PISA: USA schauen nach Finnland und Singapur

In USA nimmt man zum ersten Mal mit Erstaunen zur Kenntnis, wie sehr die erfolgreichen PISA-Staaten Finnland und Singapur gute Lehrer schätzen und sich das etwas kosten lassen.

Die Entprofessionalisierung des Lehrerberufes  schreitet in USA voran. Es war ja schon immer so, dass US-Lehrer einen Zweit- oder sogar Drittberuf ausübten, um leben zu können, und in den Sommerferien summer-camps leiteten, weil sie in den Ferien nicht weiter beschäftigt wurden. Das hat nicht ab-, sondern zugenommen. Die Obama-Regierung kürzt (auch) Programme der Qualifizierung von Lehrern. In Brennpunktschulen gibt es dann aber Lehrer, die trotz ihres um mindestens ein Drittel niedrigeren Gehaltes als es andere College-Absolventen bekommen, Schülern die Bücher  und Lehrmittel aus eigener Tasche bezahlen.

Im Bildungsbereich sind immer noch die Neo-Cons tonangebend, die die Lehrerausbildung am liebsten ganz abschaffen würden und Menschen danach bezahlen wollen, ob sie Schüler zu guten Rankings bei den nationalen Tests führen.

Endlich einmal auf einer internationalen pädagogischen Konferenz in USA(!) von der Wertschätzung der Lehrer in Finnland zu hören oder darüber informiert zu werden, dass China Millionen in die Lehrerausbildung steckt, dass Singapur Lehrern das Masterstudium bezahlt, die Berufsanfänger wie Mediziner entlohnt und die weitere Spezialisierung zum Curriculumexperten oder Schulleiter fördert, macht US-Erziehungsexperten sprachlos. Sie hoffen, dass man endlich mit dem Lehrer-Bashing aufhört und das (staatliche) Schulwesen einmal ernst nimmt.

Die Kürzungen Obamas im Bildungsbereich erbringen übrigens so viel wie 3 Tage Militäreinsatz in Afghanistan kosten.

Zum Kommentar der US-Pädagogikprofessorin Darling-Hammond.

Am Rande anzumerken:

Auch für die hiesige Diskussion ist nicht uninteressant, dass die asiatischen „PISA-Tiger“ Singapur und Shanghai sich nicht auf Mütter wie Amy Chiang verlassen, sondern in die Lehrerqualifizierung investieren.

Auch die EU will verstärkt und gemeinsam über Lehrerbildung und -ausbildung nachdenken bzw. über das, was im Bolognaprozess davon übriggeblieben ist.

Was in USA am finnischen Schulsystem auffällt (übersetzt aus dem Blog Cooperatice Catalyst):

1. Finnland hat keine alles entscheidenden Testverfahren (high stakes tests)
2. Über die Schule gibt es einen nationalen Konsens
3. Es gibt wenig Privatschulen.
4. Es gibt nicht nur nicht nur keine nationalen standardisierten Tests, es gibt auch keine Schulinspektion. (M. E. gibt es sie. Aber sie wird nicht so hoch gehängt und auch nicht als Ranking veröffentlicht.) Vertrauen in die Lehrer sei die wichtigste Kategorie. Die fühlten sich auch ohne Berichtspflicht verantwortlich.
5. Finnland hat keine dicken Sammlungen von Bildungsstandards. Es gibt breit definierte Standards und die Umsetzung geschieht vor Ort.
6. Die Lehrerausbildung ist anspruchsvoll. Es ist schwierig, Lehrer zu werden.
7. Die Lehrer sind gut ausgebildet, werden sehr unterstützt und haben auch während des Schultages Zeit zu reflektieren.
8. Finnen beginnen die Schule im späteren Lebensalter als wir.
9. Finnische Schüler haben wenig Hausaufgaben.
10. Es gibt berufsvorbereitenden Unterricht in finnischen Schulen (technical education)

2 Gedanken zu „PISA: USA schauen nach Finnland und Singapur

  1. Pingback: USA-Nachrichten vom 07.04.11 Reise-Hinweis.de

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