Die Ambivalenz der Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule

Es ist ermüdend, ständig darüber zu schreiben. Aber was bleibt einem übrig, wenn die Ansicht, dass mit der Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule das Problem Schulbibliothek gelöst sei, gebetsmühlenhaft erklingt.

Gerade hat die hessische Kultusministerin in einer Landtagsanfrage wie ihre Vorgänger auf die Kooperation verwiesen. Ein CDU-Landtagsabgeordneter erklärt der LAG, dass das Kultusministerium mit der dbv-Kooperationsvereinbarung die Schulbibliotheken fördere und das Land sogar freiwillig, weil unzuständig, mehr tue.

Im 4. Workshop der Leipziger Stadtverwaltung zu einem Schulbibliothekskonzept wird dieser Tage – glücklicherweise eher am Rande – von einer sächsischen Landtagsabgeordneten darauf hingewiesen, dass ihrer Meinung nach Schulbibliotheken nur in Staaten verbreitet sind, in denen es kein nennenswertes öB-wesen gäbe.

Da ich in dieser Runde gebeten worden war, einen kurzen Abriss des Schulbibliothekswesens in Deutschland zu geben und von Modellen der Schulbibliotheksentwicklung in den Bundesländern zu berichten, erwähnte ich  das Gutachten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung von 1973.

Den Kommunen ging es mit diesem Gutachten eben um dies: Verwaltungsvereinfachung. Schulbibliotheken und öffentliche Bibliotheken sollten zusammengebracht werden. Alles in einer Hand, Kostendämpfung, Einsparung, Synergieeffekte, Vermeiden von Doppelstrukturen.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Irrungen und Wirrungen im (west-)deutschen Schulbibliothekswesen.

Ohne nationalistisch zu werden, darf hier die Warnung des Südtiroler Bibliotheksverbandes vor der Schaffung von Doppelstrukturen durch den Ausbau des Schulbibliothekswesens erwähnt werden. Oder die in NRW auf Tagungen des Projekts „Regionale Bildungspartnerschaft“- zum Glück vorübergehend – propagierte Losung, auf Schulbibliotheken zu verzichten, wenn eine Stadtbibliothek erreichbar sei. Oder der hessische Bürgermeister, der der Sekundarstufenschule eine halbe Stelle spendierte und so aus der Schulbibliothek auch eine Stadtbibliothek machen konnte, ohne dass die Stadt sich weiter darum kümmern musste.

Man muss genau hinhören, wenn Politiker/-innen von Kombination, Kooperation oder Vermeidung von Doppelstrukturen usw. reden. Es geht ihnen darum, Geld zu sparen!

Die Funktionäre der Bibliotheksverbände erringen Pyrrhussiege. Sie bemerken es gerade bei den Bibliotheksgesetzen. Die bringen keine Verbesserung bei der Finanzierung.

Die Hoffnung, dass die Festlegung einer Zuständigkeit für die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz oder die Federführung beim Thema Kooperation von Bibliothek und Schulen den öffentlichen Büchereien mehr Geld brächte, erweist sich als Fehlspekulation. Die Festlegung verhindert allerdings eine eigenständige Schulbibliotheksentwicklung. Bildungspolitik und Schulverwaltung verweisen jetzt (gerne) auf die Zuständigkeit der öB.

Ein kleines Beispiel für die Irrungen und Wirrungen: Das hessische Kultusministerium hat relativ stabil über 20 Jahre hinweg eine halbe Lehrstelle für Schulbibliotheksberatung eingesetzt (Arbeitsbereich Schulbibliotheken, später Projektbüro genannt), dann spendiert das Ministerium der Landesbüchereifachstelle, die gerade geschrumpft worden war, zwei halbe Lehrerstellen für ähnliche(?) Aufgaben. So sieht Entwicklung aus!

Mehr als eine Stadtbibliotheksleiterin hat mir gesagt, dass sie fürchtet bzw. die Erfahrung gemacht hat, dass die finanzielle Unterstützung von Schulbibliotheken durch den Schulträger auf Kosten des Etats der öffentlichen Bibliothek geschieht.

Das Prinzip der kommunizierenden Röhren als Wahrzeichen der Schulbibliotheksentwicklung.

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