Demografischer Wandel. Ein Bürgerdialog in Potsdam

Das Thema begegnet mir vor allem in den Touristenbussen im schönen Brandenburg. Aus immer mehr entsteigen 60 Sechzigjährige und werden zum Kaffeetrinken auf die Seeterrasse geführt.

Jetzt wurde ich nach dem Zufallsprinzip als Normalbürger ausgewählt, an der ersten von mehreren Bürgerkonferenzen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu dem Thema teilzunehmen. Es kamen Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Berufen, auch Schüler/-innen, zusammen.

Was ich mitnehme: Eine perfekt organisierte Konferenz. Ein Saal mit 10 runden Tischen, je 9-10 Teilnehmer/-innen (TN) und einem Moderator. Die TN hatten sich zuvor einem der Teilthemen: Arbeit, Schule, lebenslanges Lernen, Migration/Integration zugeordnet und wurden entsprechend platziert. An einem weiteren Tisch saßen Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, die zu Beginn interviewt wurden und zwischendurch befragt werden konnten. Es gab drei Diskussionsrunden an den Tischen mit unterschiedlichen Fragestellungen, die von den Moderatoren digital protokolliert wurden, an einem Redaktionstisch aufbereitet und nach jeder Tischrunde sogleich im Plenum von zwei Moderatorinnen präsentiert wurden.

In Lehrersprache formuliert: Lebhafter Unterrichtsverlauf, Phasenwechsel, Aktivierung aller Teilnehmer, Sicherung nicht vergessen, überzeugender Medieneinsatz, Verlauf entsprechend der Planung, gutes Zeitmanagement. Die Gruppenphasen reichten nicht zur vertieften Auseinandersetzung, aber das war auch nicht das Ziel. Jedenfalls vergingen die sechs Stunden, ohne dass Leerlauf oder Langeweile aufkam. Bei Gruppenarbeit sprengt die Präsentation der Ergebnisse meist den geplanten Zeitrahmen.  Da die  Moderatorinnen nur blitzlichtartig von jedem Tisch Ergebnisse und Eindrücke abfragten, konnten sie diese Phase gut steuern und zeitlich begrenzen.

Nach Auskunft der Moderatorinnen waren bis 16.00 Uhr über 170 Ideen und Vorschläge zusammen gekommen, die allen Teilnehmer/-innen zugesandt werden. Die Ergebnisse aller Bürgerdialoge sollen in einer Bürgerkonferenz zusammengefasst werden.

Ideen an meinem Tisch (Thema Schule):

  • Ein Geldtopf für die Schulleitung, um Senioren adhoc für die zeitweise Unterstützung einzelner Schüler/-innen oder kleiner Gruppen, z. B. beim Lesen- und Schreibenlernen u. a., zu gewinnen
  • Gleitender Übergang in den Ruhestand für Lehrer, statt des abrupten Aufhörens, von 26 Stunden auf 0 Stunden. Dann könnten ältere Kollegen z. B. auch andere Tätigkeiten übernehmen, z. B. Berufsanfänger eine Zeitlang begleiten
  • Veränderung von Lehrerausbildung und Unterricht hin zu einer stärkeren Individualisierung, damit es besser gelingt, das Potenzial jedes einzelnen Kindes zu entdecken und zu fördern.

Egal, was die Bundesregierung daraus macht, es war ein interessanter Samstag.

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