Gefangen in Teufelskreisen

so lautet ein Kommentar zum Themenschwerpunkt „Schulbibliothek“ im Verbandsblatt „Buch und Bibliothek“ des Vereins BIB – Berufsverband Information Bibliothek e. V.

Ich verfolge die Schulbibliotheksentwicklung seit ca. 40 Jahren. Jetzt stelle ich mit Schmunzeln fest, dass zum ersten Mal von Bibliothekaren selbstkritische Bemerkungen zu lesen sind. Da ist die Rede von Teufelskreisen (Aber wer kreist?), von verpassten Chancen. Man fragt sich auch, warum so wenig Schulbibliotheken die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek suchen, man fragt sich, ob es richtig ist, die Schuld immer bei den Lehrern zu suchen, wenn eine (städtische) Schulbibliothek nicht intensiv genutzt wird.

Spannend! (Wen es interessiert.)

Das lässt für die nächsten 40 Jahre auf mehr Realismus hoffen. Durchgängig für alle Beiträge gilt das noch nicht. Die Auffassung, dass das Wichtigste an Schulbibliotheken die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken ist, scheint noch durch.

Man macht sich auch Hoffnungen für Schulbibliotheken durch die KMK-Empfehlungen zur Medienbildung (Wieso das denn?) und über das 7. oder ist es das 17. vom BMBF finanzierte mehrjährige wissenschaftliche Sprach-, Lese- usw. -kompetenzforschungsprojekt BISS (Wetten, dass nichts daraus hervorgeht!)

Ganz alte Schule ist der Artikel über die „fruchtbare Zusammenarbeit“ der öffentlichen Bibliothekare mit Pädagogen in Hessen. In Hessen gilt es wohl, die Altlasten abzuräumen, die aus der kooperationslosen Zeit vor 2004 stammen. In jenem Jahr wurden die beiden regionalen Fachstellen zusammengelegt und sechs Personalstellen gestrichen. Dafür bekam die neue Landesfachstelle eine Zuständigkeit für Schulbibliotheken und der Kultusstaatssekretär gab dem Wissenschaftsstaatssekretär ein klein wenig mehr als eine volle Lehrerstelle aus seinem Etat für die Landesfachstelle. Die Landesfachstelle hat inzwischen die Schulbibliotheken in Hessen gezählt und man wartet dort gespannt auf eine Dissertation, die die „Bedeutung (von Schulbibliotheken) für die Bildung“ herausarbeiten soll.

Mit Altlasten ist vor allem gemeint: Dass 1.500 der 2.000 Schulen die Bibliothekssoftware LITTERA benutzen, wird von den Bibliotheksvertretern auch in diesem Heft verschwiegen. Die bundesweit beispielhafte Landeslizenz-Lösung mit LITTERA wird von der Landesfachstelle nicht gemocht. Die „Kooperationspartner“ würden lieber sehen, wenn man dem Beispiel des Lahn-Dill-Kreises folgte, wo das von Bibliothekaren preisgekrönte Netzwerk IMeNS Schulen auch schon mal Geld und Personal gegeben hat, wenn sie von LITTERA auf bibliotheca umstiegen. (Es gab deswegen ein bisschen Ärger. Inzwischen tun sie das nicht mehr, auch die LITTERA-Schulen des Landkreises kriegen ein bisschen ab.) Man kann sich unschwer vorstellen, was sein wird, wenn die Bibliotheksvertreter keine Rücksicht mehr auf „das breite Netzwerk“ der Kooperationspartner nehmen müssen. Im breiten Netzwerk ist man jetzt schon im wesentlichen unter sich, sieht man von dem ebenfalls ungeliebten, weil beim Kultusministerium angesiedelten „Projektbüro Schulbibliotheken und Leseförderung“ und dem Asterix „LAG Schulbibliotheken“ ab.

Man kann nur hoffen, dass das hessische Beispiel keine Schule macht, wenn es mit dem deutschen Schulbibliothekswesen in den nächsten 40 Jahren ein wenig vorangehen soll.

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