Der Osten überholt den Westen

Wenn Erich Honecker das noch erlebt hätte! (Wenigstens seiner Frau, der Volksbildungsministerin, ist es vergönnt.)

Der Ländervergleichstest 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften besagt, dass alle ostdeutschen Bundesländer zur Spitzengruppe gehören. Nur Bayern könne noch mithalten.

Wie kommt´s?

Vertreter unserer politischen und wissenschaftlichen Elite glauben es zu wissen: PISA-Wissenschaftler Prof. Dr. Hans Anand Pant vom IQB, Frau Bundesministerin Prof. Dr. Wanka und die brandenburgische Bildungsministerin Dr. Martina Münch erklären unisono: Das Erbe der DDR macht´s: Die solide Lehrerausbildung und die Betonung der MINT-Fächer.

Warum hat das so lange gedauert, bis die angebliche Überlegenheit des DDR-Schulsystems erkannt wurde? 13 Jahre lang waren die ostdeutschen Länder bei den Schulleistungsmessungen nicht Spitzenreiter. Sachsen hatte sich allerdings allmählich nach vorn gearbeitet.

Wenn die Behauptung von Anand und Wanka stimmt, hätten die ostdeutschen Bundesländer doch von Anfang an Spitzenreiter sein müssen und es hätte auch in früheren  Vergleichstests keine Unterschiede zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen geben dürfen. auch Berlin ist eine interessante Rechenaufgabe: Wenn die Hypothese von der Erstklassigkeit der DDR-Lehrer stimmte, müssten die Ostberliner Spitze sein, die Westberliner traditionell auf den unteren Plätzen. Dann müsste nach Adam Riese für Berlin ein Mittelplatz herauskommen. Ist er aber nicht! Das wiedervereinigte Berlin liegt in toto zurück. Wahrscheinlich haben die „westlichen Sieger“ das hervorragende Ostberliner Schulsystem plattgemacht.

Vor zwei Jahren, beim Vergleich der Mathematikleistungen von Viertklässlern, lagen MeckPomm und Brandenburg am oder deutlich unter dem deutschen Mittelwert, Sachsen und Sachsen-Anhalt weit darüber. Wie das? Gab es Qualitätsunterschiede in der DDR-Lehrerausbildung?

Frau Münch hätte dagegen unschwer darauf verweisen können, dass Brandenburg Anstrengungen unternommen habe und jetzt die pädagogische Ernte einfährt: Begabungsklassen, kompetenzorientierter Unterricht, mehr Stunden für die MINT-Fächer, Vergleichsarbeiten, verstärkte Lehrerfortbildung. War das alles gar nicht nötig?

Bisher übten sich die PISA-Wissenschaftler/-innen in Bescheidenheit: Wir messen nur, wir können nicht erklären, warum es so ist, sagten sie bisher. Das hat sich scheinbar geändert. Manfred Prenzel, der derzeitige PISA-Leiter sagt: „Über die regionalen Leistungsdifferenzen liegen keine empirisch gesicherten Erkenntnisse vor. Prof. Dr. Pant weiß dagegen offenbar, wie es zu den guten östlichen Messwerten kommt. Was er nicht erklären kann: Warum die Stadtstaaten weiterhin schlecht abschneiden. Vielleicht sollte man die gut ausgebildeten DDR-Lehrkräfte nach Bremen und Hamburg schicken.

  • Siehe frühere Beiträge im Blog, u. a. hier.

Nachtrag 1: Gibt es eine Untersuchung über das – gefühlt abnehmende – Niveau der Aufgaben? Gibt es eine Erklärung dafür, warum Bundesländer von einem Test zum anderen von hinteren Plätzen auf vordere Plätze wechseln und umgekehrt?

Nachtrag 2: Im Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, der breiter angelegt ist, auch die berufliche und tertiäre Ausbildung betrachtet, bleiben Berlin und Brandenburg auf den untersten Plätzen, MeckPomm und Sachsen-Anhalt stehen im Mittelfeld des Rankings, Sachsen und Thüringen mit Bayern und Baden-Württemberg ganz oben.

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