Jugendliche und Zeitungen, Meinungsumfragen und kostenloses Internet

Vor vier Monaten hatte ich auf eine Studie des Medienforschungsverbundes Südwest hingewiesen, die zum Ergebnis hatte, dass 43% der befragten Jugendlichen mindestens einmal in der Woche Zeitung läsen. Jetzt zweifle ich ein Ergebnis einer anderen Studie an, die herausgefunden haben will, dass nur noch ein Drittel Zeitung läsen. Auch wenn das ein Rückgang um 25% wäre, ich bezweifle auf der Basis meiner Erfahrung – völlig unwissenschaftlich natürlich – die Zuverlässigkeit beider Ergebnisse. Wer „1x wöchentlich“ ankreuzt, liest höchstwahrscheinlich montags die Fußballergebnisse der Regionalliga!

Vielleicht ist meine Skepsis gegenüber der Flut der empirischen sozial- und erziehungswissenschaftlichen Studien gewachsen. Eine Gesprächspartnerin kontert mich in Diskussionen gerne mit der Bemerkung, dass es sicher auch eine Studie gäbe, die das Gegenteil dessen bestätige, was ich behaupte. Da macht diskutieren keinen Spaß mehr.

Etwas anderes irritiert mich: Ich beginne nach fünf Jahren, die Übersicht über meinen Blog zu verlieren. Kürzlich fragte ich jemanden, woher er die interessante Information hätte. „Aus Deinem Blog!“ Data Mining bekommt für mich jetzt eine konkrete Bedeutung. Wenn etwas nicht gut verschlagwortet ist, ist es im Blog verloren. Auch das Bilden von Oberbegriffen oder das Suchen nach verwandten Suchbegriffen, wie man es als informationskompetenter Bürger in vordigitalen Zeiten schon gelernt hat, bleibt ohne Treffermeldung. Der Suchalgorithmus von WordPress erfasst anscheinend nicht nur Tags und Kategorien, aber nicht den vollen Text. Vielleicht muss ich zu „Pro“ upgraden?

Das ist übrigens momentan eine regelrechte Kampagne: Nicht nur WordPress, auch die Antivirensoftware fordert mich bei jeder Aktualisierung zum Upgrade auf „Pro“ auf, die Antispysoftware meldet sich ständig mit dem Hinweis, dass nur Privatleute sie unentgeltlich nutzen dürfen; bin ich doch! Für Wikispaces (Mein Schulbibliothekslexikon) ist jedes Jahr ein unterer dreistelliger Betrag fällig.
Schöne neue Welt Internet! Auch im Netz gilt die Marktwirtschaft. Nichts ist – verständlicherweise – umsonst. Zeit, das Internet in die Daseinsvorsorge durch den Staat aufzunehmen. Wie vorausschauend die Nazis doch waren, die den Begriff erfanden.)
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