Ist die Bibliotheksleiterin eine pädagogische Fachkraft?

Nach meiner Erinnerung wurden in Rheinland-Pfalz einmal die Schulbibliotheksleiter/-innen in den Gymnasien im Zuge einer Oberstufenreform („Mainzer Studienstufe“) als pädagogische Fachkräfte vom Land bezahlt. Wenn man diesem Zeitungsartikel glauben darf, gibt es das noch, aber eben nicht für alle Schulformen und in abnehmendem Umfang. Vielfach finanzieren die Schulträger die Stellen. In diesem Artikel geht der kommunale Schuldezernent davon aus, dass das Land die Stelle einer Bibliotheksleiterin in einem Koblenzer Gymnasium zahlt. Die Schulbibliothek wird jetzt geschlossen, da weder Stadt (die es bisher tat) noch Land die Kosten der Leiterstelle übernehmen wollen.

Das rheinland-pfälzische Schulgesetz bestimmt, dass das Land auch die Kosten für pädagogische und technische Fachkräfte übernimmt, also für Personal, das die Lehrkräfte beim Unterrichten unterstützt. In Ganztagsschulen kommt noch das „sonstige pädagogische Personal“ hinzu (§74 SchG). Da gibt es Auslegungsspielräume. Die Regelung ist weitergehender als in anderen Bundesländer, in denen das Land nur die Kosten der Lehrkräfte zahlt.

NRW hatte oder hat noch pädagogische Assistenten, die das Land bezahlt. In Hessen waren die Schulträger durch Verordnung gezwungen worden, technische Assistenten zu bezahlen, genannt wurde als Beispiel auch der Einsatz in der Schulbibliothek. Die Schulträger haben über Jahre hinweg diese Verordnung „abgewickelt“.

Fachkräfte im Sinne des Schulgesetzes in RPF sind für das Ministerium vor allem die Erzieher/-innen in Förderschulen bzw. inkludierenden Schulen.

Die rheinland-pfälzische GEW bekämpft diese Fachkräfte, da das Land damit Lehrerstellen einspare. Die pädagogischen Fachkräfte würden selbst unterrichten und nicht nur assistieren.

Für die Schulbibliotheken bietet die Regelung des rheinland-pfälzischen Schulgesetzes wenig Hoffnung. In RPF wie im Rest der Republik besteht politischer Konsens, dass die Tätigkeit in der Schulbibliothek nichts mit Pädagogik zu tun hätte, also keine Landeszuständigkeit gegeben wäre. Die fatale deutsche Zuordnung der Schulbibliotheken zum öffentlichen Bibliothekswesen und nicht zum Schulwesen tut ihre Wirkung.

Kleines bezeichnendes Schmankerl am Rande: Die Landesarbeitsgemeinschaft wurde nicht zur Anhörung wegen der Novellierung des hessischen Schulgesetzes eingeladen. Die die Anhörung organisierende Schbulausschussvorsitzende konnte sich wohl nicht vorstellen, was die LAG Schulbibliotheken bei einem schulpolitischen Thema zu suchen hatte. Statt dessen durften wir an der Anhörung zu einem Bibliotheksgesetz teilnehmen und saßen zwischen Archivaren, Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliothekaren. Das Wort Schulbibliothek ist im dann entstandenen Hessischen Bibliotheksgesetz ein paar Mal unsubstantiiert eingestreut worden. (Womit es zum Tenor des ganzen Gesetzes ausgezeichnet passt.) Ich habe das HesBiblG es an anderer Stelle im Blog kommentiert.
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