Das war der 20. Hessische Schulbibliothekstag

Plakat der Lahntalschule zum 20. HSBT

Schade, dass der 20. Schulbibliothekstag so schnell vorbei war. Es war ein Kongress, wie er sein sollte.

Bei frühsommerlichen Temperaturen saßen Teilnehmer/-innen in der Mittagspause unter Sonnenschirmen auf dem Schulhof. Schulhof? Anderswo wäre dies die Gartenterrasse eines Ausflugslokals. Das Gymnasium Lahntalschule liegt in einer Landschaft, in der man Urlaub machen kann.

Der Bürgermeister von Biedenkopf – das Stadtschloss war auf dem Berghang im Hintergrund zu sehen – sprach erfrischend kenntnisreich über Schulbibliotheken, der Kulturdezernent des Kreises war gekommen und zum zweiten Mal bei 20 Tagungen begrüßte eine Dezernentin des zuständigen Staatlichen Schulamtes. Der Abteilungsleiter für Schulentwicklung aus dem Kultusministerium, Jörg Meyer-Scholten, vertrat die Kultusministerin. Stattdessen lädt sie zur Übergabe des Preises „Schulbibliothek des Jahres“ am 5.5. in ihr Haus ein. Herr Meyer-Scholten kennt das Thema, zu seiner Abteilung gehört das Schulbibliotheksreferat. Er würdigte die Leistungen der LAG, die Anstrengungen der Schulträger und die Kooperation zwischen LAG, dem Ministerium und den schulbibliothekarischen Einrichtungen des öffentlichen Bibliothekswesens.

Den Vogel bei den Grußworten schoss der Leiter der gastgebenden Schule, Dr. Eberhard Scholl, ab. Er erzählte die Geschichte aus dem Bilderbuch „Das ist ein Buch“ von Lane Smith. (Link s. u.)

Die Lahntalschule hat u. a. Musik als programmatischen Schwerpunkt. Die Klasse 6b trat als veritables Orchester auf und umrahmte diesen Programmteil.

Grußworte auf Schulbibliothekstagen sind willkommen. Die gastgebende Schule soll auf sich und ihre Bibliothek/Mediathek aufmerksam machen können. Der Hessische Rundfunk nahm in seinem Kulturprogramm Notiz von der Veranstaltung und die regionale Presse grüßte mit der immerhin halbrichtigen Schlagzeile „Mekka der Bibliothekare“. Der Weltschulbibliotheksverband IASL gratulierte zum Jubiläum und Lourense Das von ENSIL war als Teilnehmerin dabei. Ihr Bericht oben hinter dem Flaggensymbol!

Autor Andreas Steinhöfel, Ex-Schüler der Lahntalschule und ihr durch Lesungen und Gespräche verbunden, hielt einen hinreißenden Vortrag: „Autor, Bibliothek, Leser: Wer verliert sich zuerst im Dschungel multimedialer Möglichkeiten?“ Ein Kontrapunkt zum Tagungsthema „Zukunftsmodell Buch!? – Von der Schulbibliothek zur Mediathek“? Steinhöfel beklagte den Sprachverfall im digitalen Zeitalter. Piktogramme und Akronyme verdrängten die orthographisch richtige, differenzierte und verständliche Schriftsprache. Er machte sich lustig über renommierte Verlage, die mit „Klingelbüchern“ und sprechenden Kugelschreibern das Lesen zu fördern glauben.

Die Digitalisierung der Schulen schreite voran. Die Schulaufsicht reagiere mit der Forderung, wenigstens einmal pro Schuljahr eine Exkursion in den Wald zu machen, Lernziel: Die Natur mit allen Sinnen begreifen. Der Berliner Senat gebe über eine Million € für Medienkompetenzschulung von Eltern, Lehrern und Schülern aus, nachdem man endlich von dem schon lange bestehenden Treiben von IShareGossip Kenntnis erlangt habe. Die wahre Medienkompetenz zeigten dagegen Schüler, die den Server durch lange Wikipedia-Einträge überschwemmten. (Link zu seinem Redetext s. u.)

Auch aus dem Workshop des Autors kamen die Teilnehmer/-innen mit leuchtenden Augen. Dabei mutete er den Lehr/-innen bissige Bemerkungen zu: Sie läsen seine Bücher mit der didaktischen Schere im Kopf, im Hinblick auf die unterrichtliche Verwertbarkeit. Aber auch manche Eltern sähen im Schriftsteller einen Produzenten von Gefälligkeitsliteratur: „Schreiben Sie doch mal was, das mein Junge liest!“

Aber auch die anderen, über 30 Workshops wurden von den fast 300 Teilnehmer/-innen gelobt. Helga Hofmann von der schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Frankfurter Stadtbibliothek legte die Grundlagen der Schulbibliotheksarbeit dar, wie immer einer der meistgefragten Workshops.

