Lesetipp: Cory Doctorov, Little Brother

Doctorov erzählt eine Geschichte, von der man Mühe hat zu glauben, sie sei erfunden. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, allesamt Computerfreaks, schwänzt die Schule und spielt stattdessen ein digitales Geländespiel.

Die Schülergruppe ist in der Nähe, als  Terroristen die Bay Bridge in San Francisco sprengen. Sie werden prompt von der Heimatschutztruppe verdächtigt, die Bombe gezündet zu haben. Die Gruppe wird in ein Geheimgefängnis verschleppt und brutal verhört. Marcus, der Ich-Erzähler, wird unter Drohungen – „Wir kriegen Dich“, „Wir lassen Dich nicht mehr aus den Augen!“ – entlassen. Er entdeckt, dass sein Laptop manipuliert wurde.

Die Heimatschutztruppe verwandelt San Francisco nach dem Terrorangriff in einen Überwachungsstaat. Jeder Bürger ist bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal verdächtig. (Ganz in der Tradition des Begründers der Leninschen Geheimpolizei Tscheka, Felix Dscherschinsky. Von dem stammt der Satz, dass jeder  Bürger bis zum Beweis seiner Unschuld erst einmal als konterrevolutionär verdächtig sei. )

Bewegungsprofile gibt es dank Handy und Chipkarten fürs Einkaufen, für Brücken- und Straßenmaut und Barcodeetiketten in ausgeliehenen Büchern. Videokameras zeichnen in den Klassen den Unterricht auf und die Personen in den Schulfluren. Die Gangerkennungssoftware schlägt Alarm, wenn Schulfremde, wie z. B. Eltern, das Gebäude betreten. Die wenigstens kann man mit Kieselsteinen in den Schuhen austricksen .

Marcus und seine Freunde nutzen ihre Hacker-Kenntnisse, um ein Überwachungschaos anzurichten. Tausende machen sich dank vertauschter und infizierter Chips verdächtig. Die Heimatschutztruppe muss personell aufgestockt werden.

Es  entwickelt sich ein atemberaubender Kampf um Freiheit und Bürgerrechte. Beängstigend ist, dass die Technologie für dieses aktuelle „1984“ schon da ist. Bis auf das Betriebssystem „Paranoidlinux“ ist nichts erfunden.

Es gibt  das Original im Internet und eine Fan-Übersetzung und das deutschsprachige Hörbuch. Man muss also das Buch nicht unbedingt kaufen. Doctorov ist Creative Commons Fan. Er freut sich, dass mit dem Buch Jugendliche für Datenschutz und Freiheitsrechte in der digitalen Welt sensibilisiert werden. Trotz Creative Commons verkauft es sich blendend. Eine Verfilmung ist  in Arbeit.


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