Main-Taunus-Kreis plant ein medienpädagogisches Zentrum

Wenn etwas schnell geht in der öffentlichen Verwaltung, dauert es zwei Jahrzehnte bis zur Realisierung, ansonsten 20 Jahre. Hurra, ich erlebe es noch! (So glaubte ich.)

Vor 21 Jahren begann mein Engagement für eine schulbibliothekarische Arbeitsstelle (SBA) im Main-Taunus-Kreis. Daraus wurde alsbald ein einsamer Kampf um den Erhalt einer bei Bürgermeistern und Kreisverwaltung ungeliebten Kreisbücherei. Auch die Schulleiter interessierten sich nicht dafür.

Im Kern blieb die geschrumpfte Kreisbücherei dann als Ergänzungsbücherei für die Schulen und Schulbibliotheken des Kreises erhalten, auch durch meine Mithilfe. Es hätte eine SBA werden können. Das wurde leider nie richtig kommuniziert. Auch von den verbliebenen 1,5 Stelleninhabern in der Ex-Kreisbücherei nicht.

10 Jahre später half mir der Leiter des Staatlichen Schulamtes, den Landrat für eine Arbeitsgruppe zu gewinnen, die das Konzept für ein Medienzentrum (inklusive SBA) ausarbeitete. Es stand ja auch die Modernisierung der Kreisbildstelle an. Das war 1999.

(Nebenbei: Eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Staatlichem Schulamt und kommunalem Schulverwaltungsamt! So etwas es gab zu der Zeit nur bei einem Modellversuch der Bertelsmann-Stiftung in NRW.)

6 Jahre später aktualisierte ich den bis in Raum-, Personal- und Ausstattungsdetails ausgearbeiteten Entwurf der Arbeitsgruppe und nannte das Projekt jetzt „Medienpädagogisches Zentrum“. Erweitert hatte ich vor allem die Aspekte Medienpädagogik (Fortbildung) und EDV-Support. Die staatliche Lehrer/innenfortbildung war inzwischen erheblich reduziert worden, sie brauchte Experten und Räume. Der Landrat interessierte sich für Computer. Ein Haus des Lernens hätte sich mit solchen Angeboten mindestens teilweise selbst finanzieren können.

Glaube niemand, dass in diesen 21 Jahren zu wenig darüber geredet wurde. Es war eine permanente Kommunikation, aber in der Art der Echternacher Springprozession. Mal wurde eine Stelle ausgeschrieben, dann in letzter Sekunde verhindert. Der Plan der Arbeitsgruppe fand Gefallen, scheiterte aber an den Kosten und daran, dass eine Schule nur Teile des benötigten Raumes hergeben wollte. Zwischendurch wollte ein Landrat die Bestände der Kreisbücherei gar an eine Schule verschenken.

18 Jahre lang geht es um SBA, Medienzentrum, medienpädagogisches Zentrum. Kreistag, Fraktionen, Schulamt, Kreisschulverwaltung, Schuldezernent, Landräte, Schulleiter/innendienstversammlungen, alle haben sich damit beschäftigt. Es war in vielen Köpfen. Geblieben ist immerhin das Interesse des Schuldezernenten an Schulbibliotheken.

2007/8 lässt sich der Landrat von einem Medienpädagogen der FH Darmstadt ein neues Konzept schreiben. SMS heißt des Zentrum jetzt. Es geht das Gerücht, der Medienpädagoge beschreibe seinen zukünftigen Arbeitsplatz.

Es soll ein gemeinsames Internetportal aller Schulbibliotheken geben, eine Serverfarm mit Datenbanken, auf die sämtliche Schüler/innen und Lehrer/innen zugreifen können. Sie alle sollen einen einheitlichen Ausweis bekommen. Wenn ein Schüler/eine Schülerin einer Schule ein Buch sucht, das es bei einer anderen gibt, soll er/sie das anderswo finden und ausleihen können.

Der Personalbedarf ist hoch. Medienpädagogik und Lehrer/innenfortbildung sind wenig präzise beschrieben. Dafür der gemeinsame Katalog aller Schul- und später auch Stadtbibliotheken und die Fernleihe umso genauer. Das kommt einem alles bekannt vor: IMeNS!

Die Evaluation des IMeNS-Projekts in einem anderen Landkreis, die eine Studentin der FH Darmstadt durchgeführt hatte, war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schulen nicht so recht erkennen, was ihnen das Projekt bringt. Willkommen sind vor allem die Stellen und die Gelder, die einige Schulbibliotheken erhalten.

Der Ausweis, den das Main-Taunus-SMS allen Lehrkräften und Schülerinnen und Schüler ausstellen soll, wird, da bin ich sicher, das Logo des Landkreises tragen und hübsch aussehen.

2010, da will der Schuldezernent Landrat werden und nimmt das Medienpädagogische Zentrum in sein Programm auf.

Und nach der Wahl: Der nötige Neubau ist erst einmal verschoben. Das bisherige Medienzentrum soll bei der Ergänzungsbücherei einziehen. Die ist seit einigen Jahren nahezu ausschließlich die Schulbibliothek des Gymnasiums in der Kreisstadt.

Ich habe die Pressemeldung des Kreisschuldezernenten ins Archiv gelegt.

Übrigens ein merkwürdiges Pressemitteilungsportal: Ein Hessenlöwe strahlt  quasiamtliche Seriosität aus, aber Pop-Up-Werbung gleitet über den Bildschirm. Landräte und Bürgermeister sind dankbar: Jetzt kann die Einweihung der neuen Feuerwache global kommuniziert werden.
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