Qualitätsmanagement für Schulbibliotheken?

„Schulbibliotheksarbeit muss heute – auch und vor allem – im Kontext der systematischen (Ich hätte jetzt erwartet: „systemischen“) Qualitätsentwicklung von Schulen gesehen werden. Wie andere schulische Handlungsfelder auch sind die Bereiche „Schulbibliothek“ und „Leseförderung“ bisher überwiegend im Rahmen von Prozessen bearbeitet worden, die nicht gemanagt wurden (also ohne spezifische Zieldefinition, umfassende Bilanzierung und Überprüfung der Zielerreichung). Nicht nur aufgrund der Ressourcenlage, sondern auch aufgrund fehlenden Prozessmanagements ist die Situation deutscher Schulbibliotheken im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich und die Lesekompetenz deutscher Schüler/innen auch (vgl. das Problem der Diagnostik von Risikoschülern, Testverfahren sind in den Vergleichsländern z.T. länger etabliert) . Positiv gewendet: „Schulbibliothek und Leseförderung“ stellen ideale Handlungsfelder für Qualitätsmanagement-Verfahren dar, …“

OhGottdashabichnichtgewollt!

Roland Berger in der Schulbibliothek? Meine Vorschläge für empirische Bildungsforschung gehen nicht in diese Richtung!

Drei Jahre Arbeit mit Projektplanungsmethoden zur Erarbeitung von Schulprogrammen, zwei Jahre in einem Schulamt, das sich als „lernende Organisation“ darstellte, drei „Praxissemester“ für die Erarbeitung eines Schulprogramms und die Umsetzung eines neuen Lehrplans („Herunterbrechen auf die Fachbereichsebene“) an der eigenen Schule.

Ich hatte im Blog einmal eine schulische Projektplanung erwähnt, bei der eine der beteiligten Schulen neben dem Netzwerk der Projektplanungs, -evaluations-, -steuerungsgruppen, vorbei an Top-Down- und Bottom-Up-Verfahren, eine weitere Arbeitsgruppe gründete, in der es allein um die Sache ging. („Weniger Projektmanagement, mehr Praxis!“). Der Bericht hier!

Heiße Luft?

Wenn man nach der o. a. Präambel einen braven Evaluationsfragebogen findet, der fragt: „Wie oft gehst du in die SB?“, „Welche Bücher nutzt du?“, „Hast du Verbesserungsvorschläge?“,  verlässt man die Seite, ohne sie zu bookmarken.

Das erinnert mich an meine langjährige Wohngemeinde im Rhein-Main-Gebiet. Dort hat der Bürgermeister zusätzlich zu seinem persönlichen Referenten und 2,5 Stellen Pressestab einen freiberuflichen Kommunikationsberater an Bord geholt (1600 € pro Tag). Der rät der Stadtverwaltung, bescheiden aufzutreten und Bürger an Entscheidungen frühzeitig zu beteiligen.

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2 Gedanken zu „Qualitätsmanagement für Schulbibliotheken?

  1. Ilona Munique

    Die Pünktchen im Absatz „Positiv gewendet: „Schulbibliothek und Leseförderung“ stellen ideale Handlungsfelder für Qualitätsmanagement-Verfahren dar, …“ ergänze ich mit: sofern es eine Kollegin (oder Kollegen) gibt, (und ich zitiere jetzt aus dem äußerst interessanten Abschlussberichts des Projekts, auf den im Beitrag verlinkt wurde): „… die sich in hohem Maß
    mit ihrer Arbeit identifiziert und vom Schulleiter als sehr engagiert
    und kommunikativ, als im Kollegium geschätzt und in Stadt und Region
    eingebunden [ist]…“ (S. 16) sowie „von der Bibliotheksverwaltungsarbeit … diese Kollegin durch eine Bibliotheksverwaltungskraft entlastet [wird] und … als kompetent und selbständig arbeitend …“ bezeichnet werden kann.

    Die Erfolgsgaranten des Projekts waren übrigens die vier Komponenten
    „Budget für Ausstattung“, die „Einbindung in das (Kooperations-)Projekt“, die „uneingeschränkte Unterstützung des Schulleiters“ sowie eben jenes personelle Loblied, siehe oben.
    Was wieder einmal zeigt: ein Qualitätsmanagement, egal, wie dieses im Einzelnen auch aussehen mag, steht und fällt mit sich verantwortlich fühlenden und kompetent handelnden, fest eingeplanten (im Gegensatz zu sporadisch agierenden) Fachkräften. So lange Schulbibliotheken hier auf „Wenn’s-denn-sein-muss-(Lehr-)Personal“ zurückgreifen muss, kann QM nicht gedeihen, ist jedes noch so gut gemeinte Konzept alleine für die Schublade. Da kann dann selbst ein hoch bezahlter Berater oder die Beraterin (auch nicht mit dem Nachnamen „Berger) etwas wieder gut machen.
    Das für Schulbibliotheken vorgesehene Personal muss daher – noch vor den Räumlichkeiten – gut ausgestattet sein. Mit entsprechender Entlohnung, ob in Form von Schulfreistunden oder natürlich per tariflicher Leistung. Und so lange es keine entsprechende gesetzliche Verankerung dazu gibt, dürften positive Abschlussberichte wie der aus dem Buchholzer und Verdener Netzwerk weiterhin eine Ausnahme bleiben. Daran ist zu arbeiten, um nicht an teurer, wenig haltbarer Flickschusterei an Schulbibliotheken wertvolle Ressourcen zu verlieren.

    Antwort
    1. Basedow1764 Autor

      Mir war klar, dass ich mir mit dieser Bemerkung nicht nur Freunde mache. Deswegen auch das lange Hinauszögern der Quellenangabe.

      Es ist nicht glücklich, wenn Projektmanager/-innen selbst den Bericht über ihr Projekt verfassen. Da wäre mir eine wissenschaftliche Begleitung, eine externe Evaluation lieber gewesen.
      Mich macht ein Satz nachdenklich. Was muss da gelaufen sein, wenn eine Schule in einem von Prozessmanager/-innen geleiteten Projekt mit einer Vielzahl von Arbeitsgruppen, die sich mit der Organisation des Prozesses befassen, eine Arbeitsgruppe bildet, in der es um die Sache geht und nicht um den Prozess?

      Dass ein Schulleiter ein Projekt uneingeschränkt unterstützt – Du beziehst Dich auf die Inhalte, ich meine das Projektmanagement – ist in der Sache prima. Das Prozessmanagement unterstützt ein Schulleiter vor allem dann, wenn „von oben“ signalisiert wird, dass das Projekt erwünscht ist. Das merkt man schon am Auftreten der Prozessmanager/-innen. Da hütet sich ein Schulleiter offen zu sagen, was er davon hält. Da beißt man die Zähne zusammen und macht den Vertretungsplan. Gute Prozessmanager haben auch längst das Folgeprojekt in der Tasche, ihr Abschlussbericht war so gut.

      Ich stimme Dir völlig zu, dass Schulbibliotheken Menschen brauchen, die hoch qualifiziert sind (Ich habe in einem Vortrag in Bozen gerade erst wieder die Qualifikationen benannt.) Schulbibliotheken müssen auch Qualität liefern und sich überprüfen lassen. Was sie nicht brauchen, ist ein Imitat des Beraterunwesens aus der Wirtschaft.

      (Lektüretipps: Wohin das dort führt, zeigt Richard Sennett in „Der flexible Mensch“ oder satirisch Max Barry in „Chefsache“. Gerne auch nochmal Basedow1764.)

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