Ade Frankfurter Rundschau!

Die „FR“ ist insolvent, 150 Mio € wurden in den letzten Jahren ausgegeben, aber das Überleben konnte nicht gesichert werden.

Ich habe mit ihr lesen gelernt, Anfang der 50er: „R“ und „und“ und „schau“ ergab „Rundschau“. Was war ich stolz, als ich den Zeitungstitel alleine lesen konnte. (Das Wort „Frankfurter“ war mir als gebürtigem Frankfurter schon geläufig.)

Dennoch: Schon lange lese ich sie nicht mehr. Den Spagat zwischen der Rhein-Main-Berichterstattung und der nationalen bekam sie nie richtig hin. Um in der Region umfassend informiert zu sein, mussten wir schon vor 15 Jahren die Konkurrenz, das zum FAZ-Konzern gehörende „Höchster Kreisblatt“, lesen.

Bei den ständig wechselnden jungen Volontär/-innen der FR hielten wir immer den Atem an, ob sie auch verstanden hatten, was eine Schulbibliothek ist oder das Kuchenbuffet beim Bibliotheksgeburtstag in den Mittelpunkt des Berichts stellten. Wenn ich die fehlerhafte Berichterstattung hochgerechnet haben würde auf das gesamte Themenspektrum der Presse, hätte man keine Zeitung mehr lesen dürfen.

Während bei der FR die ersten guten Leute schon in den 90ern weggingen und der Platz für Lokales gekürzt wurde, war die Verbindung zur Lokalredaktion des Kreisblatts stabiler und die Chance einer Veröffentlichung größer.

Schließlich habe ich die FR gekündigt. Ein Journalist hatte mir in einer schulpolitischen Auseinandersetzung einen bösen Satz unterstellt, der ihm eingeflüstert wurde, der aber völlig konträr zu meinen Überzeugungen war. Weder hatte er bei mir nachgefragt, noch reagierte die Redaktion mit einer Richtigstellung oder gar einer Entschuldigung.

Daher hält sich meine Wehmut über das Ende der Rundschau in sehr engen Grenzen.

Noch gibt es lesbare Zeitungen. Nur bei TV-Anstalten, Twitterern, Bloggern oder GoogleNews möchte ich meinen Informationsbedarf nicht decken.

Nachtrag 5.3.13: Die FAZ übernimmt einen Teil der Redaktion und beteiligt sich an der Neugründung einer Verlagsgesellschaft. Die FR soll als linksliberale Zeitung mit regionalem Schwerpunkt weiterexistieren.

Update 10/2014: Unter dem Dach des Verlages der FAZ hat sich die FR erholt und stabilisiert. Es ist wohl vor allem der Anzeigenverbund mit den der FAZ gehörenden regionalen Blättern, der der FR hilft. Zurück komme ich aber nicht mehr. Dem Tabloid-Format kann ich nichts abgewinnen, Sowohl die nationale als auch z. T. die regionale Berichterstattung sind nicht sehr umfangreich.

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