„Außergewöhnliche“ Projekte in Hessen: IMeNS

Vor etwa einem Jahr hatte ich eine Blütenlese zum Thema „Schulbibliotheken“ im Landtag zusammengestellt. Im Nachtrag wurde eine neue Anfrage des hessischen dbv-Landesvorsitzenden und CDU-Landtagsabgeordneten Lenz aus dem März 2009 erwähnt.  Fragen des Abgeordneten Lenz waren:

1. „Wie gestalten sich derzeit die administrativen Zuständigkeiten für Schulbibliotheken und Leseförde­rung in Hessen?“

Mein ironischer Antwortvorschlag wäre: Seit 1947 unverändert.  Keine Zuständigkeit des KM. Keine Initiative des Landtages bekannt, dies zu ändern.

2. „Welche außergewöhnlichen Projekte im Bereich Kooperation zwischen Öffentlichen Bibliotheken und Schulen gibt es darüber hinaus? Kann bspw. das IMeNS-Modell des Lahn-Dill-Kreises auf an­dere Land­kreise übertragen werden?

MdL Lenz führt in seinen Anfragen zwar immer die hessischen Schulbibliotheken an, es geht ihm aber vorrangig um die Schulen, die mit einer öffentlichen Bibliothek kooperieren. Sei es, sie leihen Bücher aus, kriegen Bibliotheksführungen oder haben Zugang zum Katalog der Stabü oder ähnlich revolutionäre Dinge.

Es ist nicht die erste Anfrage dieser Art. Das Ministerium wiederholt jedes Mal in seiner Antwort, dass es unzuständig sei. Neue, weiter führende Anstöße enthalten die Anfragen nicht. Das Bibliotheksgesetz, das der Abgeordnete für Hessen vorgelegt hat, enthält Schulbibliotheken nicht.

Jetzt liegt die Antwort des KM vor. Immerhin spielt das Ministerium dieses Mal den Ball zurück und lässt sich nicht darauf ein, 2000 Schulen abzufragen, sondern fragt die einzig übrigebliebene hessische Bibliotheksfachstelle nach Zahlen aus den 250 öffentlichen Bibliotheken. Dabei ergeben sich 5 gewöhnliche und 6 „außergewöhnliche“ Kooperationsprojekte.

Die außergewöhnlichen sind:

  1. SBA Frankfurt
  2. SBA Marburg
  3. Gemeinsamer Web-OPAC Schlüchtern (4 Schulen und die öB)
  4. IMeNS Wetzlar: 2 Medienzentren unterstützen Schulbibliotheken
  5. Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach (dafür geehrt mit dem hessischen Bibliothekspreis des dbv)
  6. Stadtbibliothek Dieburg und Goetheschule: Mitverwaltung der EDV und personelle Unterstützung (dafür geehrt mit dem hessischen Bibliothekspreis des dbv)

Dazu bedurfte es keines Kooperationsvertrages zwischen Land und dbv. Statt der einen neuen SBA (Marburg) verloren zwei andere (Offenbach, Wiesbaden) ihre Schulbibliotheken und sind nur noch Beratungsstellen.

Das Ministerium, wie wohl unzuständig, äußert sich in der Antwort bemerkenswert deutlich zu IMeNS:

„Gegen die Übertragung von IMeNS auf andere Landkreise spricht die Kostspieligkeit des Projekts.“

Quelle: Drucksache 18/206 „Situation der hessischen Schulbibliotheken“, 18.3.2009. Der Hessische Landtag hat ein gutes Landtagsinformationssystem und dortselbst sehr hilfsbereite Bibliothekarinnen und Bibliothekare.


Weil nicht danach gefragt wurde, hat das Kultusministerium die folgenden außergewöhnlichen Projekte, die es selbst unterstützt, nicht so bezeichnet:

Hessischer Schulbibliothekstag

Projektbüro Schulbibliotheken

Landeslizenz LITTERA

Servicestelle EDV für Schulbibliotheken

Bibliothek in der Kiste

2 Gedanken zu „„Außergewöhnliche“ Projekte in Hessen: IMeNS

  1. Hanna

    Das Thema „Schulbibliotheken“ finde ich sehr gut. So werden die Schüler eigentlich noch aktiver und glaube das wird auch Spaß machen. Ich wünsche noch viel Erfolg mit dem Projekt. Danke.

    Antwort
  2. basedow1764 Autor

    Das laut hessischem dbv-Vorsitzenden Lenz „außergewöhnliche“ IMeNS-Projekt kommt nach der Phase des Jubels in die Phase in die Krise:
    Schulen, die mit Geld und Gerätschaften von LITTERA auf Bond umgelenkt wurden, erleben die Wahrheit des Satzes „Never change a running system“ und die Veränderungen beim Softwarelieferanten.
    Die ersten Schulen sind schon wieder bei IMeNs ausgestiegen
    Dass IMeNS den Schulen wenig nützt, wurde schon früher berichtet.
    Schulen, die keine Bond-Schulung machen, müssen damit rechnen, dass ihnen der Zuschuss gekürzt wird.

    Antwort

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