Australien: Studenten sind eifrige Nutzer der UB

Was erwarten Studenten von einer Hochschulbibliothek und was machen sie eigentlich dort? Diese Fragen bewegten australische Bibliothekswissenschaftler. Die Bibliothek der Universität von Queensland hat Letzteres detailliert erfragt.

  • Die Mehrheit arbeitet individuell im Rahmen des Studiums.
  • Aber auch Arbeitsgruppen treffen sich dort.
  • Für die Mehrheit war wichtig, dass die Bibliothek günstig gelegen ist, dass sie finden, was sie suchen und Platz sowie eine anregende Atmosphäre vorfinden. (Das alles hat Vorrang vor sozialen Aspekten wie Gruppenarbeit.)
  • Man kam von zu Hause oder nach der Vorlesung.
  • Die Bibliothek wird regelmäßig benutzt.
  • Die meiste Zeit wurde am Computer verbracht und in Stillarbeit (Ca. 4,5 Std in der Woche mit Printmedien, mehr als 11 Stunden mit digitalen Medien).
  • Es wurde auch gechattet, eMails wurden versandt und Facebook geöffnet.
  • Meist wurde weniger geschafft, als man sich vorgenommen hatte, aber dafür mehr andere Dinge erledigt.
  • Gewünscht wurden mehr Computer und mehr Platz für Stillarbeit.

Die Forscher waren erstaunt, welch wichtige Rolle die Universitätsbibliothek spielt. 60% der Befragten besuchen sie täglich. Die Hälfte etwa 30 Minuten, ein Viertel sogar mehr als zwei Stunden. (Zu fragen wäre, wie die Arbeitsmöglichkeiten in den Studentenbuden und Wohnheimen sind.)

Der UB-Direktor und Verfasser des Artikels, Prof. Keith Webster, hat in einem Design-Workshop außerdem mit Studenten erarbeitet, welche Einrichtungen erwünscht sind, wenn es um Gruppenarbeit, individuelle Semesterarbeiten und Examensvorbereitung geht:

  • Räume mit Smartboards oder Beamern und anderer Ausstattung, die Teamarbeit erleichtert.
  • Abschließbare, schalldichte(!) Arbeitsplätze, an denen man seine Sachen, inklusive Laptop, liegen lassen kann, wenn man die Arbeit unterbricht.
  • W-LAN, viele Stecker,
  • die Möglichkeit, Präsentationen üben und Medien produzieren zu können.
  • Für die Examensvorbereitung waren die Wünsche ähnlich, dazu kamen aber noch „Erholungszentren“ mit Sitzmöbeln und Getränken.

Die Bilanz: Die Studenten schätzen die Bibliothek als Lernort. Sie haben konkrete Erwartungen an den Raum und sie nutzen vorrangig digitale Ressourcen.

Die Erkenntnisse aus der o. a. Studie sind auch für die Schulbibliotheksentwicklung hilfreich. Ich  sehe Schulbibliotheken näher bei Hochschulbibliotheken als bei Stadtbibliotheken. Schulbibliotheken sind Einrichtungen, die den Zielen der Schulen verpflichtet sind, die organisatorisch in deren Struktur eingebunden sind und die den Interessen und Bedürfnissen der Lehrer und Schüler dienen.

Ich fühle mich in dem bestätigt, was ich kürzlich den Südtiroler Freunden vortragen durfte: Auch in den angelsächsischen Schulbibliotheken wird der Raum mehr als optimal ausgestatteter Lernort gesehen denn als Büchermagazin. Und die Schulbibliothekare werden zu Experten für digitales Lernen.

„The Library Space as Learning Space”, in: EDUCAUSE Review, vol. 45, no. 6 (November/Dezember 2010), URL: http://www.educause.edu/EDUCAUSE+Review/EDUCAUSEReviewMagazineVolume45/TheLibrarySpaceasLearningSpace/218705 (angesehen 23.12.10)

Den Hinweis auf den Aufsatz verdanke ich Prof. Hobohm, FHP Potsdam

2 Gedanken zu „Australien: Studenten sind eifrige Nutzer der UB

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