Informationskompetenz geht auch ohne Schulbibliothek

Auf der Suche nach Informationen über die Vermittlung von Informationskompetenz in der Schule lande ich bei dieser Magisterarbeit „Informationskompetenz im Schulalltag. Das Internet als Lern- und Rechercheinstrument“ von Victoria Schubert, Wien 2010.

(Gesucht habe ich übrigens nicht mit Google, sondern im Fachportal zu Medien- und Informationskompetenz, das über 100.000 Literaturnachweise enthält. Als informationskompetenter Zeitgenosse verfügt man halt über Alternativen zu Google. Das Portal liefert vier Treffer zum Stichwort Schulbibliothek. Zwei davon betreffen Hochschulbibliotheken. Die beiden hätte ich in der erweiterten Suche sicher auch noch ausschließen können.)

Aus dem Abstract:

„Im Unterricht wird das Internet vor allem in Nebenfächern eingesetzt, die Nutzung erfolgt eher unregelmäßig und ist vom jeweiligen Lehrerkörper abhängig. Informationskompetenz wird tendenziell nur im Ansatz vermittelt. Auffallend ist, dass die Schulbibliothek von den Schülern kaum genutzt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass die Informationskompetenz bei den Schüler/innen zu einem gewissen Maß vorhanden ist, sie aber besser geschult werden sollte. Vor allem auf Lehrerseite müsste eine einheitliche Vermittlung von Informationskompetenz stattfinden, die Rolle der Schulbibliothek als Vermittler von Suchstrategien sollte gestärkt werden.“

Interviewt wurden 11 Schüler/-innen und der Informatiklehrer.

Was man schon immer geahnt hat, aus Besichtigungen oder eigener Praxis weiß, hat man jetzt schriftlich:

  • Wir gehen mit jedem Fach ab und zu mal in den Informatiksaal, also wir waren schon mit Deutsch, […] mit Musik, mit Geografie waren wir auch schon im EDV-Saal. Also es kommt immer drauf an, auf die Lehrer.
  • Na, ich geb eigentlich alles mal bei Google ein und schau was rauskommt. Das heißt ich hab keine besonderen Seiten, wo ich da jetzt raufschau. Also einfach schaun mal was rauskommt.
  •  ..wenn jetzt der Auftrag ist,  dass (.) ich 20 Minuten Referat halten soll, dann werd ich solang suchen, bis ich eine Zusammenfassung hab, die 20 Minuten dauert.
  • Die Schulbibliothek? Nein, eigentlich nie. Nein, nein, nein, nie. Alleine weil ́s umständlich ist. Man kommt allein nicht in die Bibliothek teilweise rein. Man muss zu gewissen Zeiten dort sein, zu denen ma blöderweise immer Unterricht ist, in den Pausen ist meisten niemand da. Also, es ist nicht gerade das Optimale.
  •  Wie soll ich sagen, es ist nicht so wie in den ganzen Filmen, wo man sagt, ja, ich setzt mich noch in die Bibliothek und schau das nach. Es wissen viele nicht einmal, dass wir eine haben. Also (.) ich weiß nicht, ich war auch sonst nie in einer Bibliothek, also die Bücher die ich brauch, die hab ich zuhause…
  •  Ja, es ist eigentlich komisch. Google und Wikipedia dominieren den Suchbeginn
  • Die meisten glauben nicht, dass man tatsächlich bewerten kann, ob Informationen im Internet richtig oder falsch sind, es sei denn, man verfügt über Vorwissen zu einem Thema

Die Autorin selbst:

  • Die für den informationskompetenten Schüler wichtige Vermittlung von rechtlichen Grundsätzen bei der Verwendung von Informationen findet … statt.
  • Die von ALA aufgestellten Kriterien der effektiven und effizienten Auswahl von Quellen und deren kritischen Beurteilung werden … nicht geschult.
  • Nach Aussagen der Schüler gibt es von Lehrern immer wieder Hinweise zu hilfreichen Webseiten bzw. wird auch die Qualitätsfrage von Wikipedia diskutiert.
  • (Forschungsdesiderat:) … müssten mehrere Lehrer aus unterschiedlichen Fächern zur Vermittlung von Informationskompetenz befragt werden. So könnte festgestellt werden, ob und welche Inhalte rund um die richtige Suche und Bearbeitung von Information gelehrt werden.
Rechtschreibung nach dem Original, Anführungszeichen weggelassen; GS

Die Antwort auf die Frage, was denn die Alternativen zu Google und Wikipedia wären, bleibt sehr vage. Die Feststellung, die Autoren von Webseiten würden von den Schülern nicht evaluiert, führt nicht weiter. Wie sollen 13- oder 16jährige die Güte von Webseiten evaluieren?

Der letzte Satz der Magisterarbeit: „Auch der Einbezug von Bibliothekskatalogen, etwa jenem der Städtischen Büchereien, wäre dazu wichtig.“

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