Der rbb und facebook

Facebook (FB) ist umstritten. Es gibt immer wieder Aufregung über den nachlässigen Datenschutz und dessen weitere Lockerungen. Es gab Selbstmorde wegen Mobbings auf Facebookseiten und weil ein Mädchen sein Facebook-Foto plötzlich in der Anzeige eines Dating-Dienstes auf Facebook fand. Medienpädagogen verfassen Ratgeber-Flyer für Eltern und Schüler/-innen. Lehrkräfte sollen Unterrichtszeit verwenden, um für die Gefahren der Social Media zu sensibilisieren. Ein US-Schulbezirk überwacht die Facebookseiten von 14.000 Schüler/-innen, um so Selbstmordabsichten und Drogengebrauch auf die Spur zu kommen. Ein deutsches Kultusministerium verbietet Lehrern auf Facebook Kontakte zu Schüler/-innen zu unterhalten. (Es wurden z. B. Klassenfahrten auf FB verabredet.)

Statt zu verbieten oder anzuordnen hätten die Kultusminister/-innen dafür sorgen sollen, dass den Schulen Lernplattformen zur Verfügung gestellt werden. Aber wo wären deutsche Kultusministerien schon einmal innovativ gewesen?

Dann erlebe ich – vor dem Fernseher sitzend -, dass der rbb in der abendlichen Regional-Nachrichtensendung für seinen Facebook-Auftritt wirbt. Es fehlen noch ein paar Hundert Freund/-innen bis die Zahl 5.000 erreicht ist! Auf Leute, drückt den Button! Es wird auch aufgefordert, schöne Landschaftsfotos auf die rbb-Facebookseite zu stellen. Facebook-Kommentare tauchen inzwischen in jeder aktuellen Sendung auf.

Nun gibt das milliardenschwere Duopol ARD/ZDF schon Millionen für Dutzende eigener Portale aus, aber nicht dort soll man kommentieren, liken und posten, sondern auf Facebook. Man muss halt die Leute dort abholen, wo sie sind.

FB ist eine Aktiengesellschaft, die ihr Geld mit Werbung verdient. Sie ist mehr wert als die großen deutschen Aktiengesellschaften, obwohl sie keine Werte schafft, keine Fabrikanlagen besitzt, keine Autos, Werkzeugmaschinen oder Flugzeuge baut. Was sie so wertvoll macht, ist ihr Besitz an Informationen über eine Milliarde Nutzer/-innen. Da wird die NSA neidisch. Die Nutzung von FB ist kostenlos, aber der Satz „Du bezahlst mit deinen Daten“ sollte sich herumgesprochen haben.

Wenn in einer TV-Produktion „Fleurop“ erwähnt wird oder eine Flasche „Hohes C“ auf dem Tisch steht und der Kommissar einen Oberklasse-Mercedes als Dienstwagen fährt, gibt es Schleichwerbungs-Abmahnungen. Wenn der Quasi-Monopolist ARD Werbung für den Quasimonopolisten Facebook macht, scheint das o.k. zu sein.

Wenn ich es zu Ende denke: Wozu brauchen wir diese beiden Medienkonzerne ARD und ZDF (plus Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Deutsche Welle) mit 31 TV-Kanälen und über 80 Rundfunksendern? – Der neue Jugendkanal ist noch nicht mitgezählt! Mit einem üppigen Internetauftritt, der den Zeitungsverlagen die Tränen in die Augen treibt, weil durch eine Zwangsabgabe finanziert. Mit Werbung Tag und Nacht, weil die neun Milliarden „Demokratieabgabe“ nicht reichen. (Und dennoch wird beim Korrespondentennetz, etwa in Lateinamerika, gespart.)

Mir reichten, um dem Bildungs- und Informationsauftrag nachzukommen, einige wenige Kultur- und Nachrichtensender.

Wie man hört, ist Facebook gar nicht mehr in bei den jungen Leuten, sondern Twitter und WhatsApp. Liebe ARD, nichts wie hinterher!

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