Kurzer Lesetipp: Arye Sharuz Shalicar, Nasser Hund

Ich lese zwar gerade zwei andere Bücher (Christine Brinck, Eine Kindheit in vormaurischer Zeit, und die restlichen 70 Seiten Sarrazin), aber das hier klingt auch gut:

Arye Sharuz Shalicar, Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude

Eine iranisch-jüdische Familie findet Asyl in Berlin. Der Sohn trifft auf den antisemitischen Hass seiner muslimischen Kumpel im Wedding. Er kann sich in den Jugendgangs hocharbeiten, wird Sprayer und Drogendealer. Nur mühsam löst er sich aus dem Milieu.

Er studiert in Jerusalem, arbeitet u.a. als ARD-Korrespondent und ist jetzt Pressesprecher der israelischen Armee.

Konzentriert erzählt. Fast ein Entwicklungsroman, aber ohne literarische Ambitionen, was kein Nachteil ist. Zitate von Joseph Roth über Kierkegaard bis zu Hamas-Parolen sind den Kapiteln voran gestellt und betten den Lebensweg ein in die Geschichte des jüdischen Volkes. So kommt es, wie es kommen muss: Ein junger Mann, der nie etwas mit Religion, Zionismus oder Israel am Hut hatte, findet sein Zuhause im Judentum und in Israel.

Man ist erleichtert, dass es gut ausgeht. Dass er nicht von einem seiner Kumpels erstochen wird, nicht in der kleinkriminellen und Schlägerwelt der Parallelgesellschaften des Wedding und Kreuzbergs hängenbleibt.

Nebenbei erfährt man kopfschüttelnd, wie verrückt die Wirklichkeit ist: Die Araber mögen die Türken nicht, die Libanesen nicht die Syrer, alle Araber nicht die Palästinenser, die Weddinger nicht die Kreuzberger. Man küsst sich zwei- oder dreimal auf die Wangen, beim nächsten Mal haut man sich die Bierflasche über den Kopf oder das Messer ins Bein. Man redet von Ehre und Gott und fällt zu siebt über ein Opfer her. Die Verwandten in Los Angeles verstehen nicht, wie eine jüdische Familie im Land der Nazis leben kann. Shalicar muss ihnen erklären, dass die Deutschen auszuhalten sind, dass die Berliner Muslime ihn hassen.

Die Annäherung an das Judentum ist auch nicht ohne Ecken und Kanten. Die Berliner jüdische Gemeinde ist dominiert von jüdischen und nichtjüdischen Russen. Da wird er wegen seines eher arabischen Aussehens wieder und wieder kontrolliert und sogar zu einer Demonstration gegen die Diskriminierung der jüdischen Iraner im Iran nicht zugelassen.

Wenig Verständnis hat er für ein russisches Pärchen, das einen Weihnachtsbaum aufstellt. Auch Israel ist kein Paradies.

In vier Potsdamer Buchhandlungen war das Buch nicht zu bekommen. (Es ist vor nicht ganz vier Wochen erschienen.) Anscheinend habe ich immer wieder andere Vorlieben als die Sortimenter oder das Potsdamer Publikum. Zum Glück gibt es Amazon. (Nach drei Monaten Bearbeitungszeit habe ich von E-Plus einen Gutschein für Amazon – angekündigt – bekommen.)

Nachtrag 4.11.10: Ein Kreuzberger Polizist war auf dem Integrationsgipfel im Kanzleramt: Nahezu wöchentlich, manchmal täglich, gebe es Fälle von Rassismus – insbesondere bei Kindern arabischer Prägung. „Angefangen von der ‚Deutschenfeindlichkeit‘, die wir an einigen Schulen tatsächlich feststellen müssen, reicht das Spektrum bis hin zu noch häufigeren antisemitischen Äußerungen seitens muslimischer Schüler. Nicht selten offen während des Unterrichts.“ Dem Staat Israel werde das Existenzrecht abgesprochen.

via bild.de
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