Bildungsgutscheine: Die Bürokratie gewinnt!

Nochmal zu den Bildungsgutscheinen: Die Zeitungen berichten, dass es ca. 138 Mio € kosten wird und 1500 Stellen geschaffen werden müssen, damit die Jobcenter die bisher geplanten 600 Mio €  für Schulspeisung, Klassenfahrten, Nachhilfe, Sportverein und Musikschule gerecht verteilen können.

Es ist zu erwarten, dass die Länder und Kommunen, die Schulessen bisher kostenlos verabreicht oder es bezuschusst haben, dies rückgängig machen werden. Auch Sportvereine, die Hartz-IV-Kinder bisher kostenlos oder ermäßigt aufgenommen haben, werden umdenken. Der Bund zahlt!

Die Jobcenter freuen sich auf die „Partnerschaft“ mit 90000 Sportvereinen, 100 Musikschulen und 35ooo Schulen.  Wer bescheinigt eigentlich den Nachhilfebedarf? Und was ist mit dem Mittagessen und der Nachhilfe bei Kindern, der Eltern ein Arbeitseinkommen haben, das Hartz IV um eine Handvoll Euro übersteigt? (Es wird von einer Hereinnahme der Kinder gesprochen, wenn das Arbeitseinkommen der Eltern „geringfügig“ über der Grundsicherung liegt.)

Es ist an der Zeit zu überlegen, ob man aus der Schulbibliothek nicht ein profit center macht. Den in der Schule mithelfenden Eltern versuchte ich immer zu beizubringen, dass sie die Hausaufgaben nur mehr oder weniger überwachen. Die Grenzen zur Nachhilfe wurden oft und notgedrungen überschritten.

Jetzt könnte man aus der Not eine Tugend machen: Die Schule sourct die  HA-Hilfe aus. Die Ehrenamtlichen gründen ein Institut und empfangen Geld aus den Bildungsgutscheinen. Das kann man als Honorar verwenden, vielleicht stiften sie es auch der Schulbibliothek. Der Schulträger verzichtet bestimmt auf die Raummiete, weil es immer noch eine schulnahe Veranstaltung ist. Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) muss nicht groß gegründet werden und ihre steuerliche Behandlung ist auch relativ einfach.

Möglicherweise klagen dann die Nachhilfefirmen. Dann sollte der Schulträger Raummiete erheben, aber auch die Zuweisungen zu den Schulbibliotheken erhöhen. Solche „Insidergeschäfte“ sind doch nicht strafbar, oder?

 

Update 26.1.11: Es gibt in der Politik gelegentlich auch Entscheidungen, die vernünftig sind: Die Verwaltung der Bildungsgutscheine soll von den Kommunen erledigt werden. Das Geld dafür kommt vom Bund.  SPD und Grüne wollen bei der Hartz IV gleich noch Mindestlohn und Sozialpädagogen an den Schulen draufsatteln, aber hier hat ihre Opposition der Vernunft zum Sieg verholfen.

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