„Real existierende Schulbibliotheken als disfunktionale Einrichtungen“. Eine Befragung in Schleswig-Holstein

Vor ein paar Wochen erschien eine Befragung über Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein.

Die Befragung und ihre Ergebnisse kommentierte ich so: „Man erfährt das, was bei solchen Umfragen herauskommt… Das Spannende an dieser Untersuchung ist nicht in den vielen bunten Diagrammen und Tabellen zu finden. Das Spannende ist der Lernprozess einer Bibliothekarin.“

Diese  hatte nämlich durch ihre Umfrage herausbekommen, dass die Schulbibliothek nicht überall einzig und allein zum Zweck der Ausleihe guter Bücher eingerichtet wurde.

Nun hat sich der Berliner Bibliothekswissenschaftler Karsten Schuldt die Umfrage einmal genauer angesehen. Er hält sie im Grunde für sinnvoll und vor allem für fortführungswert. Aber er kommt zu einem vernichtenden Urteil, wenn er das Erkenntnisinteresse der Umfrage herauspräpariert.

Es sei eine rein bibliothekarische Betrachtungsweise von Schulbibliotheken, die er hier finde. An Schulbibliotheken würden Standards angelegt, von einer Expertengruppe des dbv, der IFLA oder woher auch immer. Dass diese Standards nicht hinterfragte Setzungen seien, bei denen die Stadtbibliothek Pate stünde, sei offensichtlich. Er zeigt das, indem er mal eben einen „Schuldtschen Linux-Bibliothekstandard“ formuliert und zu dem Ergebnis kommt, dass keine Schulbibliothek diesem Standard genüge.

Bibliothekare übertrügen ihre Vorstellungen auf Schule. Was Lehrer und Schüler wollten, welche Rolle eine Schulbibliothek im jeweiligen konkreten Schulkontext spielen sollte, werde nicht berücksichtigt oder erfragt.

Dann komme eben heraus, dass die meisten Schulbibliotheken Substandard wären. Jetzt brauche die schleswig-holsteinische Büchereizentrale nur noch Geld und Stellen, um flächendeckend alle Schulen mit Schulbibliotheken auszustatten, die den Bibliotheksexperten-Standards genügten.

Karsten Schuldt legt nahe, die viel zitierten Standards, denen 85 – 90% aller deutschen Schulbibliotheken angeblich nicht genügten, kritisch zu untersuchen:

Beschreiben sie Qualität und lassen unterschiedliche Lösungen zu oder sind es Vorschriften aus der Sicht der Stadtbibliothek? Schreiben sie ein Modell vor, das aus bibliotheksfachlicher Sicht gut funktioniert, aber andere mögliche Modelle nicht erlaubt?

Waren außer Bibliothekaren auch Lehrer und Erziehungswissenschaftler an der Formulierung der Standards beteiligt?

Auf die Schnelle ausgesprochen: Wenn ich verfolge, wie schwer es ist, Bildungsstandards zu formulieren, die sich von Stoffplänen unterscheiden, sie zu operationalisieren und zu evaluieren…

Oder vergleiche ich da Äpfel mit Birnen?

Ein Gedanke zu „„Real existierende Schulbibliotheken als disfunktionale Einrichtungen“. Eine Befragung in Schleswig-Holstein

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