In der Schulbibliothek das Lernen verändern: Mehr Gruppenarbeit

Auf dem erwähnten kolumbianischen Schulbibliothekskongress konnte ich Prof. David Loertscher hören. Er hat den Begriff von den Schulbibliotheken als Learning Commons geprägt. (Wohl nicht als einziger.) Er und seine Professorenkolleg/-innen propagieren die moderne Schulbibliothek als Lern- und Kommunikationsort. Ihren Student/-innen bringen sie bei, sich nicht nur als Manager/-innen des Buchbestandes und der Ausleihe zu verstehen, sondern zusammen mit den Fachlehrern als Moderatoren der Lernprozesse, die in der Schulbibliothek stattfinden.

Sie steigen dabei tief in die Planung von Unterricht ein. Teacher-Librarians sollen wissen, wie man Unterricht plant, wie Schüler/-innen lernen, wie man Unterrichtstechnologie einsetzt. In der so verstandenen Schulbibliothek sind schülerorientierte Lernmethoden an der Tagesordnung, kein frontales Lehren (Top-Down-Learning), sondern Lernen von und mit den Mitschüler/-innen (Networked Learning).

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Inhalte und Methoden (Knowledge und Skills) zusammengehören und Skills nicht auf Vorrat, sondern „just in time“ gelernt werden. Soweit sind längst noch nicht alle Fans von Informationskomptenzvermittlung.

Prof. Loertscher ist Mitarbeiter im Google Knowledge Center, für das er verschiedene Instructional Designs entworfen hat, Schablonen für Lernverfahren. Sie sollen das vernetzte Lernen ermöglichen.

Er erklärt seine Lieblingsform: Schüler arbeiten arbeitsteilig in Gruppen an verschiedenen Aspekten eines Themas (Sein Beispiel: Schutz vor Katastrophen – Vulkanausbruch, Überschwemmung, Feuer …) Darauf folgt eine nächste Stufe der Gruppenarbeit, jetzt arbeitsgleich: In den neuen Gruppen sitzt jeweils die Experten der vorhergehenden Gruppen zusammen, d. h. in jeder Gruppe sind jetzt alle Katastrophen vertreten, und die Gruppenmitglieder informieren sich gegenseitig, sodass am Schluss alle Experten für Katastrophenschutz jeglicher Art sind.

Das Verfahren kenne ich, ich habe es 1974 in meiner Examenslehrprobe angewandt. (Sogar noch etwas anspruchsvoller, weil durch den Vergleich der arbeitsteilig untersuchten Teilthemen in den neuen Gruppen eine Gemeinsamkeit herausgefunden werden sollte.) Das Verfahren hieß damals nicht Instructional Design, ob das Kind überhaupt einen Namen hatte, weiß ich nicht mehr, meine Examenslehrprobe finde ich nicht mehr.) Die Form ist nicht ganz unaufwändig, hat also etwas von „Feiertagsdidaktik“, wie Hilpert Meyer sagen würde. Ich habe sie in meinem Berufsleben außer im Examen auch nur noch zweimal angewandt.

Wäre das nicht großartig, wenn es gelänge, im Lernort Schulbibliothek innovative Lernformen einzuführen und mehr Gruppenarbeit zu ermöglichen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s