Wozu Bibliothekslehrer?

Wer in Deutschland das Modell „Zusammenarbeit Fachlehrer-Bibliothekslehrer“ propagiert, weiß, dass er wie der Blinde von der Farbe redet.

Das wusste Dipl.-Bibl. Reinhold Heckmann schon 1993. Das gilt noch heute. Basedow hat schon einmal von der britischen Schulbibliothekarin des Jahres berichtet, an deren Beispiel man sehen kann, was ein/e teacher-librarian so tut. Jetzt finde ich den Bericht einer australischen Grundschul-Bibliothekslehrerin. Hier eine leicht gekürzte Übersetzung:

Eine teacher-librarian (TL) in einer Grundschule in Queensland schreibt:

„Als einzige TL in einer Grundschule mit 1300 Schülerinnen und Schülern arbeite ich eng mit allen Lehrern und Schülern zusammen.

Meine Ausbildung und Erfahrung als Lehrerin befähigen mich, Informationskompetenz, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Literatur in allen Jahrgangsstufen in das Curriculum zu integrieren.
Zum Beispiel arbeitete ich mit allen 3. Klassen zum Thema Umwelt. Dies beinhaltete die Arbeit mit dem interaktiven Whiteboard (IWB), die Verwendung von Sachbüchern, die Einführung in bestimmte Textsorten ( genre?), die Nutzung von Webanwendungen und das Lernen  traditioneller Arbeitstechniken.

Wir verwendeten Wordle (schöne Wort- Wolken) als Mindmap-Tool, um Fachausdrücke zum Thema zu sammeln. Wir suchten auf Flickr Fotos von Tieren, die im Great Barrier Reef leben. Dabei wurden auch Fragen des Urheberrechts und des Internets überhaupt angesprochen.

Wir verwendeten Kim Michelle Toft’s Bilderbuch „One Fish less“ und einige Sachbücher über das Great Barrier Reef. Dabei wurden Arbeitstechniken der Informationsentnahme aus Sachbüchern gelernt. Anhand des wunderschönen Bilderbuchs über die Nahrungskette („Food Chain“) von P. J. Robertson diskutierten wir die Folgen einer Schädigung des Great Barrier Reef. (Dort ereignete sich kürzlich eine Schiffshavarie; GS). Die Mindmap auf dem Smartboard wurde gemäß den Vorgaben der Unterrichtseinheit weiter entwickelt. Mit Jigsaw Planet entstand ein Umwelt-Puzzle.

Meine Stunden in der Bibliothek ergänzten den Unterricht in der Klasse, wo die Kinder an einer Umweltverträglichkeitsstudie zur lokalen Nudgee Beach schrieben.

Ein anderes Beispiel: Im vierten Schuljahr wollten die Lehrer ihren Schülern beibringen, wie sie Bücher finden, ohne einen Computer benutzen. Wir haben mit  Easiteach auf einer Karte der Bibliothek die Standorte verschiedener Typen erzählender Literatur lokalisiert und erklärt, warum sie an verschiedenen Stellen im Regal stehen. Auch die Signaturen wurden erklärt, anhand der Neuwerwerbungen, von denen die Kinder so erfuhren. Auf dem Smartboard (IWB) haben wir Fantasietitel erfasst. ….

Als es um das Schreiben von Ansichtskarten ging, haben wir mit dem Bilderbuch „Wann sind wir endlich da?“ gearbeitet, haben eine interaktive Ansichtskarte erstellt, über das Leben in anderen Ländern gesprochen und diese auf der Karte gesucht.

Zur gleichen Zeit arbeitete ich mit allen ersten Klassen in wöchentlichen Orientierungsveranstaltungen (Alphabet kennen, Ausleihregeln beachten, Finden von Bilderbüchern, Benutzung des Smartboards). Wir hatten auch Zeit zum Vorlesen. Manche Bilder aus den Büchern wurden auf dem Smartboard gezeigt und genauer betrachtet.  Wir haben auch unsere eigenen Bücher über Bibliotheksregeln mit Microsofts eBook Reader gemacht.

