Nur noch Professorinnen in Potsdam?

Die Uni Potsdam war bisher damit aufgefallen, dass dort schon einmal ein Auge zugedrückt wurde bei einer plagiierten Doktorarbeit und der Titel nicht aberkannt wurde.

Jetzt gibt es wieder etwas zu berichten: In der Geschäftsordnung der Uni Potsdam (und in der Satzung der Uni Leipzig) gibt es nur noch Professorinnen, keine Professoren mehr.

Die Sprecherin (in diesem Fall auch biologisch zutreffend) der Uni Potsdam versteht die Aufregung nicht. Es handele sich doch nur um ein Stück Papier. Dann stellt sich aber die Sinnfrage: War´s das oder ist das der Anfang vom Ende des jahrtausendealten Patriarchats? Was bietet sich noch an? Ganz sicher das Schulwesen, vielleicht auch die Bundeswehr als Leuchtturmprojekt?

Update 12.7.13: Der Sprachwissenschaftler Hans-Martin Gauger hat zum Thema in der FAZ vom 10.7. geschrieben: Die männliche Form werde wie in vielen Sprachen auch im Deutschen als Gattungsbegriff gebraucht, nicht nur also, um das Geschlecht zu bezeichnen: „Lehrer werden schlecht bezahlt“ oder „Die Zahl der Radfahrer nimmt zu“. Damit sind sowohl Männer als auch Frauen in der jeweiligen gemeint. Die Bezeichnung weiblicher Exemplare der Gattung werden durch das Suffix und meist auch durch Gebrauch des Artikels bezeichnet: die Lehrerin, die Französin.

Die romanischen Sprachen seien ungleich männersprachlicher (Indirekt disqualifiziert er damit das Buch der feministischen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch mit dem Titel: „Das Deutsche als Männersprache“.)

Im Spanischen stünden die Väter für die Eltern, die Brüder für die Geschwister, König und Königin seien „los reyes“. Das Deutsche und das Russische unterschieden Mensch und Mann. Im Englischen und Französischen sei das nicht der Fall, da würde die männlich Form (man, homme) auch für die Gattung gebraucht.

Gauger wünscht sich für die deutsche Sprachwissenschaft einen Text wie den des Spaniers Ignacio Bosque. Bosque frage, mit welchem Recht der sexistische Charakter der Wörter behauptet werde und damit diejenigen diskriminiert würden, die sie verwenden. Die spanischen Sprachwissenschaftler haben den Text unterschrieben und bleiben damit dabei, dass der generische Charakter der männlichen Form eines Wortes in den meisten Sprachen fest verankert sei und es keinen Grund gäbe, ihn zurückzuweisen.

Irgendwo habe ich gelesen, dass feministische deutsche Sprachwissenschaftlerinnen schon längst aufgerufen haben, auch den Angelsachsen beizubringen, dass es Autorinnen und Autoren gebe, und nicht nur Autoren, wie bisher üblich und auch von den allermeisten Autorinnen akzeptiert. Wenn im Englischen ausdrücklich von einer Autorin gesprochen wird, hat das einen leicht diskriminierenden Beigeschmack.
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