Die größte Ungerechtigkeit im Schulsystem

Ein Leserbrief im Spiegel 41/2012 zum „entlarvenden“ (Der Spiegel) Beitrag der Professorin Jutta Allmendinger über das deutsche Schulsystem im Heft 39/2012:

„Die größte Ungerechtigkeit ist, dass Eltern – übrigens unabhängig von Religion und Herkunft – sich unterschiedlich für die Zukunft ihrer Kinder einsetzen. Leider wird sich dieser Umstand mit keiner Schulreform beseitigen lassen.“

Nachtrag August 2013: Mehr Gerechtigkeit im Bildungswesen gilt als alternativlos. Das plakatieren alle, dafür wollen alle (noch mehr) Geld ausgeben. Wie soll denn die Gerechtigkeit im Bildungswesen aussehen? Gerne frage ich nach, was denn mit Bildungsgerechtigkeit gemeint sei und werde prompt zum Spielverderber, die pathetisch und/oder klassenkämpferisch davon reden.

Die Wissenschaftlerin Professorin Jutta Allmendinger will erkannt haben, dass Hausaufgaben Bildungsgerechtigkeit verhindern, deshalb müssten sie abgeschafft werden. Eltern der Kinder mit höherem sozioökonomischen Status würden bei den Hausaufgaben helfen und vergrößerten damit den Bildungsvorsprung ihrer Kinder denen aus bildungsbenachteiligten Haushalten.

Auch müssten alle Kinder in die Kita. Soziologin Allmendinger weiß sicher, dass die beste Fremdbetreuung in der Kita einer guten familiären Kleinkindbetreuung unterlegen ist. Deswegen also Fremdbetreuung für alle? Man könnte auch, werfe ich dann ein, nur Arbeiterkinder zum Abitur zulassen, das sei doch mehr als gerecht, denn die Bildungsbürger hätten lange genug ihren Sozialstatus über die gute Ausbildung erlangt.

Es gibt Gründe, über die gängige Hausaufgabenpraxis an Schulen nachzudenken. Allein schon deswegen, weil die HA-Kontrolle und der bürokratische Aufwand der Nachkontrolle nicht-gemachter Aufgaben und der Elterninformation wertvolle Unterrichtszeit in Anspruch nehmen. Warum soll man nicht differenzieren? Wer´s schon kann, bekommt andere, weiterführende oder vertiefende Aufgaben. Aber halt, das würde die Benachteiligung von Kindern aus benachteiligten Haushalten vertiefen!

Wo bleiben Erziehungswissenschaftler/-innen, die der Professorin Allmendinger erklären, dass Bildung Unterschiede vertieft, wenn sie allen Kindern gerecht werden will.

Es gibt eine ganze Menge, was zu Gunsten von Kindern aus bildungsferneren Elternhäusern geschehen könnte. Das sollte auch in den Familien passieren, nicht nur durch schulische Intervention. Aber dadurch, dass man alle über einen Kamm schert und auf gleiches Niveau stutzt, erzeugt man neue Ungerechtigkeit. Wir haben in Deutschland kein hoch-selektives Schulsystem, das auf mehr Gleichheit umgepolt werden müsste.

Siehe dazu „The European“

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