen der DDR bemächtigen sich Hausbesetzer des Gebäudes und wohnen es noch mehr herunter, als es schon ist. Die jüdischen Erben lassen sie nicht auf das Gelände, die Stadt Potsdam belegt die ausgesperrten Besitzer mit Bußgeldern, weil sie das verrottende Anwesen nicht sichern. Die in der DDR zuständige Denkmalpflegerin kaufte 1983 einen Teil des Grundstücks und baut ein Häuschen darauf. Potsdamer Richter weisen nach der „Wende“ eine Klage der Erben dagegen zurück.

In Potsdam gibt es die Gegenwart aller Zeiten!

Christopher Clark, The Sleepwalkers/Die Schlafwandler. Eine unglaubliche fünfjährige Forschungsarbeit des britischen Historikers. Er rekonstruiert minutiös die Vorgänge in den Regierungen der europäischen Mächte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Überall gab es Kriegs- und Friedensparteien. Das Bild vom „Hineinschlittern“, das der britische Außenminister Grey geprägt hat, ist so falsch nicht.

Bei einem Gespräch mit Militärhistorikern wurde Clark hart angegangen. Ob ihm nicht weltweit vorgeworfen würde, das Buch sei deutschfreundlich? Nein, sagt er, nur in Deutschland höre er das.

Yu Ha, China in zehn Wörtern. Eine Einführung. Der Schriftsteller erklärt anhand von zehn Schlüsselbegriffen wie Lesen, Schreiben, Revolution, Gebirgsdorf oder Unterschied die Volksrepublik. Was ihm gelingt. Das Buch ist unterhaltsam und zugleich höchst informativ, in China ist es verboten.

Jetzt warte ich darauf, dass meine Frau das Goethe-Buch von Rüdiger Safranski beendet.

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