Vom fragwürdigen Nutzen bibliotheksfachlicher Standards

US-amerikanische Schulbibliothekarinnen und –bibliothekare bleiben nicht verschont von Sparhaushalten und kritischen Fragen nach Sinn und Zweck ihrer Schulbibliothek.

US-amerikanischer Schulbibliotheksalltag ist oft auch etwas angestaubt. Z.B wird seit Jahren diskutiert, ob Schüler und Klassen die Bibliothek auch spontan, außerhalb der festgelegten Bibliotheksstunden, besuchen dürfen. Schülerinnen und Schüler absolvieren dort oft mehr oder weniger lustlos ihr Pflichtpensum an Referaten.

Es war für mich ein wunderbarer Moment – den man als Lehrer selten hat -, als zwei Austauschschülerinnen nach einem High School-Jahr zurückkamen und sich wieder auf unsere Bibliothek freuten.

 

Andererseits gibt es Beispiele von media specialists und ressource-centers, bei denen ein Alt-Europäer neidisch wird, weil sie im digitalen Zeitalter angekommen sind und die neuen Medien kompetent für das Lernen erschließen. Vor allem gibt es Schulbibliotheks-Praktiker/innen und -Wissenschaftler/innen, die ihren eigenen Leuten Dampf machen, in dem sie nach- und vor allem vordenken.

Zu meinen Lieblingen in dieser Gruppe gehört seit Jahren Doug Johnson. Er hat mit Joyce Valenza im School Library Journal 2009 einen Text veröffentlicht, der von der Zukunft der Schulbibliothek im 21. Jahrhundert handelt: „Dinge, die uns schlaflose Nächte bereiten“ heißt er. Nicht alles überzeugt mich, aber ein Absatz gefällt mir besonders gut. Er passt nämlich in eine unsägliche Diskussion, die in Deutschland seit Jahren geführt wird:

„Eine Schulbibliothek ist erst dann eine Schulbibliothek, wenn sie nach unseren, bibliotheksfachlichen, Maßstäben eine Schulbibliothek ist.“

Erst allmählich erkennt man, dass es in Deutschland etwa 15000 Büchereien in Schulen gibt, die nach besagter Definition keine richtigen wären. Denen zu helfen, den Eltern und Lehrern, die sich dort engagieren, die Hand zu reichen, diese Büchereien zu entwickeln, wäre eine lohnende Aufgabe. Das wird auch gemacht. Die Frankfurter (M) SBA hat z. B. eine breite Angebotspalette. Überall passiert das aber noch lange nicht. Ich kenne das Totschlagargument der bibliotheksfachlichen Standards seit 20 Jahren in Hessen und höre es gerade erneut in Potsdam.

Aber jetzt vom Jammern der Sprung ins 21. Jahrhundert und endlich zu Doug Johnson. Der meint nämlich , dass sogar die Zukunft der „richtigen“ Schulbibliotheken nicht in der Erreichung oder Einhaltung bibliotheksfachlicher Standards liegt:

 

„Statt eine perfekte Bibliothek zu schaffen, müssen wir umdenken und eine Schulbibliothek schaffen, die perfekt zu unserer Schule passt. Das gelingt, wenn wir uns nicht an unsere Verbands-Standards klammern (adopt), sondern uns daran orientieren, was unsere “Kunden”, die Schüler/innen, Lehrer/innen und die Schulleitung brauchen. Unsere Ziele müssen die weiter gefassten Ziele unserer  Schule unterstützen.

Dann werden auch in Zeiten knapper Haushaltsmittel nicht nur Schulbibliothekare für Schulbibliotheken sprechen, sondern die gesamte Schulgemeinde den Erhalt der Dienste, die wir für sie leisten, fordern.“

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