Wissens-basiertes statt kompetenzorientiertes Curriculum

In Groß-Britannien gibt es eine erregte Diskussion über die Politik des konservativen Erziehungsministers Michael Gove. Er hatte gefordert, dass den Schülern wieder mehr Wissen beigebracht werde anstelle von Kompetenzen und Skills. Das derzeitige National Curriculum hat er untersuchen lassen und 2011 eine Kommission berufen, unter deren Leitung ein neues ausgearbeitet wird. Es soll gleichwohl vor allem eine Verschlankung des vorhandenen werden.

Gove bemängelte u. a., dass 15 Jahre alte chinesische Schüler den britischen im Stoff um zwei Jahre voraus seien, dass in Erdkunde nur ein einziges Land vorkomme, nämlich das Vereinigte Königreich und in Geschichte nur zwei Namen von Persönlichkeiten auftauchten. Es bleibe ansonsten den Lehrern überlassen, welchen Stoff sie unterrichteten.

Möglich, dass uns in Deutschland diese Diskussion ebenfalls bevorsteht. Im Blog verfolge ich das seit einiger Zeit, siehe die Beiträge zu „Kompetenzorientierung„.

In der englischen Debatte hält man sich an altbekannten Geländern fest: Die Wissensverfechter stünden politisch rechts. Dagegen wird ins Feld geführt, dass gerade die Arbeiterbewegung erkannt hätte, dass Wissen Macht sei.

Die Erziehungswissenschaft kann nichts Wesentliches dazu beisteuern, ein Professor betont, dass man beides brauche, das Wissen und die Kompetenz es anzuwenden. Er erklärt das mit dem Satz des Pythagoras.

Historiker wiederum bemängeln, dass (auch) die neuen Stoffpläne britannienzentriert seien und wichtige weltgeschichtliche Entwicklungen wegfielen. Anglisten bemängeln, dass Studenten bisher zwar in Rechtschreibung ganz passabel seien, die Literaturkenntnis sich aber auf einen oder zwei zeitgenössische Autoren beschränke. Sie machen sich Hoffnung auf Besserung.

Die gemeinnützige Stiftung Pimlico Academy eröffnet im Herbst, nach mehrjähriger Vorbereitung eine Grundschule, deren Curriculum auf Wissenserwerb aufbaut.

Was mir schon vorab gefällt: Auf der Pimlico-Startseite wird erwähnt, dass es auch eine Bibliothek geben wird. (Bei mir um die Ecke hat die Stadt Potsdam einen beeindruckenden Grundschulcampus gebaut, mit großer Sporthalle, Mensa, Spielgeräten im Hof und Lehrerparkplatz. Der Bibliotheksraum war im Entwurf zunächst vergessen worden und wurde nachträglich eingefügt. Die jetzt ehrenamtlich darin tätig werden wollenden Eltern würden sich über mehr Willkommenskultur freuen.)

Ich danke Herrn Rau für die meisten dieser Links:

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