Die Bedeutung des Computers in der Schule wird überschätzt

meint Josef Kraus, Chef des Deutschen Lehrerverbandes DL. Das berichtet die Augsburger Allgemeine aus Anlass einer Umfrage, die Microsoft in Auftrag gegeben hat. Wie Microsoft an Bildung verdienen will, zeigt die CeBIT.

Man kann nur hoffen, dass die Kultusminister und Landräte in jeder Schule einen oder zwei Klassenräume analog belassen und mit dem gesparten Geld eine Schulbibliothek einrichten.

Siehe auch im Basedow1764!

Dass die teure Computerausstattung der Schulen sich nicht lohne oder bisher keine positiven Auswirkungen hätte, wurde schon früher festgestellt: Die Nutzung von Computern in der Schule gehe in den PISA-Basiskompetenzen nicht mit besseren, sondern zumeist mit schlechteren Schülerleistungen einher, berichteten 2004 die ifo- Bildungsexperten Ludger Wössmann und Thomas Fuchs. In der Schule habe der Computer oft andere, effektivere Unterrichtsformen verdrängt.

Nun hat Wössmann auch eine Studie vorgelegt, in der er nachzuweisen glaubt , dass Lehrer die schlechteren Abiturnoten hätten. Aber auch die Gegner seiner Computerstudie überzeugen mich nicht. Bei denen sind es meist die inkompetenten Lehrer, die schaden, nicht die Computer. Oder methodische Mängel der Studie.

Da bleibt noch viel zu forschen.

Update 3.3.10

Auch die FAZ ist – im Wirtschaftsteil – begeistert von Microsofts digitalem Klassenzimmer auf der CeBIT. Im Politikteil verteidigt sie die Dreiteilung des Schulwesens, die aus der frühen Neuzeit stammt.

Apple bietet für die Schule den „Dreiklang“ (Apple-Werbung) von iPad, iPhone und Macbook an.

Der in der FAZ zitierte Lehrer der Wiesbadener Elite-Geamtschule „Helene Lange“ hastet von Stockwerk zu Stockwerk, um die Computerräume aufzuschließen, in denen die Schüler/innen lernen, Suchmaschinen zu bedienen, Textverarbeitung zu beherrschen und auf dem Meer der Informationen zu surfen.  Er sieht vor allem eine veränderte Lehrerrolle: Nicht mehr frontaler Prediger, sondern ganz entspannt Helfer seiner Schüler. (Bei der Beseitigung von Druckerproblemen?)

Arme Lehrer! Gerade haben sie gelernt, eine Maus zu bedienen, da hören sie von denen, die aus der Second World zurückgekehrt sind, dass sie im Englischunterricht Twitter einsetzen sollen und in Biologie Powerpoint vergessen können, jetzt werde die Präsentationsprüfung mit Wikis und Podcasts absolviert. Konjunktiv II gibt es als App bei Apple und den „Gallischen Krieg“ übersetzt mir Google.

Herr Platzeck, statt Schüler-BaföG für wenige, ein Smartphone für alle und Brandenburg wird Bildungsland Nr. 1!

Nachtrag:

Link zu „Was bringt Computereinsatz in der Schule“ auf dem „Mammutportal“ von Beat Döbeli.

Eine kritische Darstellung der Gründe für Computerkauf in Schulen und die fehlende zuverlässige Wirkungsforschung durch den emeritierten US-Pädagogikprofessor Larry Cuban.

3 Gedanken zu „Die Bedeutung des Computers in der Schule wird überschätzt

  1. DonBib

    Noch schöner wäre eine Schulbibliothek für alle, oder?🙂

    Brandenburg wird im Übrigen bei der derzeitigen Schulstruktur, z.B. in Potsdam (Anteil der privaten Schulen), sicherlich nie Bildungsland Nr. 1…

    Antwort
    1. basedow1764 Autor

      Klar, Schulbibliothek für alle fänd´ ich besser als Millionen für Abiturienten-BaföG und hinterher die Quittungen zu kontrollieren.
      Schulbibliotheken haben inzwischen Klassensätze Laptops, ein Smartboard und OPACs. Mit eBook-Lesegeräten wird auch schon experimentiert.
      Wenn der Strom ausfällt, DSL zu langsam ist, der Server unbedingt vormittags ferngewartet werden muss, der Akku nicht aufgeladen, die Druckerwarteschlange überquillt, gibt es noch richtige Bücher, um die Wartezeit, bis alles wieder funktioniert, zu überbrücken.

      Übrigens, die Privatschulen sehe ich nicht mehr so negativ. Der Staat stellt bei seinen eigenen Schulen auf Outputsteuerung um, d. h. die Schulen kriegen nicht mehr alles vorgeschrieben und geregelt, sondern müssen am Schluss „nur noch“ kompetentes, geprüftes, für den Arbeitsmarkt nach PISA und Bologna-Kriterien gerüstetes Humankapital abliefern. Das können Privatschulen ebenso gut und besser. Wenn sie dafür das Geld bekommen, das Staatsschule und Kultusbürokratie kosten, müssen das auch keine elitären Veranstaltungen mehr sein.
      Die Schulaufsicht bliebe erhalten. Allerdings: Die Posten der Schulleiter, Schulräte und Kultusbeamten, die bisher den Parteien zur Verfügung standen, würden weniger.

  2. Pingback: Sneak Preview 2 – Brandenburger Blogs im Wikio-Ranking März 2010 – Von Stefan Stahlbaum

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