Kompensieren Kooperationsverträge den Mangel an Schulbibliotheken?

Das Schulbibliothekswesen bzw. sein Nichtvorhandensein ist hierzulande kein Thema, über das man in den Zeitungen viel liest. Schulbibliothek taucht in den Schlagzeilen auf, wenn eine hochkarätige Stiftung einem Elitegymnasium eine stiftet, und seit Jahrzehnten in Pressemeldungen einschlägiger Verbände, dass nämlich nur 10 -15% der Schulen …

Jetzt hat in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Nr. 41 v. 12.10.08, p. 82) der Gymnasiallehrer Kurt Cron, in Rheinland-Pfalz in Sachen Schulbibliothek sehr engagiert, in der jüngsten seiner gelegentlichen Kolumnen zu schulischen Themen ein Grundsatzproblem der deutschen Schulbibliotheksentwicklung angesprochen: Den Versuch, den Mangel an Schulbibliotheken dadurch zu kompensieren, dass die Schüler in die öffentlichen Bibliotheken gehen sollten.

Cron schreibt mit Recht, dass die Schulbibliothek ein pädagogisches Werkzeug sei, das permanent zur Verfügung stehen müsse. Für einen chemischen Versuch gingen die Schüler auch nicht ins Labor der örtlichen Chemiefabrik.

(Hier gehts zum FAZ-Archiv. Der Artikel kostet 2 €) Siehe auch hier.

Schade ist, dass der Deutsche Bibliotheksverband dbv so wenig echtes Interesse an Schulbibliotheken hat. Seine Strategie ist, die öffentliche Bibliothek als Lernort und Bildungspartner ins Spiel zu bringen.

Mit fast der Hälfte der Länderregierungen (7) hat der dbv sog. „Kooperationsvereinbarungen“ abgeschlossen, ein oberflächliches Papier, das nichts kostet und das propagiert, was vorher auch schon praktiziert wurde: Dass Schulen sich an öffentliche Bibliotheken wenden dürfen.

Schulbibliothek kommt nur im Vertrag mit Hessen substantiiert, d.h. als Gegenstand der Vereinbarung, und sogar im Titel vor.

Was heißt das für die Entwicklung des Schulbibliothekswesens in Deutschland? Vielleicht das, was im Koopvertrag in Thüringen steht (Wo der dbv die Schulbibliotheken ja auch nicht im Gesetz haben wollte):

„Schulbibliotheken sind integrierter Bestandteil des pädagogischen Konzepts der Schule“. Und kein Gegenstand des Koopvertrages dbv-KM TH.

Kooperationsverträge von Schulen und öffentlichen Bibliotheken sind ok. Sie sollten aber nicht gegen Schulbibliotheken ausgespielt werden, wie das auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung durch einen dbv-Funktionär geschah.

Nachtrag 10.9.09:

Hoffnung macht, was aus Schleswig-Holstein zu erfahren ist.

Nachtrag 10.2.10:

Die Bilanz von drei Jahren Kooperationsvertrag in Hessen ist dürftig: Ständige Sitzungen des „Forum Schulbibliothek“ mit vielen Bibliothekaren. Und der dbv-Vorsitzende beklagt sich bei der Regierung, dass kaum Sitzungen stattfänden. Landtagsanfragen des dbv-Vorsitzenden, in denen das Wort „Schulbibliothek“ zwar im Betreff steht, es dann aber vor allem um die Nutzung der öB. geht. Anfänglich vor allem Streit, ob das Projektbüro Schulbibliotheken des KM eine Zuständigkeit für ganz Hessen hätte. Das gefiel dem dbv nicht. Jetzt gehts ungeschminkt ums Geld! Der dbv fordert vom Kultusministerium Geld für seine Fortbildungsbroschüre und seine Referenten. So viel Geld übrigens, wie das Ministerium bisher zur Förderung des Schulbibliothekswesens ausgibt: 30.000 €. Und natürlich noch zwei halbe Lehrerstellen für die Landesfachstelle.

So kommt das Schulbibliothekswesen in Hessen nicht in Gang.

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5 Gedanken zu „Kompensieren Kooperationsverträge den Mangel an Schulbibliotheken?

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