Und dann ist da noch meine Rolle bei der Fortbildung der Lehrer. Das funktioniert, weil sie mich als Lehrerin anerkennen. Ich biete IKT-Kurse an, darunter auch die Smartboardnutzung, Mein Schwerpunkt ist zu zeigen, wie man IKT wirksam in den Unterricht integriert.

Die Ausbildung und Erfahrung als Bibliothekarin erlauben mir, die Bibliothek effektiv zu verwalten. Auch während ich 17 Klassen (Stunden?) pro Woche unterrichte, wird erwartet, dass die Bibliothek funktioniert. Dafür trainiere ich Hilfskräfte und Ehrenamtliche, die sozusagen im Hintergrund arbeiten, wenn ich unterrichte. Ohne ihre Hilfe könnten die jährlich für ca. 30.000 € beschafften Medien nicht eingearbeitet werden.

Wegen meiner Ausbildung und Erfahrung als Lehrerin, meiner Zusammenarbeit mit den Fachlehrern und meiner Mitarbeit in den Fachkonferenzen bin ich gut aufgestellt, um geeignete Medien auszuwählen und ihre Verwendung durch die Lehrer zu fördern. Ich kann Ressourcen – gedruckt oder elektronisch- beurteilen und sofort sehen, wo sie in den Lehrplan unserer Schule passen.

Wir haben einen ausgewogenen, angemessenen Bestand relevanter Bücher und Medien, der intensiv genutzt wird. 10.000 Ausleihen sind es zu jeder Zeit.

Ich glaube, dass es entscheidend ist, professionelles Personal zu beschäftigen, das in unseren Schulen die Bibliothek verwaltet, erfahrene Lehrkräfte mit Zusatzqualifikationen im Bibliothekswesen.
Und wir müssen von Bibliotheksassistenten unterstützt werden, in ausreichender Anzahl.

Es besteht ein dringender Bedarf für eine Festlegung der Zahl der Mitarbeiter in Schulbibliotheken. Das Queensland-Modell gibt einer Grundschule von 300 einen Vollzeit-TL. Die Personalausstattung hat sich in den letzten 10 Jahren ständig verschlechtert. Es gibt keinen Richtwert für Bibliotheksassistenten und keine Anerkennung der Notwendigkeit für zusätzliches Personal in den Bibliotheken für Schulen über 300.“

nach:  hubinfo – Campaign for Quality School Libraries in Australia

Keith Curry Lance, „Vater“ der Coloradostudien und anderer Wirksamkeitsstudien sagt in einem Interview: „Der Bibliothekslehrer (school library media specialist) muss als Lehrer und Bibliothekar qualifiziert sein. Wenn der Bibliothekslehrer dir Zusammenarbeit mit dem Fachlehrer sucht (classroom-teacher), gelingt das nur, wenn er als Lehrer wahrgenommen wird. Anderenfalls passiert nichts.“

Ein Video „School Libraries in Action“ zum Thema Zusammenarbeit mit den Fachlehrern und Aktivitäten von Schulbibliothekarinnen.

 

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Ein Gedanke zu „Wozu Bibliothekslehrer?

  1. Margarida Botelho

    amarbosi@yahoo.co.uk
    Meiner Meining nach ist ein Bibliothekslehrer nicht einfach ein Bibliothekar, auch nicht einfach ein Lehrer. Am mindestens hier in Portugal, Bibliothekslehrer setzen der OPAC aber sie machen auch etwas anderes: sie fördern des Lesens mit Aktivitäten für die Gemeinde, helfen Lehrern und Schülern finden (und verbessern) Information. Auβerdem, Bibliothekslehrer lehren die Regeln für die Ausarbeitung Forschungsprojekten. Insgesamt, müssen Bibliothekslehrer viel verwalten: Human- und Materiellenressourcen, ihre eigene Ausbildung in verschiedene Gebiete: Informatik, Informationskompetenz, Bibliothekswesen, Didaktik, und so weiter.

    Antwort

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