Leitfaden zum Umgang mit elektronischen Medien

Die Landesmedienanstalt NRW gibt zwei Broschüren/pdf-Dateien heraus, die als Ratgeber in Sachen Umgang mit elektronischen Medien gedacht sind. Einmal in Langform (136 Seiten), einmal kurz (8 Seiten). Im Untertitel der Kurzfassung heißt es „Informationen finden, bewerten, weitergeben“.

Mit meiner „didaktischen Schere“ im Kopf dachte ich zuerst natürlich an Unterricht: Wie ich mit schlechtem Gewissen einem Schüler den Auftrag gebe, doch mal bis Donnerstag zu klären, wer Thomas Müntzer war oder einer Gruppe den Auftrag, bis nächste Woche eine Wandzeitung, pardon, ein Lernplakat, mit den Merkmalen der mittelalterlichen Stadt zu präsentieren, oder einer Schülerin sage, sie solle sich in der Schulbibliothek einmal das Buch über die Jeansproduktion in der DDR geben lassen. Mit schlechtem Gewissen, weil ich die Referenzrahmen, Bildungsstandards, sowie Theorien und Modelle der Vermittlung der Informationskompetenz (IK) im Kopf habe: Den eigenen Informationsbedarf erkennen, Informationen und ihre Lieferanten evaluieren usw. Werde ich denen gerecht bei meinen Rechercheaufgaben? Habe ich überhaupt als Lehrer Kompetenzen, habe ich meine Schüler/-innen gegebenenfalls von Informationsexpert/-innen (in der Stadtbibliothek) schulen lassen?
Nichts da! In diesen Broschüren geht es nicht um defizitäre Lehrer und laienhaftes Suchen im Unterricht. Die Broschüren wenden sich an jedermann. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis macht es deutlich:
  • Nutzung von Suchmaschinen
  • Tracking-Cookies und personalisierte Werbung
  • Schutz vor Schadsoftware
  • Schutz vor betrügerischem Verhalten im Internet
  • Versicherungen und Finanzdienstleistungen, Produktsuche, Reiseplanung, Gesundheitsinformationen, rechtliche Informationen,  Erfahrungsberichte in Internet-Foren u. a.

So heißt die Kurzfassung auch: Informationskompetenz im Alltag. Dieses alltagsorientierte Verständnis von IK überzeugt mich: Es geht alle Internetnutzer an und  ist klar eingegrenzt auf Internettechnologie. Mir leuchtet jetzt ein, warum das auch Medenkompetenz oder media literacy genannt werden kann. Es geht in erster Linie um den kompetenten Umgang mit Angeboten des Internets.

Dies ist, soviel ich weiß, ein eher in Europa als in den USA herrschendes Verständnis von Informationskompetenz. Eine von EU-Experten geprägte Definition lautet so:

„The ability to access, analyse and evaluate the power of images, sounds and messages which we are now being confronted with on a daily basis and are an important part of our contemporary culture, as well as to communicate competently in media available on a personal basis. Media literacy relates to all media, including television and film, radio and recorded music, print media, the Internet and other new digital communication technologies.“

Aus: http://www.mediawijzer.net/wp-content/uploads/rapport_media_onderwijs_EU.pdf  (Danke an Helen Boelens für den Hinweis)

Zwar werden „print media“ vereinnahmt, aber doch sehr am Rande.

Diese EU-Sicht von IK/media literacy sieht den Nutzer eher passiv. Auch die KMK-Medienrichtlinien pflegen dieses Bild. Mir fehlt die Handlungsorientierung dabei, der produktive, kreative Umgang mit den digitalen Medien.

Die Broschüren können auch im Unterricht mit Gewinn eingesetzt werden. Und werden mir nicht den Spaß an spontanen, kleinen Rechercheaufträgen verderben

(Hinweis auf die Broschüren bei digithek )
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