Steigern Schulbibliotheken wirklich die Schülerleistungen?

Ich habe mich schon öfter gegen die Instrumentalisierung des PISA-Rankings als Argument für Schulbibliotheken gewandt. Mit meinem Plädoyer für Wirkungsforschung statt PISA-Ranking in Deutschland stehe ich nicht mehr alleine.

Inzwischen haben sich die nordamerikanischen Untersuchungen über die Wirkung von Schulbibliotheken auch bei den Bibliotheksverbänden herumgesprochen. Die Untersuchungen sind selbstverständlich interessegeleitet, um das in USA längst nicht mehr unumstrittene Schulbibliothekswesen zu erhalten und zu festigen. Einer Übertragung dieser Forschung auf Deutschland, wie sie jetzt die Bibliothekslobby fordert, steht entgegen, dass es die hoch entwickelten Schulbibliotheken, für die in USA ein Zusammenhang mit guten Schülerleistungen nachgewiesen wurde, hier nicht gibt. Siehe dazu u. a. „Schulbibliotheksforschung erneut„.

Dagegen habe ich für mehr lokale Fallstudien plädiert, z. B. in „Mehr Umfragen in der Schulbibliothek„. Diese Forschungsmethode ist in Deutschland weniger verbreitet als im angelsächsisch-pazifischen Raum. Vielleicht helfen hier Diplomarbeiten an Bibliothekshochschulen. Die Einsendungen bei den Wettbewerben um die „Schulbibliothek des Jahres“ zeigen, was der Beschreibung und Auswertung bedarf.

Der Berliner Bibliothekswissenschaftler Dr. Karsten Schuldt hat nun auch darauf aufmerksam gemacht, dass die schulbibliothekarische Wirkungsforschung für verbandspolitische Forderungen wenig taugt, weil man sich ihr Forschungsdesign und ihre Ergebnisse genau ansehen muss. Wie fast immer im pädagogischen Bereich lasse sich nichts eindeutig beweisen. Er belegt es mit Verweisen auf die Wirkungsforschung zu Ganztagsschulen. Was die zur Verbesserung von Schule beitragen, ist in der Tat unklar. (Ich erzähle bei dieser Gelegenheit gerne, dass man in Frankreich die Effizienz der deutschen Halbtagsschule bewundert und sie in Schulversuchen erprobt.)

Dass es letztlich die Arbeit der Menschen in der SB ist und nicht die Existenz der Bibliothek als Raum mit Büchern und Medien, die Wirkung ausübt, wird in Deutschland auch gerne übersehen.

Ich sehe in der US-Forschung aber durchaus Untersuchungsstrategien und Ergebnisse, die weiterführen und erklären, was denn nun im Einzelnen in guten Schulbibliotheken zur Schulqualität und Schülerleistung beiträgt. So wurden in der Ohio-Studie, anders als in den Colorado-Studien, Schüler/-innen befragt, wie sie Schulbibliotheken nutzen. In Kalifornien lag einer Studie eine Checkliste zugrunde, aus der man entnehmen konnte, was gute von schlechten Schulbibliothekar/-innen unterscheidet.

Dr. Karsten Schuldts Beitrag, auf den ich mich beziehe.
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