Die Lahntalschule steuerte gleich fünf Referentinnen und Referenten bei, u. a. zu Leseförderung, Textszenarien und literarischem Schreiben. Alle praxisorientiert, zur Anregung und Umsetzung im eigenen Unterricht gedacht. Auch die Berichte aus dem Schulbibliotheksalltag waren begehrt: Pia Weidl, Heidi Heuß und Helga Roth berichteten. „Bibliothekseltern“ gaben ihre Erfahrungen an ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen weiter. Ilona Munique führte die Teilnehmer/-innen in die Geheimnisse der Sponsorensuche ein.

Die digitale Dimension der Schulbibliothek kam, dem Tagungsmotto folgend, nicht zu kurz: Smartboards und ihre Nutzung im Unterricht, multimediale Unterrichtsideen zu Bilderbüchern.

(Zum Nachlesen hier noch einmal das komplette Programm des 20. HSBT)

 

Für die hervorragende Organisation ist Günther Brée, Rolf Richter (beide LAG-Vorstand), Christoph Terno und Else Jahnert (beide Lahntalschule) herzlichst zu danken.

 

Die LAG-Vorständler hoffen sehr, dass dieser Schulbibliothekstag zu neuen Schul- und persönlichen Mitgliedern führt. Vor allem aber sind Menschen willkommen, die die Arbeit der LAG weiterführen.

Der 21. Schulbibliothekstag 2013 wird jedenfalls stattfinden. Eine gastgebende Schule ist schon (fast) gefunden!

Fotos vom Schulbibliothekstag hier!

Der Vortrag von Andreas Steinhöfel

(c) Joachim Boepple


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2 Gedanken zu „Das war der 20. Hessische Schulbibliothekstag

  1. Cora Ginzel

    Ja, ich kann Frau Weber nur beipflichten! Es war wieder ein gelungener Schulbibliothekstag mit vielen Anregungen. Und die Zeit geht immer viel zu schnell rum, schwupps, ist der Tag auch schon vorbei. Um die tolle Cafeteria mit Außenbereich kann man die Lahntalschule nur beneiden. Die Organisation im Vorlauf des Kongresses möchte ich mir gar nicht vorstellen, von daher kann ich nur lobende Worte für alle Beteiligten finden. Wir haben sogar noch Geschenke mit nach Hause nehmen dürfen: Unsere Mediathek freut sich jetzt über ein tolles Buchpaket!
    Und natürlich ist dieser Weblog wie immer hoch aktuell und auf dem allerneuesten Stand – da kommt man kaum mit 😉 Also, ich musste mich die Woche erstmal um unsere eigene Website und die interne Nachbereitung der Workshops kümmern. Außerdem feiern wir in der nächsten Woche bereits vorab den Weltbuchtag, da er ja diesmal in den Ferien liegt. Da ist sehr viel zu organisieren und unser SchülerInnenteam braucht viel Betreuung zur Vorbereitung der Aktionen. Wer will, kann ja mal bei uns reinschauen nächste Woche. Upps, das war jetzt Werbung in eigener Sache.
    Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Schulbibliothekstag! Und ich habe den Ruf nach Unterstützung der LAG noch deutlich im Ohr! Ich hoffe sehr, dass sich interessierte und ebenso engagierte Leute dafür finden lassen. Ich jedenfalls werde einen bescheidenen Beitrag dazu leisten und erstmal persönliches Mitglied der LAG werden, nicht nur als Schulmitglied auftreten.
    An alle da draußen hinter den Bildschirmen, die sich für Schulbibliotheken einsetzen: Lasst die LAG nicht allein!! Wir brauchen sie, und wir wollen sie!
    So, das war jetzt nochmal Werbung, im Prinzip auch für uns, gell? 😉 Ach, irgendwie sind wir doch alle Egoisten. Oder wie sagt man: Wo ein Nutzen ist, da ist auch ein Ziel, wo ein Ziel ist, da ist auch ein Weg.

    Antwort
  2. Juliane Weber

    Allergrößter Respekt! Das war doch erst gestern und schon sind alle Infos und Bilder zum Schulbibliothekstag im Netz – superprofessionell!
    Ich war zum ersten Mal dabei und es hat mir sehr gut gefallen. Oganisation, Veranstaltungsort, Bewirtung top! Bei einigen Workshops waren die Räume, technische Ausstattung, Unterlagen nicht vollständig vorbereitet, darauf sollte man beim nächsten Mal eventuell nochmal besonders achten!?
    Insgesamt aber eine absolut gelungene Veranstaltung, schade für jeden in diesem Bereich Tätigen, der nicht dabei war!

    Antwort

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