Bemerkenswertes aus Schleswig-Holstein

Dass Kooperationsverträge zwischen dem Lobbyverband dbv der öffentlichen Bibliotheken und Kultusministerien mehr sein können als symbolische Politik, bahnt sich in Schleswig-Holstein an.

In Hessen hat man den eher den Eindruck, dass mit der Unterschrift einer Kultusministerin unter einen solchen Vertrag das Thema „Schulbibliotheken“ in ihrem Haus abschließend behandelt wurde. Man ist dankbar, dass die Hessische Landesbibliothek sich kümmert und spendiert ihr sogar noch zwei halbe Lehrerstellen.

Schleswig-Holstein besitzt eine landesweit zuständige Büchereizentrale anstelle einer Fachstelle.  Träger ist ein gemeinnütziger Verein. Man höre und staune: Diese Zentrale, das KM und das IQ des Landes setzten sich zusammen!

Als erstes legen sie gemeinsam eine Untersuchung zu „Schülerbüchereien“ im Land vor. Durchgeführt und ausgewertet wurde die Untersuchung von der Büchereizentrale.

Man erfährt das, was bei solchen Umfragen herauskommt: Weniger als die Hälfte der Schulen antwortet überhaupt. Die Hälfte aller Schulen in Land hat wohl eine, wenn man das Ergebnis extrapoliert. Erheblich weniger als die Hälfte der Hälfte hat eine den Kriterien der dbv-Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ entsprechende Einrichtung. Deswegen heißt es in der Untersuchung auch hartnäckig „Schülerbücherei“ und nicht „Schulbibliothek“.

Das Spannende an dieser Untersuchung ist nicht in den vielen bunten Diagrammen und Tabellen zu finden. Das Spannende ist der Lernprozess einer Bibliothekarin.

Anfänglich liest man noch das übliche PISA-Monitum. Und dass die „Schülerbücherei“ (Anführungszeichen von mir; Basedow1764) notwendig wäre, weil: „Nicht alle Schüler haben die Möglichkeiten (sic!), eine örtliche Bücherei zu benutzen“ (p 11). Auch vermutet sie, dass Schülerbüchereien hohe Ausleihzahlen anstrebten (p 43).

Dann ist sie ganz überrascht, dass es doch so viele „Schülerbüchereien“ gibt. Und zweifelt, bei aller Kenntnis von Standards, das Mantra der 10-15% der dbv-Schulbibliotheksexperten an.

Erstaunt ist sie, dass „aus pädagogisch-didaktischer Sicht Schülerbüchereien eine – für Bibliothekare ungewohnte – Bedeutung beigemessen (wird)“  (p 10).

Ich schreibe das nicht, um eine Einzelperson zu kritisieren. Es ist vielmehr symptomatisch für die Einstellung, die Schulbibliotheken als „Sondernutzungsform“ der öffentlichen Bibliothek sieht und nicht als pädagogische Einrichtung.

Aber nun scheint in Schleswig-Holstein etwas aufzubrechen, das Hoffnung macht.

Noch tauchen die scheindynamischen Floskeln auf: „Tragfähige Kooperationsmodelle (sollen) entwickelt und Best-Practice-Modelle gefördert werden“ (p 44), die Bibliothek selbst soll mittels bibliotheks-pädagogischer Spiralcurricula Unterrichtsgegenstand werden (p 10).

Aber das darf nicht vom Wesentlichen ablenken:

  • Der Handlungsbedarf zum Thema „Schülerbüchereien“ sei insgesamt sehr groß, die Motivation der Schülerbücherei-Betreuer sehr hoch (p 47).
  • Schleswig Holstein brauche einen „Bibliotheksentwicklungsplan für Schülerbüchereien“ (p 47).
  • Die Büchereizentrale erkennt, dass sie eine landesweite schulbibliothekarische Arbeitsstelle werden sollte (Verzahnung mit den zentralen Dienstleistungen der Büchereizentrale).

Das steht in einer Broschüre, die gemeinsam von der Staatskanzlei, vom Ministerium für Bildung und Frauen, dem Institut für Qualitätssicherung an Schulen und der Büchereizentrale herausgegeben wird!

 

Wie heißt es doch so hoffnungsvoll im „Schleswig-Holstein-Lied“:

Doch wenn inn’re Stürme wüten,
drohend sich der Nord erhebt,
schütze Gott die holden Blüten,
die ein mildrer Süd belebt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
stehe fest, mein Vaterland!

Der 1. Schleswig-Holsteinische Schulbibliothekstag hier!

Zur Problematik der Kooperationsverträge siehe hier im Blog!

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2 Gedanken zu „Bemerkenswertes aus Schleswig-Holstein

  1. Pingback: Bibliotheken als Bildungseinrichtungen :: Schleswig-Holstein: Schulbibliotheken mit welchen Standards normieren? :: December :: 2009

  2. Pingback: Unterricht in der Bibliothek (2) « Basedow1764's Weblog

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